Positiv sehen: Tipps zum besser älter werden

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84 Jahre und nicht leise: Dr. Mechtild Flotho stellte ihr Buch bereits in einer Lesung öffentlich vor und signierte Exemplare. Sie ist überzeugt, dass fast jeder sein Alter lebenswert machen kann.

Hofgeismar. Muss man im Alter aufgeben? Oder kann man sich jenseits der 60 noch freuen? Das Alter positiv zu sehen, dafür wirbt Mechtild Flotho (Jahrgang 1932), frühere Leiterin des Hofgeismarer Gesundheitsamtes und Ärztin.

Tipps dazu gibt sie in ihrer Biografie mit dem Untertitel „In Bewegung und Mut das dritte Alter entdecken und leben“, die sie zusammen mit Harald Schiller (Hamburg) geschrieben hat.

Das Buch „La Tercera Edad“, so der spanische Ausdruck für den dritten Lebensabschnitt, spricht sich dafür aus, sich nicht aufzugeben, sondern Glück und Zufriedenheit auch im Alter zu erleben. Dafür müsse man aber schon früh vorsorgen und dürfe nicht erst am letzten Arbeitstag damit beginnen.

Die Tipps bezieht sie aus ihrem eigenen Leben, das von Höhen und Tiefen und schwierigen Entscheidungen, aber auch viel Glück geprägt war. Leicht lesbar, mit etlichen Familienfotos, schildert Mechtild Flotho ihre Kindheit in Wiesbaden, die bis heute andauernden Traumafolgen der Bombennächte, das Aufpäppeln bei Verwandten in der Schweiz und Autosuggestion als Mittel, sich mit positiven Gedanken selbst zu helfen.

Der Vater verliert seinen Job bei der Bank, die Familie muss einen Neustart wagen unter heute kaum mehr vorstellbaren Bedingungen. Vom geliebten Großvater, der sich nach einem Schlaganfall ins Leben zurückkämpft, lernt sie, sich von innerer Finsternis nicht dauerhaft beherrschen zu lassen. In den 50er Jahren lernte sie ihren späteren Mann kennen, der ebenfalls Medizin studierte und ihr nicht seine Briefmarkensammlung, sonder histologische Präparate zeigte.

Zunächst unwillig zog sie mit ihm nach Hofgeismar, wo er die Arztpraxis seines Vaters übernahm, der durch Sabotage am Auto starb. Weil es ihr gesundheitlich schlecht ging, man rechnete sogar mit ihrem Tode, gab ihr Mann 1992 seine Praxis auf. Mit der Diagnose Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) kam die Wende, sie lebte auf und startete mit neuem Lebensmut in die dritte Phase.

Das Paar lebte im Winter auf Mallorca, Mechtild Flotho lernte die Selbstheilungskräfte des Qi-gong, lernte die spanische Sprache und das Malen, befasste sich im Lesekreis mit Literatur.

Die Ärztin fordert eine „Akademie des Alterns“, etwa im Programm der Volkshochschule, als wichtige Voraussetzung schon vor dem Ruhestand, um sich auf diese Zeit vorzubereiten. Denn ohne den Beruf fehlt vielen Menschen der Halt und die Struktur im Alltag. Man dürfe sich nicht zurückziehen und aufgeben, sondern müsse sich neue Ziele Suchen, denn das Lernen dauert ein Leben lang an, meint sie. Ohne Aufgaben verkümmere nicht nur der Körper, sondern auch der Geist. Der Ruhestand dürfe nicht zum Gefängnis werden. Spaziergänge, Theaterworkshops, Sport, Kochen seien erste Schritte.

Buch: Mechtild Flotho mit Harald Schiller: La Tercera Edad - In Bewegung und mit Mut das dritte Alter entdecken. Boxan Verlag Kassel, 128 Seiten, 18 Euro. (tty)

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