Mit Bohrung zurück ins Jahr 1899

Vor dem Brückenneubau an der Weser wird Standfestigkeit getestet

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Kernbohrung: Während eine Firma sich von oben durch die Fahrbahn in den Kern9 der Brückenpfeiler hinabarbeitet, bohrt eine zweite Firma (hier bei Montagearbeiten) von unten in die Gewölbe der Brückenköpfe. 

In welcher Form die neue Weserbrücke bei Gieselwerder gebaut werden kann, das entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Voraussetzung dafür ist die Tragfähigkeit der denkmalgeschützten historischen Brückenpfeiler, die – ebenso wie die Gewölbe der Brückenköpfe an beiden Ufern – erhalten bleiben sollen.

Um in die 1899 erbauten Brückenpfeiler hineinsehen zu können, werden derzeit von oben und unten Bohrungen in das Sandsteinmauerwerk vorgebracht, die klären sollen, wie es unter der Oberfläche aussieht.

Die ersten Bohrkerne, die mit einem speziellen Bohrgerät aus dem nördliche Pfeilerbauwerk herausgeholt wurden, hinterließen zumindest oberflächlich einen Grund zum Optimismus. Unter einer Asphalt und Schotterschicht offenbarten die in Ein-Meter-Stücken heraufgeholten Bohrkerne eine stabile Verbindung von Sandstein und Beton, bis hinunter zum Weserkies im Untergrund.

Ans Licht geholt: 13 Meter tief führen die Bohrungen von der Asphaltdecke (oben rechts) durch Schotter und Sandstein hinab in den Kern der Pfeiler, wo sie mit Beton eine massive Verbindung eingehen.

Die beiden Firmen schaffen pro Tag etwa ein bis zwei Bohrungen, wobei die von oben 13 Meter in die Tiefe reichen und die von unten sich zwischen 2,05 Meter und 85 Zentimeter in den Pfeilerfuß sowie in den Scheitel und beide 45-Grad-Positionen der Gewölbe bohren. In dieser Woche erfolgen die Bohrungen oben am Nordufer und die unten am Südufer, danach ist es umgekehrt. In der nächsten Woche werden die Arbeiten abgeschlossen, die Bohrlöcher verfüllt und die Straße wieder freigegeben.

Die Bohrkerne werden dann, wie Hessen Mobil-Pressesprecher Marco Lingemann erläutert, beim Baustoffzentrum der Straßenbauverwaltung Hessen Mobil untersucht auf Druckfestigkeit und Materialkennwerte. Ein Statiker berechnet daraus die Belastungsfähigkeit der alten Bauwerksteile. Dann wird sich klären, wie weit und in welcher Art die alten Pfeiler beim Bau der neuen Brücke zu belasten sind und welche Variante für die neue Brückenkonstruktion gewählt wird. Derzeit sei deshalb noch alles offen, sagte Lingemann. Entscheidend sei vor allem der Zustand der Gewölbe und das Material in den darunterliegenden Fundamenten, ergänzt der Hessen-Mobil-Sprecher.

Einschränkung: Wegen der Bohrarbeiten kann der Verkehr derzeit nur einspurig über die Brücke geleitet werden.

Die alte Weserbrücke wurde ab 1899 erbaut und im Jahr 1900 eröffnet, gegen Kriegsende 1945 teilweise zerstört und, nachdem es jahrelang eine Behelfsverbindung gab, schließlich 1950 wieder aufgebaut.

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