Kleine Spezialklinik am Krähenberg in Hofgeismar

Vorreiter der Geriatrie: Krankenhaus Gesundbrunnen in Hofgeismar wird 50

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Klinik im Grünen: Auf dem Krähenberg am westlichen Stadtrand von Hofgeismar liegt das Evangelische Krankenhaus Gesundbrunnen. Die beiden Abteilungen für Geriatrie und Neurologie haben gemeinsam 130 Betten plus 20 Plätze in der Tagesklinik.

Hofgeismar. Das Ev. Krankenhaus Gesundbrunnen wird 50 Jahre alt. Bei der Eröffnung 1967 war es einer der Vorreiter der Geriatrie - und wurde skeptisch betrachtet.

Die Anfänge

Als sich Mitte der 60er-Jahre mehrere Häuser in Deutschland auf Geriatrie spezialisierten, gab es in Fachkreisen viel Skepsis. Dr. Eckehard Flotho, der heute Neurologie-Chefarzt am Krähenberg ist, erinnert sich, dass auch sein Vater, ein Allgemeinmediziner, das Konzept der Spezialklinik für alte Menschen kritisch sah. Doch als Flothos Großvater nach einem Schlaganfall im Gesundbrunnen schnell wieder auf die Beine kam, gab das dem Ansatz Recht.

„Die Idee der Geriatrie ist hier mit entstanden“, sagt Geriatrie-Chefarzt Dr. Manfred Wappler – und verbunden war sie mit dem ersten und langjährigen Chef: Dr. Hans Leutiger.

Das Haus heute

Blieben die Patienten früher mehrere Monate, sind es heute gerade einmal drei Wochen. Trotzdem können drei von vier Patienten nach der Behandlung wieder nach Hause, müssen nicht in ein Pflegeheim. Dabei ist der durchschnittliche Geriatriepatient fast 82 Jahre alt und hat verschiedene Gebrechen.

Neben der Idylle auf dem Krähenberg ist es vor allem die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen, die für den Erfolg einsteht. Ärzte, Therapeuten und das Pflegepersonal tauschen sich eng aus. „Ganzheitliche Behandlung ist schnell dahergesagt, aber gar nicht so einfach“, sagt Wappler. Das Team müsse viel über den Patienten erfahren, um ihn buchstäblich wieder auf die Beine zu bringen für ein möglichst selbstbestimmtes Leben.

Das ist auch der Ansatz der neurologischen Frührehabilitation, wo Patienten nach Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumata und anderen neurologischen Krankheiten behandelt werden. Allerdings sind diese Patienten deutlich jünger als in der Geriatrie.

Blick in die Zukunft

Medizinisch steht das Haus vor zwei Herausforderungen, sagt Flotho: Zum einen leiden auch in der Geriatrie immer mehr Patienten unter Demenz – mit besonderen Anforderungen an die Therapie. Dafür wurde im Krankenhaus Gesundbrunnen 2015 die Memory-Station eröffnet. Aber dem Team stellen sich auch immer häufiger Fragen der Palliativmedizin, wenn es nur noch darum gehen kann, die Beschwerden bis zum Tod zu lindern. „Darauf müssen wir uns einstellen“, sagt Flotho.

Geschäftsführerin Agnes Hartmann hofft, dass ihr besonders kleines Haus in einem gesundheitspolitischen Klima bestehen kann, das eher auf wenige große Krankenhäuser setzt. Dabei kommt es auch darauf an, dass der hohe Personalaufwand für die intensive Betreuung der Patienten finanzierbar bleibt.

Deshalb hofft sie auch, dass die Kreisklinik Hofgeismar in unmittelbarer Nähe neu gebaut wird. „Wir wünschen uns eine enge Kooperation mit der Gesundheit Nordhessen, weil wir uns gegenseitig gut unterstützen können.“

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