Ab Montag sollen Abhol- und Lieferdienste möglich sein

Eisdielen im Kreisteil erleiden enorme Verluste wegen Corona

Paolo Mandolini würde auch gerne wieder Eis verkaufen. 
+
Paolo Mandolini würde auch gerne wieder Eis verkaufen. 

Für  Eiscafébetreiber wäre jetzt Hochsaison. Stattdessen leiden sie aufgrund der Corona-Pandemie unter großen Umsatzeinbußen.

Für viele Unternehmen bedeutet die Corona-Pandemie große finanzielle Verluste. Zu denjenigen, die von der Krise betroffen sind, gehören auch die Eisdielenbetreiber. Es ist wärmer geworden, die Sonne scheint. Eigentlich bedeutet das für sie Hochsaison. Doch die Eismaschinen stehen still.

„Das sind natürlich erhebliche Umsatzeinbußen“, sagt Fabio Marchesano vom Eiscafé Da Giuseppe in Vaake. „Jetzt ist eigentlich die beste Zeit, weil die Leute wieder Lust haben rauszugehen.“ Ihn trifft die Krise auch deshalb hart, weil die Eisdiele vom Durchgangsverkehr lebt. Motorradfahrer, Leute auf dem Heimweg von der Arbeit, Kanufahrer auf der Weser, das sind viele seiner Kunden. Sie hielten sonst kurz an und holten sich ein Eis. 

Fabio Marchesano würde seine Türen gerne wieder öffnen. 

„Von März bis Juli machen wir 70 bis 80 Prozent unseres Jahresumsatzes“, erklärt Marchesano, „das fällt jetzt weg.“ Genauso wie das normalerweise starke Ostergeschäft. Der Familienbetrieb hat schon Soforthilfe beantragt, aber das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt der 34-Jährige. „Wir knabbern uns so durch, aber es wird immer schwerer.“ Vor drei Jahren haben sie den Laden umgebaut, die Raten dafür laufen noch. Die Verluste, die die Familie bisher hinnehmen musste, könne sie nicht mehr aufholen.

Situation für Betreiber und Angestellte schwierig

Ähnliches berichtet auch Paolo Mandolini, Mitinhaber des Eiscafés Dolomiti in Hofgeismar. „Es ist wirklich nicht schön, gerade jetzt am Saisonanfang, aber Gesundheit geht vor“, erklärt Mandolini. Er habe ebenfalls Soforthilfe beantragen und zusätzlich Kurzarbeit anmelden müssen.

„Was verloren ist, ist verloren“, sagt der 70-Jährige. Mit der staatlichen Unterstützung könnten sie sich noch drei bis vier Wochen halten, dann würde es eng. „Es geht ja schon seit mehreren Wochen so, und es ist kein Ende in Sicht.“ 

Ihm tue es auch für seine Angestellten leid, sagt Mandolini. Ohne volles Gehalt und Trinkgeld sei die Situation für sie genauso schwierig. „Es wäre einfach schön zu wissen, wann wir wieder öffnen können.“

Erleichterung könnte bald kommen

Die jüngste Einigung der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Merkel verspricht nun zumindest ein wenig Erleichterung: Eisdielen sollen, so waren die politischen Signale aus Berlin und Wiesbaden, ab Montag einen Abhol- und Lieferservice anbieten dürfen. 

Um das umzusetzen, fehlt es bisher aber noch an der rechtlichen Grundlage, erklärt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Kreises Kassel. Es müsse erst eine neue Verordnung her.

Diese Lockerung würde für Marchesano eine Erleichterung bedeuten, sagt er. Eine Kostendeckung sei aber auch dann noch schwierig. Für Paolo Mandolini ist Liefern keine Option. „Wir können das Eis nicht transportieren, das würde auf dem Weg schmelzen.“ 

Für ihn komme es auf das Abholgeschäft an. „Wenn wir den Straßenverkauf öffnen dürften, würden die Leute gleich sehen, dass sie bei uns wieder Eis bekommen“, so Mandolini. „Das würde sehr helfen.“

Auch der Immenhäuser Eisdielenbetreiber Thomas Fiume-Otto hofft, dass er so schnell wie möglich den Straßenverkauf wieder aufnehmen kann. Aber auch für sein Eiscafé Taranto gilt: Die fehlenden Einnahmen der vergangenen Tage mit gutem Wetter können nicht wieder aufgeholt werden. 

Thomas Fiume-Otto

Das sagt er auch mit Blick auf den Winter: Er brauche Rücklagen, um diese Zeit zu überbrücken, erklärt Fiume-Otto. Soforthilfe hat er beantragt, das Geld ist noch nicht geflossen. Wenn sich die Situation nicht ändert, dann könne er noch vier Wochen durchhalten, sagt Fiume-Otto.

Was ihn aber besonders ärgert: Er muss sein Geschäft geschlossen halten. Aber wenige Kilometer weiter, auf der anderen Seite von Fulda und Weser, dürfen in Niedersachsen Eisdielen öffnen. 

Die hätten davon profitiert, dass sie das gute Geschäft seit Ostern mitnehmen konnten. Er kann nicht nachvollziehen, dass über eine so kurze Entfernung so unterschiedliche Regelungen gelten.

Lesen Sie alle News zum Coronavirus in Kassel in unserem Ticker. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.