Bau von Geselligkeitshaus löst Rücktritte aus

Die Vorstände der TSG Hofgeismar sind zurückgetreten

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Das Geselligkeitshaus steht: Es wurde auf die Garagen- und Geräteräume aufgesetzt. Wie es nun mit dem Ausbau weitergeht, ist noch nicht geklärt.

Der größte Verein im Kreisteil, die TSG Hofgeismar, ist derzeit ohne Führung. Vorsitzender Reinhard Priem und seine Stellvertreter sind zurückgetreten.

Der Grund: Mitglieder der Abteilung Fußball sollen unautorisiert einen 13 000 Euro teuren Ausbau eines Geselligkeitshauses im Angerstadion in Auftrag gegeben haben. Das Projekt sei von ihm selber befürwortet worden, sagt Reinhard Priem, der zusammen mit seinen Vorstandskollegen am Freitag vor einer Woche in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seinen Rücktritt erklärte. „Doch die Finanzierung war ja noch nicht abschließend geklärt und Förderanträge noch nicht gestellt.“ Ein Auftrag habe daher noch nicht erteilt werden können. Dass dies dann offenbar doch geschah und eine Hofgeismarer Holzbaufirma die Arbeiten bereits weitgehend ausgeführt hat, hätten Leute zu verantworten, die dazu nicht das Recht gehabt hätten, sagt Priem. „Das geschah ohne Absprache und hinter dem Rücken des Vorstands.“ 

Ehemaliger Vorstand stellt Rechtmäßigkeit in Frage

Priem, von Beruf Rechtsanwalt, erinnert daran, dass einzig der Vorstand das für Rechtsgeschäfte zuständige Vereinsorgan ist. Abteilungen oder einzelne Mitglieder könnten keine rechtsgültigen Verträge abschließen. Die Eigenmächtigkeit Einzelner wollten sie nicht länger hinnehmen und hätten mit ihrem Rücktritt nun die Konsequenzen ziehen müssen. 

Die Stadt bringt das Geselligkeitshaus im Stadion in eine missliche Situation: Zum einen ist sie der Eigentümer des Angerstadions. Zum anderen haben die Stadtverordneten 5000 Euro als Zuschuss in den Haushalt eingestellt. „Das ist das Maximum, das wir geben können“, sagt Bürgermeister Markus Mannsbarth. Bedingung sei, dass der Verein Fördergelder einwirbt. Weil das aber nicht geschehen ist, aber dennoch schon gebaut wurde, stellt sich nun die Frage, wer die Kosten trägt. Am Ende könnten die unautorisierten Mitglieder die Einzigen sein, an die sich die Firma halten kann.

Überraschung beim Stadionbesuch

Rainer Schütz soll seinen Augen kaum getraut haben, berichten Vereinsmitglieder: Als der zweite Vorsitzende der TSG Hofgeismar vor zwei Wochen das Angerstadion betrat, erblickte er Baugerät und Arbeiter, die über dem 50 Meter neben der Haupttribüne stehenden Garagen- und Gerätehaus ein neues Holzgebäude errichteten. Die Aufforderung, die Arbeiten umgehend einzustellen, sollen die Bauwerker mit dem Hinweis begegnet sein, sie hätten einen Auftrag auszuführen. Und außerdem habe ihnen Schütz keine Anweisungen zu erteilen.

Rücktritt auf außerordentlicher Mitgliederversammlung

Von da an nahmen die Dinge ihren Lauf. Schütz verständigte seine Vorstandskollegen und diese luden – ebenso empört und kenntnislos über die Arbeiten wie er – umgehend zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein. Nach den Jahresberichten verkündeten Vorsitzender Reinhard Priem und seine Stellvertreter Rainer Schütz und Petra Brand dann ihren Rücktritt. „Einige haben uns das Leben sehr schwer gemacht und immer wieder Sachen hintertrieben“, begründet Priem die Rücktritte, „das konnten wir nicht länger hinnehmen“.

Priem: Es gab immer wieder Störmanöver

Priem deutet an, dass in der Vergangenheit immer wieder Störmanöver gegen den Vorstand gefahren worden seien – insbesondere aus der Abteilung Fußball. Die nicht abgesprochene Beauftragung eines neuen Geselligkeitsraumes brachte dann das Fass zum Überlaufen.

Priem war vor fünf Jahren noch einmal überredet worden, den Vorsitz in der TSG zu übernehmen. Mit Unterbrechungen hatte er das Amt zuvor bereits 20 Jahre inne. Als er das Ehrenamt dann 2014 wieder übernommen habe, „konnte man arithmetisch feststellen, wann die TSG finanziell an die Wand fährt“, sagt Priem. Doch zusammen mit seinen Vorstandskollegen sei es gelungen, den Verein mit einem Jahresetat von rund 80 000 Euro „wieder auf gesunde Füße zu stellen“.

Mit einem Eigenanteil, den 5000 Euro von der Stadt und Fördergeldern von Landkreis und Landessportbund hätte man das Projekt sicher stemmen können, sagt Priem. Aber um die Finanzierung abzusichern und die Förderanträge stellen zu können, „hatte ich mit der Stadt eine Frist bis 30. November abgemacht“, sagt Priem.

Altherren-Abteilung verantwortlich? Fußballer wussten nichts

Solange wollten andere allerdings nicht warten und beauftragten die Holzbaufirma. Maik Kolle, Abteilungsleiter Fußball, will davon nichts gewusst haben. „Das muss aus der Altherren-Abteilung gekommen sein, sagt er und will sich darüber hinaus zu dem Fall nicht weiter äußern.

Bürgermeister Markus Mannsbarth führt das Zerwürfnis „auf interne Kämpfe in der TSG zurück“. Etwaige Vorwürfe, „der Bürgermeister habe mit den Fußballern etwas gemauschelt“, weist er entschieden zurück. „Die Stadt versucht, für alle Vereine da zu sein“, sagt Mannsbarth.

Kassierer und Stellvertreter verbleiben

Mit rund 1500 Mitgliedern und elf Abteilungen ist die TSG Hofgeismar der größte Verein im Kreisteil. Leichtathleten, Ringer und Turner sorgen bei überregionalen Wettkämpfen immer wieder für gute Ergebnisse. Die Abteilungen haben zwar eigene Vorstände, gerichtlich und außergerichtlich vertreten wird die TSG durch den Hauptvorstand. Nach Rücktritt der Vorsitzenden verbleiben noch Kassierer Christoph Dettmar und Stellvertreter Michael Müller in dem Gremium.

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