Überraschende Wende zum EAM-Nein in Hofgeismar

Schieflage: In Hofgeismar befindet sich zwar die zentrale Betriebsstelle der EAM (früher EON) für den Kreisteil Hofgeismar, doch die Stadtverordneten haben mit einer Stimme Mehrheit den Beitritt der Stadt Hofgeismar zur neuen EAM abgelehnt. Foto: Thiele

Hofgeismar. Nach mehr als halbstündigem Bedenkenaustausch war der Beschluss über die Nicht-Beteiligung der Stadt Hofgeismar am neuen regionalen Energieversorger EAM überraschend schnell gefallen.

Anders als vorher vom Magistrat und vom Haupt- und Finanzausschuss empfohlen, lehnten die Stadtverordneten am Montag mit einer Stimme Mehrheit die Beteiligung als Gesellschafter ab. Entsprechend stand das Erstaunen etlichen Abgeordneten ins Gesicht geschrieben. So schnell hatten sie vollendete Tatsachen geschaffen, die am Tag danach für reichlich Diskussionsstoff in der Stadt sorgten.

Maik Sembowski (CDU) hatte zunächst sogar eine namentliche Abstimmung der 25 beteiligten Stadtverordneten beantragt. Das ließ bei neun Einzelpunkten des Beschlusses einen langen Abstimmungsmarathon erwarten. Weil jedoch Zustimmung zu allen Punkten nötig war, um den Beschluss gültig zu machen, reichte schon die Ablehnung des ersten Punktes, um alles zu kippen.

Die Fraktionen investierten viel Zeit, um ihre Skepsis deutlich zu machen. Während ein Insider gegenüber der HNA bemerkte, dass das die beste Gelegenheit für die Stadt sei, mit wenig Risiko Geld zu verdienen, waren die Stadtverordneten vorsichtig.

Müssen Experten vertrauen

„Wir müssen davon ausgehen, dass man den Experten trauen kann, die uns das erarbeitet haben“, sagte Erster Stadtrat Günter Ebel als Vertreter des Bürgermeisters. Mit der EAM hätte man jetzt mehr Möglichkeiten als mit der EON.

Da eine fachliche Bewertung für Laien unmöglich sei, könne man nur politisch entscheiden, und da sei ein Ja sinnvoll, sagte Dr. Christian Knoche (Die Linke), selbst wenn das richtige Geldverdienen erst im Jahr 2040 beginne, wenn die Finanzierung beendet sei.

Die versprochenen acht Prozent Rendite seien nicht viel, wenn man bedenke, dass die EON sich freiwillig davon getrennt habe, sagte Reinhard Priem (FDP). Dass das Risiko zu groß und unkalkulierbar sei, kritisierten auch WSD und CDU. Das Ganze sei nicht effizient genug, um das Risiko einer Bürgschaft über zehn Millionen Euro zu rechtfertigen, sagte beispielsweise Stefan Dworak (WSD). Die Kommunen müssten unter Zeitdruck entscheiden, während die Wirtschaft sich in Ruhe beraten konnte. Die Kommunen müssen bis zum 7. November ihr Votum abgeben.

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„Es gibt ein geringes Risiko, doch die Chancen für unsere Stadt überwiegen“, warb Frank Nikutta für die SPD für eine Zustimmung auch der Kritiker. Die SPD wäre jedenfalls froh, den Fuß wieder etwas mehr in die Tür zu bekommen, damit die Gemeinden wieder Geld verdienen können.

Als zu lange festgelegt und unkalkulierbar stufte Maik Sembowski (CDU) die lange Laufzeit ein. Zudem seien zu viele Fragen unbeantwortet, das Risiko sei für die Mehrheit der CDU-Stadtverordneten zu groß.

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