Pestizid wird auch in der Region verwendet

WHO warnt: Krebs-Gefahr durch Unkrautvernichter

Glyphosat wird in der Landwirtschaft breit eingesetzt und ist auch in jedem Gartencenter und Baumarkt zu kaufen. Laut WHO ist der Unkrautvernichter allerdings krebserregend.

Es sei gesundheitlich für Mensch und Tier unbedenklich, erklären die Hersteller. Doch nun warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) „Glyphosat verursacht wahrscheinlich Krebs.“ Auch der Verdacht, dass das Pestizid Embryonen schädigt und zu hormonellen Störungen führt, wird oft geäußert.

Den kritischen Befund zu Glyphosat hat jetzt die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO veröffentlicht. Wenn die entsprechenden Studien erhärtet würden, „dann muss Glyphosat vom Markt genommen werden“, sagt Hofgeismars Kreislandwirt Reinhardt Rudolph. Er weist aber zugleich darauf hin, dass das Pestizid nach wie vor Standard in der konventionellen landwirtschaftlichen Produktion in der EU sowie in Nord- und Südamerika sei. Es trage dazu bei, dass Getreide, Mais und Raps zu marktüblichen Preisen produziert werden könnten.

Es habe den Vorteil, dass der Anwender nicht auf teurere mechanische Verfahren zur Unkrautbeseitigung zurückgreifen müsse. So könne beispielsweise bei der Rapssaat gleichzeitig gedüngt und Glyphosat gespritzt werden. Ein anderes Einsatzgebiet ist das Totspritzen von Getreide (fachlich Sikkation). Dann reift das Korn gleichmäßig ab, trocknet noch auf dem Feld und kann besser geerntet werden. „Bei dieser Methode habe ich ein flaues Gefühl“, sagt Reinhardt Rudolph, „deshalb habe ich sie auch noch nicht angewendet“. Der Kreislandwirt empfiehlt Glyphosat nicht jedes Jahr einzusetzen, damit die Unkräuter nicht resistent werden.

Bei den Landwirten in der Region sei in dieser Hinsicht eine „gewisse Vernunft vorhanden“, meint Rudolph. Ob das bei den Hobbygärtnern auch immer der Fall ist, da ist er sich nicht sicher.

Hintergrund

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verwendete Unkrautvernichtungsmittel. Auf den Markt gebracht wurde es von dem US-amerikanischen Konzern Monsanto unter dem Namen RoundUp. Inzwischen soll es allein in Deutschland über 90 Produkte geben, die den Wirkstoff enthalten. Mit Glyphosat werden nicht nur Äcker gespritzt , sondern es wird auch in Parks, auf Bahngleisen, Kinderspielplätzen und in Privatgärten angewendet. Offenbar baut sich das Gift nicht vollständig im Boden ab, sondern reichert sich in der Nahrungskette an. 2012 wies eine Studie der Uni Leipzig Glyphosat im Urin von Menschen und Tieren nach. Umweltverbände setzen sich derzeit dafür ein, dass die EU die Zulassung für Glyphosat entzieht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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