Corona-Lockerungen spiegeln sich auch in den Kirchengemeinden wider

Wieder mehr Normalität in den Gottesdiensten im Kirchenkreis

Gottesdienst im Freien:  Märchengottesdienst bei Lippoldsberg an der Weser.
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Gottesdienst im Freien: Manche Kirchengemeinden bieten verstärkt Open-Air-Veranstaltungen an, wie hier beim Märchengottesdienst bei Lippoldsberg.

Kirche zwischen virtueller und persönlicher Begegnung: So sieht es derzeit im Evangelischen Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen aus.

Hofgeismar - Während die Synode ihre jüngste Tagung digital abgehalten hat, ist beim Thema Gottesdienste wieder ein Stück mehr Normalität zurückgekehrt. Hier die wesentlichen Punkte dazu:

Die Synode

Etwas mehr als drei Stunden dauerte die jüngste Synode des Kirchenkreises, die digital als Videokonferenz stattfand. Für die Öffentlichkeit bestand die Möglichkeit, die Synode durch eine Übertragung im Bonhoeffer-Haus in Bad Emstal-Balhorn zu verfolgen. Technisch sei alles, bis auf ein paar Kleinigkeiten, problemlos gelaufen: Das erklärte Sven Wollert, Pfarrer in Calden-Westuffeln und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Inhaltlich war ein Schwerpunkt das Thema „Was ist der Auftrag der Kirche?“. Dies ist Teil eines Verständigungsprozesses, den die neue Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, angestoßen hat. Dabei gehe es um Fragestellungen wie „Was ist uns als Kirche wichtig? Was können wir auch zukünftig leisten, was ist vielleicht nicht mehr möglich oder verzichtbar?“, erklärte Wollert.

Auch Ansätze, ob und wie man Kirche neu denken wolle, wie man auf Menschen zugehen könne oder welches Bild von Ortsgemeinde man habe, würden dabei eine Rolle spielen. Es gebe auf diese Aspekte sehr unterschiedliche Blickwinkel, fasste Wollert zusammen. Die Diskussion werde in der gesamten Landeskirche geführt, es handele sich um einen längeren Prozess.

Die Synode des Kirchenkreises hat sich auch mit einer Aktualisierung des 2019 beschlossenen Pfarrstellenplans beschäftigt. Dabei sei es um Aspekte gegangen, die durch unvorhergesehene Ereignisse wie den Weggang von Pfarrern oder Sterbefälle geregelt werden mussten, erklärte Pfarrer Sven Wollert. An der grundsätzlichen Planung habe sich nichts geändert. Diese sieht vor, dass die Gemeindepfarrstellen im Kirchenkreis vom Jahr 2018 ausgehend von 37,75 bis 2026 auf 32,5 Stellen abgebaut werden, ein Minus von 3,25 Stellen.

Neu beschlossen wurde in der Synode, dass der Kirchenkreisvorstand nun auch in einem gewissen Rahmen innerhalb der Leitlinien des Pfarrstellenplans Anpassungen beschließen kann. Damit könne man beispielsweise auf unvorhergesehene Ereignisse aktueller regagieren als die nur zwei Mal im Jahr tagende Synode, sagte Wollert.

Die Gottesdienste

„Wir bewegen uns in die Richtung, dass es wieder etwas mehr gibt, was das Gottesdienstleben angeht“, sagte Sven Wollert. Kommen wieder mehr Gläubige? Das sei unterschiedlich, manche Kollegen berichteten von erhöhtem Zulauf, anderer von einer Delle bei den Besucherzahlen Es gibt dabei Mindeststandards, die von der Landeskirche vorgegeben werden: So darf beispielsweise im Kirchenraum wieder gesungen werden, aber das nur mit medizinischer Maske – während des restlichen Gottesdienstes ist diese nicht nötig. Bei Gottesdiensten unter freiem Himmel darf man nach diesen Standards auch ohne Maske singen.

Die Besucherzahl ist quasi durch das Abstandsgebot von 1,5 Metern beschränkt. Man könne die Besucherzahl zwar durch Hinzunahme von Geimpften und Genesenen erhöhen, aber das sei in der Praxis natürlich auch eine Frage der Kontrollmöglichkeiten. Auch „lithurgischer“ Körperkontakt ist nach diesen Standards nicht erlaubt. Also gibt es beispielsweise kein Handauflegen von Pfarrerin oder Pfarrer bei der Einsegnung während der Konfirmation. Empfohlen ist zudem eine Verkürzung der Gottesdienste, beispielsweise von 60 auf 30 Minuten.

Strengere Regeln über die Landeskirchenvorgaben hinaus seien durch die einzelnen Kirchengemeinden möglich, abhängig auch von den Möglichkeiten vor Ort, etwa für Lüften während des Gottesdienstes. „Bei uns sind wir zum Beispiel deutlich vorsichtiger“, sagte der Westuffelner Pfarrer. Andernorts hingegen würde man sich gerne schon weitere Lockerungen wünschen. „Auch da sind wir als Kirche ein Abbild der Gesellschaft.“ Eines habe die Landeskirche klar gemacht: Sollten sich die Anzeichen für eine Ausbreitung der Deltavariante hier verdichten, dann sollten die Gemeinden nicht erst reagieren, wenn die Inzidenzen schon gestiegen sind, sondern aktuell Maßnahmen treffen. (Matthias Müller)

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