1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar
  4. Hofgeismar

Warten bis zum ersten Stern: Ukrainische Familie erzählt von ihren Festtraditionen

Erstellt:

Von: Daria Neu

Kommentare

Julia, Alissa, Daniel und Vadim Straschni (von links) leben schon seit Jahren im Kreisteil Hofgeismar. Bei ihnen kommen unterschiedliche Traditionen zusammen, da die Familie sowohl ukrainische als auch russische Wurzeln hat.
Julia, Alissa, Daniel und Vadim Straschni (von links) leben schon seit Jahren im Kreisteil Hofgeismar. Bei ihnen kommen unterschiedliche Traditionen zusammen, da die Familie sowohl ukrainische als auch russische Wurzeln hat. © Neu, Daria

Endlich ist Weihnachten. Im Haus von Familie Straschni aus Schöneberg werden verschiedene Traditionen zusammengeführt – auch ukrainische.

Hofgeismar – Bei Familie Straschni aus Schöneberg müssen sich der Weihnachtsmann und Väterchen Frost gut absprechen. Denn Vater Vadim, Mutter Julia und ihre zwei Kinder Daniel (8) und Alissa (2) feiern sowohl orthodox Weihnachten als auch so, wie man es in Deutschland kennt. Die kleine Familie lebt schon jahrelang im Kreisteil Hofgeismar und hat sowohl ukrainische als auch russische Wurzeln.

Gemütlich und klassisch vorweihnachtlich ist ihre Wohnung dekoriert. Auf dem Tisch steht ein Adventskranz. Das Fenster ist beleuchtet und hüllt das selbst gemachte Hexenhäuschen in ein besonderes Licht. „Wir feiern tatsächlich zweimal“, erklärt Vadim Straschni und lacht. Die Erklärung: Ukrainische Weihnachten werden von orthodoxen Christen nach dem julianischen Kalender gefeiert, nicht nach dem gregorianischen, wie man es hierzulande gewohnt ist.

Wie die Straschnis den 24., 25. und 26. Dezember verbringen, dürfte so gut wie allen bekannt vorkommen. Gemeinsam mit Großeltern und anderen Familienmitgliedern werden Rotkohl, Rouladen und andere klassische Leckereien aufgetischt, es gibt Geschenke von Weihnachtsmann oder Christkind – all das passiert unter dem geschmückten Tannenbaum.

Die Geschwister Alissa (2) und Daniel (8) begeistern sich auch für deutsche Weihnachtsdekorationen wie das Hexenhäuschen aus Lebkuchen.
Die Geschwister Alissa (2) und Daniel (8) begeistern sich auch für deutsche Weihnachtsdekorationen wie das Hexenhäuschen aus Lebkuchen. © Neu, Daria

Väterchen Frost bringt die Geschenke an Silvester

Ukrainisch wird es dann erst ab Silvester. „Denn an diesem Tag kommt typischerweise Väterchen Frost vorbei und bringt den Kindern die Geschenke“, erklärt Vadim Straschni. Dass am Ende des Jahres insgesamt nicht zu viele Gaben unter dem Weihnachtsbaum liegen, haben die Eltern im Blick: „Wir erklären den Kindern immer, dass Väterchen Frost und seine Kollegen sozusagen in einer Firma arbeiten und sich gut absprechen müssen“, berichtet der Familienvater mit einem Augenzwinkern.

Dass die echten Weihnachtsfeiertage aber erst am 6. Januar beginnen, daran musste sich auch Julia Straschni, die aus Russland kommt und evangelisch getauft ist, erst einmal gewöhnen. „Insgesamt werden an dem Abend zwölf verschiedene Gerichte angeboten“, sagt sie. Wareniki (Teigtaschen), Fischgerichte, verschiedene Salate und nicht zu vergessen ein Klassiker: Kutya. Das ist gekochter Weizen gemischt mit Mohn, Honig, Rosinen und Nüssen. Bei einem ukrainischen Weihnachtsfest darf diese Spezialität nicht fehlen.

Es ist schon sehr traurig. Wir haben Licht, Wärme und Essen. Wir haben einen großen Teil unserer Familie um uns. Das ist in der Ukraine längst nicht mehr selbstverständlich.

Julia Straschni 

Ihr Mann erinnert sich dabei an eine Tradition, die sein Großvater früher sehr streng verfolgt habe: „Wir mussten immer mit dem Essen warten, bis der erste Stern zu sehen ist. Da haben wir Kinder schon oft sehnsüchtig in den Himmel geschaut.“ Er muss lächeln: „Es gab keine Ausnahme. Nicht mal ein kleiner Keks war drin.“

Julia Straschnis Eltern aus Russland wohnen schon lange im selben Haus. Vadim Straschnis Eltern sind erst vor einigen Monaten aus der Ukraine geflüchtet und leben nun ebenfalls in Schöneberg. „Ich habe aber immer noch viele Verwandte in der Heimat“, erzählt er. An sie denke er tagtäglich. Insbesondere in der Weihnachtszeit, die auch im ukrainischen Brauchtum der Liebe und der Familie gewidmet ist, kreisen seine Gedanken um sie.

„Es ist schon sehr traurig“, sagt auch Julia Straschni. „Wir haben Licht, Wärme und Essen. Wir haben einen großen Teil unserer Familie um uns.“ Das sei in der Ukraine längst nicht mehr selbstverständlich. Ob Väterchen Frost, Weihnachtsmann oder Christkind – der größte Weihnachtswunsch der Straschnis steht daher ohnehin schon seit Monaten fest: „Wir wollen nur, dass endlich der Krieg aufhört.“ (Daria Neu)

Auch interessant

Kommentare