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Wegen hoher Kosten geben Menschen im Kreisteil Hofgeismar weniger aus

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Von: Axel Schwarz, Natascha Terjung

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Trotz Energiekrise ist die Liquidität noch hoch, sagen Banken aus der Region. Viele Menschen behalten ihr Geld aber erst mal auf der hohen Kante. Symbol
Trotz Energiekrise ist die Liquidität noch hoch, sagen Banken aus der Region. Viele Menschen behalten ihr Geld aber erst mal auf der hohen Kante. Symbol © Jan Woitas/dpa

Inflation und gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise sorgen dafür, dass das Geld im Portemonnaie knapper wird.

Kreisteil Hofgeismar – Da scheint für viele sparen das Gebot der Stunde zu sein – doch liegt das Geld zuhause unter dem Kopfkissen oder investieren die Menschen noch? Wir haben uns bei Banken in der Region umgehört:

Raiffeisenbank

„Die Liquidität der Kunden ist nach wie vor hoch“, sagt Thomas Kuhn, Bereichsleiter der Privatkundenbank bei der Raiffeisenbank Nord. Er bemerke aber auch, dass viele ihr Geld in einer „Parkposition“ haben. Das hänge laut Aussagen von Kuhn vor allem mit der Null-Zins-Politik der vergangenen Jahre zusammen.

Auch die Inflation und die geopolitische Lage tragen dazu bei: „Das Konsumverhalten ist bei einigen eher zurückhaltend“, erläutert Kuhn. Insgesamt sei die Lage noch gut, was auch daran liege, dass der Aktienmarkt nicht wie vermutet eingebrochen sei. Wie genau sich die gestiegenen Kosten für Energie und andere Güter auf das Sparverhalten auswirken, könne erst im kommenden Jahr festgestellt werden. „Werden die Heizrechnungen allerdings wirklich so hoch, wie befürchtet, wird der ein oder andere nicht mehr so viel ansparen können“, sagt Thomas Kuhn.

Der Bereichsleiter der Raiffeisenbank Hessen-Nord, die Filialen unter anderem in Calden, Trendelburg, Wolfhagen, Zierenberg und Ahnatal hat, weist daraufhin, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Geld zu sparen oder zu investieren – dafür seien aber immer individuelle Kundengespräche nötig.

Sparen heißt derzeit vor allem Verzicht

Laut einer aktuellen Untersuchung vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband haben 57 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten ihr Konsumverhalten eingeschränkt – das sind 15 Prozentpunkte mehr im Vergleich zum Vorjahr. Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen unter 1000 Euro seien betroffen: Hier müssten bereits 83 Prozent auf Alltägliches verzichten. Etwa ein Viertel aller Befragten hat angegeben, in der Krise mehr Spargeld zurückzulegen. (asz)

Sparkasse Grebenstein

Auch Ralf Patock, Vorsitzender des Vorstandes der Stadtsparkasse in Grebenstein, kann bisher noch keine Veränderung beim Sparverhalten der Sparkassen-Kunden feststellen. „Ob es signifikante Ausschläge gibt, können wir erst im Frühjahr 2023 auswerten“, sagt er. Auch die Deka-Bank, das Wertpapierhaus der Sparkassen, verzeichnet laut Patock für das dritte Jahresquartal keine großen Veränderungen im Anlageverhalten der Kunden.

Da viele wegen der Corona-Regeln in den vergangenen zwei Jahren nicht so viel konsumiert hätten wie üblich, hätten manche mehr Geld übrig. Das sei auch dem Umstand zu verdanken, dass die Kunden der Stadtsparkasse sowie die Mitarbeiter zu Beginn der Pandemie ruhig geblieben seien, meint Patock. 2020 habe es „düstere Prognosen“ davon gegeben, was alles nicht mehr möglich sein könnte – das habe sich zum Glück nicht bewahrheitet. Auch jetzt, trotz der Energiekrise, scheinen die Kunden noch ganz gut da zu stehen.

Patock verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Hilfen vom Staat, wie die Erhöhung des Kindergeldes oder die Strompreisbremse. Wie sich die Situation allerdings entwickle, hänge natürlich stark mit dem weiteren Verlauf des Krieges in der Ukraine zusammen: „Wir bemerken eine hohe Unsicherheit“, sagt Patock. Dass die Preise an der Tankstelle und im Supermarkt gestiegen sind, gehe auch nicht spurlos an den Menschen vorbei.

Kasseler Sparkasse

Die Kasseler Sparkasse berichtet von „leichten Veränderungen im Sparverhalten“ in dem Sinn, dass weniger Kundengeld auf entsprechenden Konten liege. Konkrete Veränderungsquoten nennt die Sparkasse nicht.

Sparkassen-Sprecherin Katrin Westphal spricht von einem „vorsichtigeren Konsum- und Investitionsverhalten“ der Kunden. Dies zeige sich etwa an einer rückläufigen Nachfrage nach Verbraucherkrediten. Nach Ansicht der Kasseler Sparkasse sind dies lediglich erste Tendenzen, wie sich das Krisenszenario bei Geldinstituten abbildet. „Wir gehen davon aus, dass sich das Anfang 2023 verstärkt, wenn die Energiekosten die Verbraucher erreichen“, so Westphal. (ter/asz)

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