1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar
  4. Hofgeismar

Westfalen wanderten mit Esel durch den Landkreis zur documenta

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tanja Temme

Kommentare

Überraschungsbesuch: Klaus Wiederrecht (links) und Klaus Lange zogen vergangene Woche mit Esel Fritz durch den Kreisteil Hofgeismar. Bei Landwirt Armin Gerhardt (rechts) in Friedrichsthal konnten sie die erste Nacht verbringen.
Überraschungsbesuch: Klaus Wiederrecht (links) und Klaus Lange zogen vergangene Woche mit Esel Fritz durch den Kreisteil Hofgeismar. Bei Landwirt Armin Gerhardt (rechts) in Friedrichsthal konnten sie die erste Nacht verbringen. © Tanja Temme

Mit dem Vierbeiner Fritz machten Klaus Lange und Klaus Wiederrecht eine dreitägige Tour durch den nördlichen Kreis Kassel.

Hofgeismar – Dass ein Esel Herzen öffnen kann, haben Klaus Lange und Klaus Wiederrecht jetzt erfahren. Mit dem Vierbeiner Fritz machten die beiden Westfalen eine dreitägige Tour durch den nördlichen Kreis Kassel. Sie wanderten von Körbecke aus zur documenta nach Kassel. Auf ihrem 50 Kilometer langen Fußmarsch sammelten Wiederrecht und Lange Geschichten, die ihnen Passanten erzählten.

Unterwegs ging es den beiden Westfalen um Zufallsbegegnungen. „Wir wollen wissen, was die Menschen so bewegt und fragen sie nach einer kleinen Geschichte“, erzählt der 58-jährige Lange. Außerdem ging es den Freunden darum, „neue Erfahrungen zu machen“. Oder mit den Worten seines Freundes ausgedrückt: „Laufen ist Meditation in Bewegung – einfach mal raus aus dem Alltag und was anderes machen.“

Albrecht Dürer war der Anstoß für die Wanderung

Angestoßen hatte den Kurztrip Wiederrecht, der Albrecht-Dürer-Fan ist. „Dürer ist schon im 16. Jahrhundert von Nürnberg nach Venedig gelaufen. Das hat mich schon immer fasziniert“, erzählt der ehemalige Lehrer aus Warburg.

So sei auch in ihm der Gedanke gewachsen, einmal loszuziehen. Nicht gleich wochenlang, sondern erstmal in abgespeckter Form mit einem Lasttier als Unterstützung. Um den Vorlauf kurz zu machen: Auch Lange zeigte sich angetan von dem Plan, sodass sich die beiden auf den Weg machten.

Stärkung für den Weg: Fritz stand drei Tage lang im Mittelpunkt.
Stärkung für den Weg: Fritz stand drei Tage lang im Mittelpunkt. © Temme, Tanja

Worum es ihnen bei der Wanderung im Wesentlichen ging, wird spätestens bei einem Blick auf ihre T-Shirts klar: „Fritz hört zu“ ist darauf zu lesen. Tatsächlich lauschte das Langohr nicht nur, der Esel lockte die Menschen zu ihnen. „Wer nicht neugierig auf uns zukam, schenkte uns wenigstens ein Lächeln oder winkte uns freundlich entgegen.“ Dank des Esels wandelten sich sonst eher sture Nordhessen in Plaudertaschen.

Und was haben die dem Wandertrupp eigentlich so alles erzählt? „Die einen berichteten vom Imkern, andere über ein besonderes Fahrzeug und ein Mann gab sogar Einblicke in seine Geschlechtsumwandlung zur Frau.“

Wandertrupp macht Tour durch den nördlichen Kreis Kassel

Natürlich durfte auch die Liebe nicht fehlen: „So erzählte uns eine Studentin von ihrer großen Liebe, einem Syrer, für den sie nun Arabisch lernt.“ Als Kostprobe flüsterte sie gefühlvoll Fritz ins Ohr „Du bist ein Esel“, was in diesem Kulturraum ein großes Kompliment sein soll.

Bei ihrem Start wussten Wiederrecht und Lange noch nicht, wo sie nächtigen werden. Am ersten Tag sind sie durch den Liebenauer Raum bis nach Friedrichsthal gezogen. Dort sind sie bei einem Bekannten untergekommen.

Im Pferdeanhänger übernachtet

Weiter ging es am Folgetag über Schachten und Frankenhausen nach Espenau, „wo wir in einem Pferdeanhänger geschlafen haben“. Bei der letzten Etappe liefen sie von Espenau zum Kasseler Friedrichsplatz. Dort wurden die Drei förmlich bestürmt. Unzählige Passanten wollten den tierischen Begleiter streicheln, mit ihm Fotos machen oder waren einfach nur neugierig.

„Das war schon eine Herausforderung. Deshalb sind wir dann zu unserem letzten Nachtquartier gezogen.“ Wieder zu Bekannten, die ihnen ihre Sofas zur Verfügung stellten und dem Esel ihren Garten. (Tanja Temme)

Auch interessant

Kommentare