Häuser für jedes Alter

Neues Wohnmodell für Hofgeismars Altstadt

1000 Quadratmeter groß ist die gewonnene Fläche in der Altstadt. Kirsten und Sven Köster stellten das Projekt gestern gemeinsam mit der Stadt und dem Pflegedienst PHB vor. Rechts Ideengeberin Sabine Ganther-Shaw.
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1000 Quadratmeter groß ist die gewonnene Fläche in der Altstadt. Kirsten und Sven Köster stellten das Projekt gestern gemeinsam mit der Stadt und dem Pflegedienst PHB vor. Rechts Ideengeberin Sabine Ganther-Shaw.

Ein Vorbild für die Wiederbelebung von Altstädten soll ein neues Wohnprojekt in Hofgeismar sein.

Hofgeismar - Solche Objekte kennt jede Stadt: Jahrzehntelang bewohnte Gebäude finden keine richtige neue Nutzung, werden vernachlässigt, verfallen langsam. Man kann warten, dass sich ein Enthusiast findet, der ein historisches Gebäude saniert und wiederbelebt, doch das passiert selten. Oft bleibt nur das Aufkaufen und Abreißen – wie jetzt bei einem bis vor 23 Jahren noch gut genutzten und dann verfallenem Bauernhof an der Kleinen Pfarrgasse in Hofgeismar.

Bauherren sind die Eheleute Kirsten und Sven Köster, die bereits vor zwei Jahren ein erstes Projekt in der Altstadt begannen. An der Brauhausgasse ließen sie drei verwahrloste Fachwerkhäuser abreißen und bauten dort drei neue Einfamilien-Stadthäuser und ein barrierefreies Fünf-Parteien-Haus. Noch eine Nummer größer ist das neue Projekt zwischen Kleiner Pfarrgasse und Westheimer Straßean der Stadtmauer. Hier sollen ab dem nächsten Frühjahr in fünf Gebäuden 15 größtenteils barrierefreie Wohneinheiten von 36 bis 120 Quadratmetern für Menschen aller Altersgruppen entstehen. Eine gemeinsame Dachterrasse soll die Kontakte zwischen den Bewohnern erleichtern.

Die Idee zu dem Projekt hatte Sabine Ganther-Shaw vom Verein „Selbstbestimmt leben - gemeinsam wohnen“, zugleich Leiterin der Tagespflege im nur 100 Meter Luftlinie entfernten neuen Petrihaus des Pflegedienstes PHB und der Wohnungsbaugenossenschaft Gewobag. Von dort aus können die Mieter der neuen Häuser bei Bedarf Pflegeleistungen erhalten und die Tagespflege mit nutzen.

Sven Köster, gelernter Zimmermann mit anschließendem Bauingenieurstudium, war jahrelang im Tief- und Tunnelbau in Amsterdam und Dubai tätig. Bei langen Autofahrten kam in ihm der Wunsch auf, wieder in die Heimat zurückzukehren und in der Kleinstadt barrierefreie Niedrigenergiewohnungen mit hohem Standard zu schaffen. Es gab eine überraschend hohe Nachfrage nach dem ersten Projekt. Gemeinsam mit PHB-Geschäftsführer Burghardt Wagner entwickelten Köster und seine Frau, die eigens eine Familien-KG gründeten, das neue Wohnkonzept, das alten wie jungen Menschen ein sorgloses Wohnen in der Altstadt ermöglichen soll.

Kompakt: Gleich vier neue Wohnhäuser errichtete Familie Köster bereits nach Abrissen in der Brauhausgasse.

Dass attraktiver Wohnraum für Menschen das Beste ist, um Innenstädte zu beleben, meint auch Bürgermeister Markus Mannsbarth. Es habe schon viele Ideen gegeben und Vorschläge für Geschäfte, berichtete er gestern bei der Vorstellung des Projektes. Doch Wohnprojekte, in denen auch ältere Menschen leben können und bei Bedarf Unterstützung in der Nähe haben, würden immer wichtiger. An der Umsetzbarkeit dieser Idee wie beispielsweise im Petrihaus hätten anfangs viele gezweifelt, doch der Erfolg beweise das Gegenteil. Der Gewobag-Geschäftsführer sei inzwischen bundesweit unterwegs, um Vorträge über das Modell zu halten, das im Objekt Kleine Pfarrgasse 5 und 7 seine Fortsetzung finde. Zum Glück lege die Denkmalpflege bei Hausabbrüchen nicht mehr so strenge Maßstäbe an wie noch vor ein paar Jahren.

Neues Projekt: So sollen die fünf neuen Gebäude mit gemeinsamer Dachterrasse aussehen.

Das 2,5 Millionen-Euro-Projekt wird aus der Städtebauförderung unterstützt.

In einem zweiten Bauabschnitt wollen Kösters auf dem Nachbargrundstück noch einen alten Stall abreißen und weitere Wohnungen bauen und auch ein Wohnhaus von 1929 sanieren. Und Ideen für weitere Projekte haben sie auch schon. (Thomas Thiele)

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