Von Washington nach Nordhessen

Waldemar Gries Leiter der Albert-Schweitzer-Schule Hofgeismar

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Neuer Schulleiter: Waldemar Gries war schon Chef an mehreren Schulen im In- und Ausland. Jetzt hat er die Leitung der Hofgeismarer Albert-Schweitzer-Schule übernommen. 

Er ist 62 und voller Tatendrang: Waldemar Gries will die Albert-Schweitzer-Schule in Hofgeismar weiterentwickeln und attraktiv halten.

Hofgeismar. Und im Gespräch mit unserer Zeitung wird klar: Er lebt seinen Beruf. „Schüler zu unterrichten ist wunderschön. Aber etwas bewegen und gestalten zu können, liegt mir auch.“ Wer seine mitreißende Art zu reden hört, glaubt dies aufs Wort.

Einiges soll sich an der ASS, dem Oberstufengymnasium für den Kreisteil Hofgeismar, ändern. Großes, wie der bilinguale Unterricht, aber auch Kleines. Die Schule sei hervorragend ausgestattet, sagt er. Tolle Räume, tolle Lehrer, tolle Schüler. Verbesserungspotenzial gebe es dennoch. Beispiel Bibliothek. Hervorragend sei das Material, aber die Öffnungszeiten seien bescheiden. „Eine geschlossene Bibliothek ist eine nicht existierende Bibliothek“, fasst er den Zustand plakativ zusammen. Sein Ziel ist es deshalb, die Öffnungszeiten mit Hilfe der Lehrer und Schüler auszuweiten.

„Und wohlfühlend müssten sich Schüler in dem Raum. „Eine Chill-Ecke brauchen wir“, also eine Ecke mit Sitzgelegenheiten, wo sich die Schüler wohlfühlen. Dass dort auch diverse Tageszeitungen präsent sein müssen, ist für ihn selbstverständlich. Auch die Jugend müsse noch das Gefühl von Papier erfahren können. Gleichwohl seien die neuen Medien wichtig. Über Unterrichtsausfälle, Stundenpläne und andere schulinterne Belange werden die Schüler per App und Handy informiert. Das schwarze Brett ist ein Breitbandbildschirm.

„Wir brauchen eine Chill-Ecke.“

Die Schüler, die die ASS verlassen, so sein Credo, müssen fit sein für das Leben in der freien Wirtschaft. Dass dazu heute die englische Sprache gehört, ist für ihn selbstverständich. Verhandlungssicher müssten die Abiturienten in der Fremdsprache sein, ist seine Überzeugung. Wer heute einen guten Job wolle, müsse oft mit Kollegen im Ausland sprechen. Und die Sprache sei dafür eben englisch.

Belegen kann er dies mit zahlreichen Beispielen aus seiner langjährigen Erfahrung. Seine letzte Station war die deutsche Schule in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington. Sechs Jahre war er dort tätig. Um eine weitere sechsjährige Amtszeit dran hängen zu können, wäre ein aufwendiges bürokratisches Verfahren nötig gewesen. Außerdem zog es die Familie auch ein wenig zurück nach Nordhesssen. Dass in Hofgeismar die Stelle des Schulleiters vakant war, passte da gut. Und nach den ersten Tagen und Wochen in der ASS hat er den Wechsel nicht bereut.

Turnhalle ist veraltet

„Für eine Schule mit 499 Schülern sind wir hervorragend ausgestattet“, wiederholt er. Nur die Turnhalle sei mit ihren 45 Jahren schon etwas in die Jahre gekommen.

Apropos Alter: Die Station Hofgeismar mag für den 62-Jährigen zwar die letzte Station vor dem Ruhestand sein, eine Station zum Ausruhen wird sie mit Sicherheit nicht. „Ich liebe es, Dinge voranzubringen. Und wenn sie erst verwirklicht werden, wenn ich schon in Ruhestand bin, dann freue ich mich, wenn ich die Umsetzung beim Ehemaligen-Treffen sehe.“

ZUR PERSON

Waldemar Gries (62) ist verheiratet und hat drei Kinder. Er wohnt mit seiner Familie in Kassel. Er stammt aus Eschwege, seine Frau aus Gottsbüren. Nach dem Abi studierte er in Gießen und Birmingham Anglistik und Geschichte. Als Lehrer war er ab 1979 an der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel, dann sechs Jahre an der offenen Schule Waldau. Ab 1987 war er an der Deutschen Schule auf Teneriffa, 1993 wechselte er zurück, wurde Studienleiter des Abendgymnasiums in Kassel. Nach einjährigen Abordnung zum Regierungspräsidium Gießen wurde er Leiter der Goethe-Schule in Kassel. 2009 übernahm er für sechs Jahre die Leitung der Deutschen Schule in Washington. Seit diesem Schuljahr ist er Chef an der Albert-Schweitzer-Schule Hofgeismar. Zuvor hatte der Schulleiter der Jacob-Grimm-Schule Kassel, Arnulf Hill (Hofgeismar) die ASS kommissarisch mitgeleitet, nachdem der frühere Direktor Hans-Joachim Mayer ein Jahr zuvor in den Ruhestand gegangen war.

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