Trotz Hitze: Lange Nacht der Poesie begeisterte Publikum

+
Endspurt für die Lachmuskeln nach Mitternacht: Lange-Nacht-Neuling Thorsten Hitschfel setzte den komödiantischen Schlusspunkt. Foto: Löschner

Bad Karlshafen. Ein mehr als vierstündiges Kulturprogramm zusammenzustellen, das ein Publikum in einem tropisch warmen Saal packt und unterhält, ist ein Kunststück.

Der Organisator der Langen Nacht der Poesie, Schriftsteller Manfred Hausin, hat diese Kunst wieder einmal vollbracht.

Griff er im vergangenen Jahr im zweiten Teil vor allem auf Bands zurück, gelang das Gesamtkunstwerk Lange Nacht am Freitag fast nur mit Einzelkünstlern. Dass dieses Konzept nicht wie einmal geschehen zu Ermüdungserscheinungen führte lag daran, dass Hausin die Bandbreite der Genres und Stile, die in den Reihen der Compagnie Poesie vertreten sind, voll ausschöpfte.

Was Poesie alles sein kann zeigte etwa Matthias Wesslowski mit seiner einzigartigen Symbiose aus hintersinnigem, fremdwortgespickten Text, Zauberei und Feuerkunst, die er zu einer Performance verschmilzt, bei der man nicht mehr weiß, ob man mitdenken, staunen oder lachen muss.

Werner Lämmerhirt brachte vor allem ganz neue Titel mit, blieb aber seinem immer swingenden Blues treu, den er mit farbiger Harmonik, markanter Stimme mit deutschen Texten und höchst virtuosem Gitarrenspiel entspannt fließen ließ.

Einen Stimmungshöhepunkt mit heftigem Applaus und Jubel verdankten die deutlich mehr als einhundert Zuschauer der Klarinettistin Irith Gabriely. 2007 mit ihrer Band Colalaila bereits im Rosengarten mit dabei, trat sie nun im Kursaal mit dem Pianisten Peter Przystaniak auf. Beide glänzten mit ihrer Virtuosität und überraschten neben Klezmer-Stücken mit dem Miles-Davis-Titel „Four“. Diese beiden musikalischen Welten sind auch aus den Kompositionen Peter Przystaniaks herauszuhören, die er als „Modern Classic“ mit Nähe zur Filmmusik einordnete.

Musik und Prosa

Was ein Kieselstein in 300 000 Jahren so erlebt oder was alles passieren kann, wenn ein Mann am Strand seine Badehose unauffällig wechseln will, erzählte Eddy Winkelmann in Musik und Prosa nach der Pause. Profi-Sprecher und Rezitator Frank Suchland zeigte, wie man einen Streifzug durch Poesie und Literatur dicht und rasant gestaltet. Heinz Erhardt, Wilhelm Busch, Ringelnatz, Morgenstern und Goethe verdichtete Suchland raffiniert und witzig mit Anekdoten und Zitaten aus Politik und Medien.

Am Schluss kam nach Mitternacht mit Thorsten Hitschfel ein Lange-Nacht-Neuling sächselnd und mit pinker Gitarre auf die Bühne, der Schlager- und Pop-Titel aus den Sechzigern bis zur Neuen Deutschen Welle parodierte und aktuellen Musikphänomenen gegenüberstellte. Er verband seine Talente als Stimmimitator, Sänger und Kabarettist und setzte einer vielfältigen Langen Nacht einen mitreißenden witzigen Schlusspunkt.

Von Markus Löschner

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.