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Hobbyastronom Dirk Ewers fotografiert Raumstation am Nachthimmel

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Von: Thomas Thiele

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Das Foto zeigt die Raumstation silbrig glänzend am dunklen Firmament. Sie ist aus vielen röhrenförmigen Bauteilen zusammengesetzt. Oben und unten sind lange Ausleger mit Sonnensegel zu sehen.
Von der Erde aus beobachtet: die Raumstation ISS mit dem beim Erstflug angedockten weißen Starliner-Raumschiff, das inzwischen wieder gelandet ist. © Dirk Ewers

Dem Hofgeismarer Astronomen Dirk Ewers ist es gelungen, die 420 Kilometer entfernte Raumstation ISS am Himmel zu fotografieren.

Hombressen - Vor wenigen Tagen machte das neue Boeing-Raumschiff Starliner auf einem Testflug an der Internationalen Raumstation ISS fest, um dort Ausrüstung und Proviant abzuliefern. Der Hombresser Freizeit-Astronom Dirk Ewers (53) konnte nach einer längeren Pause wieder einen Überflug der (ISS) über seinem Wohnort aufnehmen. Im gelangen von der Erde aus erstaunlich gute Fotos der über 400 Kilometer entfernten Raumstation.

Foto des Tages

„Ich wollte mal überprüfen, ob und wo dieses an der ISS angedockt hat“, erklärte er seine Beweggründe. Schon vor mehreren Jahren waren ihm derartige, zuvor als unmöglich bezeichnete Aufnahmen gelungen, die ihm viel Anerkennung einbrachten und die es sogar als „Foto des Tages“ auf die Internetseite der amerikanischen Raumfahrtorganisation NASA schafften.

Raumschiff von Boeing

Auf seinen Aufnahmen erkannte er, dass der wiederverwendbare Starliner, der bei der Rückkehr sogar auf festem Boden landen kann, an dem vorwärts gerichteten Docking-Port der Station (dem Harmony-Modul) angeschlossen ist (links im Bild). Durch den ersten erfolgreichen Start der Boeing-Kapsel, so berichtet Ewers, können Astronauten die ISS zukünftig mit zwei verschiedenen amerikanischen Systemen erreichen und sind nicht mehr von den russischen Sojus-Kapseln abhängig – mit den Crew-Dragon-Raumfähren von SpaceX (Elon Musk) und eben dem Starliner von Boeing. In dem befand sich aktuell für Testzwecke zunächst nur eine Puppe, die Daten aufzeichnet.

Luftunruhe ist das Problem

Nachdem Ewers in den vergangenen Wochen einige Details seines Aufbaus und der Aufnahmetechnik optimieren konnte, waren die ersten Ergebnisse schon vielversprechend. Trotz feuchterer Luftschichten mit nicht allzu hoher Transparenz gab es in der Videoaufnahme immer wieder Momente mit guter Luftruhe. Aus den tausenden Videoeinzelbildern suchte er schließlich die besten heraus und addierte sie zu einem Einzelfoto. Darauf sind viele Details der Station zu erkennen, insbesondere das Starliner-Raumschiff als weißes Objekt mittig auf der linken Seite der Station.

Ein Mann steht im Freien neben einem über mannshohen Aufbau, bei dem ein schwarzes Spiegelteleskopgehäuse in einer massiven weißen gabelförmigen Halterung montiert ist.
Hobbyastronom Dirk Ewers neben dem Teleskop, mit dem er die ISS-Aufnahmen macht. © Dirk Ewers

Heller als die Venus

Bis Ende vergangener Woche war die ISS abends noch als heller Lichtpunkt über Nordhessen zu sehen, die Bahnen und die Bedingungen ändern sich regelmäßig. Auch wegen des angedockten, völlig in weiss gehaltenen Starliner-Raumschiffs hatte die ISS aktuell sogar eine größere Helligkeit als der Planet Venus und war somit während ihres Überfluges am Nachthimmel der hellste Himmelskörper.

Bessere Kameratechnik

Gegenüber dem schon Jahre zurückliegenden ersten Aufnahmeversuch konnte Dirk Ewers die Technik deutlich verbessern. „Aktuelle Videokameras haben eine nochmals höhere Empfindlichkeit. Daher konnte die Belichtungszeit je Einzelbild von früher etwa neun auf aktuell nur zwei bis drei Millisekunden verringert werden“, berichtet der 53-Jährige. Dadurch werde die bei einer Aufnahmebrennweite von 9000 mm störende Luftunruhe in der Atmosphäre und im Teleskop besser eingefroren.

Tausende Einzelfotos

Gleichzeitig habe der Sensor eine höhere Auflösung und die Kamera könne mehr Bilder je Sekunde aufnehmen, bis zu 120 gegenüber früher 20 bis 30. Man könne so aus tausenden von Einzelbildern die besten heraussuchen. Normale Fotoaufnahmen der 27 600 km/h schnellen ISS würden schlechtere Ergebnisse liefern.

Spiegelteleskop schluckt Licht

Deshalb kann Ewers nun auch sein großes Spiegelteleskop verwenden, während er früher alle ISS-Aufnahmen mit dem kleineren Linsenteleskop erstellte. Im Spiegelteleskop werden die Lichtstrahlen dreimal gespiegelt (im Gegensatz zum Linsenteleskop, wo das Licht nur einmal hindurchgehen muss), weshalb es hier um so wichtiger ist, die Luftunruhe einzufrieren.

ISS hat sich weiter entfernt

Erschwerend kam hinzu, dass die Umlaufbahn der ISS inzwischen mit 420 Kilometern deutlich weiter entfernt ist als vor einigen Jahren mit etwa 350 Kilometern Höhe, wodurch die Abbildungsgröße der Raumstation im Teleskop sich um etwa 20 Prozent verkleinerte. Also hätten die Aufnahmen eigentlich schlechter sein müssen als bei den ersten Versuchen. Das Ergebnis überzeugte deshalb umso mehr.

Teleskop wird gekühlt

Um Unschärfen durch Luftschlieren zu verringern, kühlt Ewers übrigens das Spiegelteleskop schon ein bis zwei Stunden vor Nutzung mit drei eingebauten Ventilatoren auf die Umgebungsluft herunter. Fazit: Was tut man nicht alles für ein gutes Foto.

Im Juli wieder zu sehen

Da die ISS-Umlaufbahn um die Erde wandert, ist die Station am Himmel über Nordhessen nur in bestimmten Nächten gut zu sehen. Demnächst wieder ab Anfang Juli.

Info: Einen Überblick gibt die Seite: heute-am-himmel.de. Außerdem: boeing.com/space/starliner. Die exakte Position der ISS zeigen Handy-Apps wie ISS Detektor. (Thomas Thiele)

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