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Klimawandel überflutet Wohnhäuser

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Von: Thomas Thiele

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Eine Frau mit Brille und Mikrofon steht vor einer Leinwand und hält einen Vortrag. Auf dem Bild sind französische Stichworte über Biodiversität im Meer zu lesen.
Nathalie Delliou berichtete vor den aufmerksamen Zuhörern über die Situation in der Bretagne, die auch Deutschland betrifft. Ihr Vortrag in französischer Sprache wurde von Maryvonne Jacq ins Deutsche übersetzt. © Thomas Thiele

Der Klimawandel ist schon spürbar. Nahe Hofgeismars Partnerstadt Pont-Aven werden schon Vorbereitungen auf die Zerit getroffen, wenn das Meer die Küste überflutet.

Hofgeismar – Man kann darüber scherzen, aber die Lage ist ernst: Sehr weitsichtig hat der französische Staat jetzt Jahrzehnte im Voraus begonnen, Privatgrundstücke entlang der Küste aufzukaufen und sie an die bisherigen Besitzer zu vermieten – für den Tag um das Jahr 2060, wenn der steigende Meeresspiegel die Häuser überflutet. Das ist eine der Tatsachen, die die bretonische Meeres- und Küstenexpertin Nathalie Delliou in einer Veranstaltung im Rahmen des 50-jährigen Partnerschaftsjubiläums zwischen Hofgeismar und Pont-Aven präsentierte. Es ging darum, den Blick zu schärfen und in der Bretagne nicht nur die schöne Landschaft und das Meer zu sehen, sondern auch die Geheimnisse, Besonderheiten und Gefahren, die nicht sofort ins Auge fallen.

Bücher und App

Die bretonische Naturführerin hat mehrere Bücher über die Pflanzen und Tierwelt der bretonischen Küste geschrieben, darunter einen Naturführer über die Kleinstlebewesen im Meeressaum, hat ein Programm mit Fragen und Antworten zur Meeresbiologie mitentwickelt und betreute jahrelang die vor Concarneau gelegenen Glenan-Inseln mit ihrem Südseestrand. Am Samstagabend berichtete Nathalie Delliou in einem Saal des Hotels Victorosa mit Grafiken und Bildern über den Umwelt- und Küstenschutz in der Bretagne, in den sie seit über 28 Jahren eingebunden ist.

Mensch zerstört viel

Sie erläuterte den rund 50 Zuhörern nicht nur die Grundstrukturen der Meere, der Wasservorkommen und des Klimas, sondern auch die durch den Menschen verursachten Krisen. Das Meer steckt in der Krise durch gravierende Faktoren: Überfischung (es gibt zu wenig Tiere die sich fortpflanzen können), Zerstörung des Meeresbodens durch Schleppnetze, Einschleppen fremder Arten in den Wasserballasttanks der Schiffe, Umweltverschmutzung und Müll im Meer, der Tiere verenden lässt und durch Mikroplastik am Ende auch Menschen schädigt.

Jeder kann etwas tun

Als Gegenmaßnahmen nannte Delliou unter anderem neue Fangmethoden, die das Töten von Beifang verhindern, kleinere Fischerboote, Verzicht auf Zuchtlachs (der viel Fisch als Futter benötigt) und bewussteren, vor allem verringerten Fischkonsum.

Meeresspiegel steigt

Bereits feststellbar sind nach Dellious Schilderung viele Anzeichen für den Klimawandel und den steigenden Meeresspiegel: Der Säurewert der Ozeane ändert sich, der Golfstrom verändert seinen Weg, Küstenerosion nimmt zu, das Wetter wird wärmer, der Regen nimmt ab, die Pegel steigen, Menschen müssen umziehen. „Bald können wir Wein in der Bretagne ernten, es wird wärmer, aber wir kriegen nasse Füße“, folgerte Nathalie Delliou.

Reparieren statt Neukauf

Sie schilderte auch die Problemkreise Tourismus, Energiegewinnung und Rohstoffgewinnung und gab den Rat, etwa durch weniger Plastikverbrauch, durch mehr Reparieren statt Neukauf oder durch Kauf lokaler Produkte selbst etwas zur Krisenbewältigung beizutragen. Letztlich sei jeder Verursacher und müsse mit den Folgen leben.

Die Partnerschaftsvereinsvorsitzende Maryvonne Jacq lud ein, die Situation nächstes Jahr bei einem Besuch in Pont-Aven selbst anzusehen.

Livemusik

Passend zum Thema spielte Viktoria Moers von der Musikschule Hofgeismar zwei Klavierstücke, eine eindrucksvolle Bearbeitung der Filmmusik aus Piraten der Karibik und ein Werk des bekannten bretonischen Komponisten Yann Tiersen. (Thomas Thiele)

Mehr Info: www.espritnature.bzh

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