Weserflößer Willi Waßmuth gestorben

Willi Waßmuth: Floßbau 2003 in Veckerhagen. Foto: Archiv Weserflößer Reinhardshagen/nh

Gieselwerder. Willi Waßmuth ist tot. Wir erinnern an einen der populärsten Flößer Deutschlands in Oberweser.

Der Mann, der in den letzten 45 Jahren der Flößerei an der Oberweser ein Gesicht gab und als populärster Flößer Deutschlands bezeichnet werden darf, ist im Alter von 95 Jahren verstorben.

Als Sohn eines Waldarbeiters wuchs er in Gieselwerder auf und wurde von der Landschaft der Oberweser geprägt. Er war Inhaber eines der letzten Weserschifferpatente für Floßführer. Es galt von Hann. Münden bis Minden. Er machte sich selbstständig und übte diesen Beruf von 1951 bis 1959 aus. Vorher und hinterher arbeitete er im Gartenbau. Ab 1983 war er Vorarbeiter auf dem Bauhof der Gemeinde Oberweser.

Riesiges Medienecho 

Die Flößerei, die als Gewerbe 1964 auf der Weser beendet wurde, ließ ihn aber nicht los. 1971 wurde ein Nostalgie- und Werbefloß am Tivoli in Hann. Münden eingebunden. Er und die erfahrenen Floßführer Gustav Waldeck und Karl Meyer waren zur Stelle und lenkten die 120 Festmeter Fichtenholz nach Lübbecke. Das Medienecho soll riesengroß gewesen sein.

1976 erwartete ihn die nächste Herausforderung. Theodor Fontanes Novelle „Grete Minde“ wurde an Werra und Weser verfilmt. Für die Floßszenen, die eine wichtige Rolle darstellten, hatte sich Willi Waßmuth zur Verfügung gestellt. Er war begeistert bei der Sache.

1992 ging es weiter. An der Mündung der Werre in die Weser bei Bad Oeynhausen sollte ein Flößerdenkmal eingeweiht werden. Ein Floß mit den Ausmaßen 47 x 7 Meter wurde in Veckerhagen eingebunden und zur Einweihungsfeier auf die Reise geschickt. Es wurde von 20 000 Menschen erwartet. Willi war der Dreh- und Angelpunkt des Projekts.

2002 rückte er dann selbst ganz in den Mittelpunkt. Der NDR plante einen Flößerfilm. Unter dem Titel „Willi´s letzte Floßfahrt“ entstand ein stimmungsvoller, sehr persönlicher Beitrag, der in sämtlichen ARD-Anstalten mehrfach wiederholt wurde. Im Juni 2003 startete dieses Floß in Veckerhagen. Zielort war Bodenwerder.

Bei diesem Floßprojekt standen Willi die Weserflößer Reinhardshagen zur Seite. Auf diese Gruppe aus unterschiedlichsten Berufen sprang dann der Funke über. Das führte zu den Floßprojekten 2008 von Veckerhagen nach Bremen und 2009 von Veckerhagen nach Minden.

Alles andere als kamerascheu hat Willi Waßmuth sehr viel für unsere Region getan. Er kam bei den Leuten an, wusste viel zu erzählen und wurde verstanden. Er war ein exzellenter Werbeträger. Ihn bei seinen Projekten begleiten zu können, war ein Freude. Ihn als Freund bezeichnen zu dürfen, war eine Ehre.

Immaterielles Kulturgut 

Dass es gelang, die Flößerei als immaterielles Kulturerbe anerkannt zu bekommen, ist Leuten mit seiner Einsatzbereitschaft zu verdanken. Die jeweils „letzten Weserflöße“ wurde zu einem attraktiven Blick in die Kultur- und Sozialgeschichte entlang der Oberweser, in eine uralte Handwerkskunst, in die fundamentale Bedeutung des Rohstoffes Holz und in die Psyche der echten Typen, die das alles verkörpert haben.

Unser Autor Hermann-Josef Rapp (71) ist als die „Stimme des Reinhardswaldes“ bekannt. Der Umweltschützer und frühere Forstbeamte war mit Waßmuth befreundet.

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