Gastronomen fürchten wegen des Lockdowns um Existenz

Weiter Leere in Restaurants im Kreisteil

Gähnende Leere: Seit fast vier Wochen hat Carmen Weigand den Gastronomiebereich ihres Hotels Peter in Veckerhagen geschlossen. Die Inhaberin hofft, dass bald wieder alles beim Alten ist.
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Gähnende Leere: Seit fast vier Wochen hat Carmen Weigand den Gastronomiebereich ihres Hotels Peter in Veckerhagen geschlossen. Die Inhaberin hofft, dass bald wieder alles beim Alten ist.

Das, was von Regierungsseite in dieser Woche verkündet wurde, macht den Gastronomen wenig Hoffnung. Kneipen und Restaurants bleiben weiter bis mindestens 20. Dezember geschlossen.

Kreisteil Hofgeismar - Nur Abhol- und Lieferdienst sind möglich. Vor Weihnachten soll die Situation dann zwar überprüft werden, aber „Bund und Länder gehen davon aus, dass wegen des hohen Infektionsgeschehens umfassende Beschränkungen bis Anfang Januar insbesondere im Bereich Gastronomie und Hotels) erforderlich sein werden“ heißt es wörtlich im gemeinsamen Beschluss nach der Videoschaltkonferenz von Kanzlerin Angela Merkel mit den Regierungschefs der Länder.

Mit gemischten Gefühlen begegnen Betreiber aus dem Kreisteil Hofgeismar den Restriktionen. Denn normalerweise ist jetzt die Zeit im Jahr, wo sie ihre Kassen füllen. Und dass sie dieses Jahr nicht für die Aktion Advent der HNA sammeln würde, konnte sich Carmen Weigand vom Hotel Peter in Veckerhagen im Spätsommer noch nicht denken. „Im September und Oktober lief es, da hatten wir wieder gut zu tun“, berichtet die Chefin. Seit fast vier Wochen ist ihr Haus geschlossen, Essen außer Haus ist nur für die Feiertage geplant. „Leider lohnt sich das für uns hier in Reinhardshagen nicht. Das Angebot nehmen zu wenig Menschen wahr“, sagt die 49-Jährige.

Erheblicher Verdienstausfall

Auch wenn sie die finanzielle Entschädigung der Bundesregierung – 75 Prozent des Vorjahresumsatzes vom November und Dezember des Vorjahres sind für die Gastronomie vorgesehen – etwas trösten: Carmen Weigand spricht von „einem erheblichen Verdienstausfall“. Normalerweise schaffe sie in der Vorweihnachtszeit Rücklagen für die ruhigeren Monate am Jahresanfang.

Dass die Schließungen eine Art Verschiebung mit sich bringe und Menschen sich nun zuhause mehr treffen würden, kann sich die Reinhardshägerin gut vorstellen: „Die Leute feiern nun mehr daheim, und dort gibt es keine Hygienekonzepte wie bei uns.“ Weiterhin kritisiert sie, dass für ihren Bereich häufig amerikanische Studien herangezogen würden, was nicht sinnig sei, da es dort in den Kneipen weder Abstand noch Maskenpflicht gebe. Bisher gelang es der selbstständigen Gastronomin, ihre Mitarbeiter noch vor Kurzarbeit zu verschonen. Doch die sei nun unausweichlich, berichtet sie. Trotzdem gibt sich Carmen Weigand zuversichtlich: „Ich hoffe, dass das nächste Jahr besser wird.“

Situation muss sich ändern

Das wünscht sich auch Kapril Dev vom Restaurant Tavola Grande in Hofgeismar: „Ich mache nun seit fast vier Wochen Essen außer Haus und habe vielleicht 30 Prozent vom normalen Umsatz“, berichtet er. Das sei eine Situation, die sich dringend ändern müsse. Nicht nur in das Hygienekonzept, sondern auch in das Außer-Haus-Geschäft habe er viel Geld investiert.

„Allein für das Erstellen und Austragen der Flyer habe ich fast 1500 Euro gezahlt“, sagt Dev. Tatsächlich ist er ziemlich sauer, was die Schließung seines Restaurants angeht: „Wir haben uns alle große Mühe gegeben. Ich glaube kaum, dass man sich in unseren sauber geführten Häusern anstecken konnte“, berichtet er und verweist dabei auf Busse und Supermärkte, wo es wesentlich enger zuginge.

Auch andere haben investiert: Aufrund der Corona-Pandemie hatte Michael Schüler vom Hofgeismarer Feinwerk ein Zelt und Wärmelampen für seinen Biergarten besorgt. „Zumindest bis Januar brauche ich die nicht aufstellen“, sagt er. Derzeit versucht Schüler, sich mit Essen außer Haus über Wasser zu halten. „Das ist in keiner Weise mit dem normalen Umsatz zu vergleichen – erst Recht nicht in der Vorweihnachtszeit“, erklärt er.

Gegessen wird zuhause: Essen gibt es im Hofgeismarer Feinwerk derzeit nur zum Mitnehmen. Michael Schüler würde ab Januar gerne wieder Gäste empfangen.

Da Schüler mit seinem Cateringservice auch Kindergärten und Schulen beliefert, ein Standbein, das derzeit eine wichtige Einnahmequelle ist, fürchtet er, dass die Einrichtungen erneut schließen könnten. Warum man Restaurants geschlossen hätte, erklärt Schüler so: „Sobald man Bars und Clubs schließt, kommen die Leute zu uns. Das wollte man vermeiden.“ Die Ausgleichszahlungen des Staates bewertet Schüler als hilfreich, räumt aber zugleich ein, dass für Kurzarbeit der Mitarbeiter noch immer Kosten auf ihn zukämen. Wie lange sein Betrieb durchhalten kann, mag er nicht sagen: „Wir müssen das Beste draus machen. Was bleibt uns anderes übrig?“ (Tanja Temme)

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