Windpark-Baustelle bei Hofgeismar

Windkraftfirma informiert über Transporte: Anwohner fürchten Lärm und Schäden

Ausweichen: Weil die Kurve an dem großen Einzelbaum (oben rechts vor dem Schöneberg) an der Straße zur Mülldeponie zu eng ist, müssen 45 von 1000 Windkrafttransporten zum Hofgeismarer Heuberg durch die Siedlung Deichhöfe (Bildmitte) erfolgen. Lärm könnte auch ins neue Baugebiet Rennebaum (vorne) vordringen.
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Ausweichen: Weil die Kurve an dem großen Einzelbaum (oben rechts vor dem Schöneberg) an der Straße zur Mülldeponie zu eng ist, müssen 45 von 1000 Windkrafttransporten zum Hofgeismarer Heuberg durch die Siedlung Deichhöfe (Bildmitte) erfolgen. Lärm könnte auch ins neue Baugebiet Rennebaum (vorne) vordringen.

Wpd-Projektmanager Ekkehard Dargehatte hatte geahnt, was kommen würde, denn es wurde natürlich emotional.

Hofgeismar - „Windkraft ist umstritten. Da sind auch Emotionen im Spiel. Ich will ihnen hier die Fakten zeigen und wir sollten ordentlich und fair miteinander umgehen“, schickte er voraus, als er am Mittwoch in der Hofgeismarer Stadthalle 40 eingeladene Zuhörer begrüßte.

Darge und der Bauingenieur Dennis Höhne als Projektleiter schilderten, was die Bewohner der Straße Deichhöfe und im Baugebiet Rennebaum zu erwarten haben, wenn im bevorstehenden Winterhalbjahr die Bauarbeiten für den Windpark Hofgeismar am Heuberg beginnen. Dabei werden zunächst im Winter die Baufelder hergerichtet, bevor im Sommerhalbjahr 2022 die Wege und Kranstellflächen gebaut werden und dann im Winter 2022/23 der Fundamentbau erfolgt und danach die Errichtung der drei Windräder.

Parallele Tansportstrecken: Rot: Straße zur Mülldeponie, Blau (unten): Straße Deichhöfe.

Insgesamt werden etwa 1000 Lkw-Fahrten nötig sein, von denen die meisten, nämlich 95 Prozent, über die normale Lkw-Zufahrt zur Mülldeponie (vorbei an der Wald-ecke Nonnengrube) erfolgen. Weniger als fünf Prozent, nämlich 35 bis 45 Transporte, können wegen der Überlänge (63 Meter lange Rotorblätter, Turmabschnitte, Maschinenhäuser und Ähnliches) nicht diese Strecke nehmen, sondern sollen an den 15 Wohnhäusern an den Deichhöfen vorbei bis zu einer Abstellfläche (Logistikfläche) südlich des Heubergs fahren. Das werde voraussichtlich innerhalb vier bis sechs Wochen im Januar und Februar 2023 jeweils zwischen 2 und 6 Uhr nachts erfolgen. Tatsächlich fahren würden die Schwertransporte an 15 Tagen mit jeweils drei Fahrzeugen pro Nacht. Die Achslast der Lkw betrage maximal zwölf Tonnen, manche landwirtschaftlichen Fahrzeuge seien schwerer, betonte Darge.

Die Bewohner der Deichhöfe fürchten nun Schlaflosigkeit für sich und ihre Kinder durch nächtlichen Lärm sowie Schäden an ihren Häusern durch die Erschütterungen durch die Fahrzeuge..

Darge und Höhne machten deutlich, dass die Fahrzeuge nur Schritttempo fahren würden. Nach entsprechenden Forderungen der Anwohner sagte Darge zu, dass man sich mit einem Vertreter der Anwohner gemeinsam einen Gutachter suchen wolle, der die Lage untersuche.

Über Geld und Moral diskutierten Altbürgermeister Sattler (links) und Projektmanager Darge mit den Zuhörern.

Die obere Lkw-Strecke kann dafür nicht genutzt werden, weil die Kurve an der Nonnengrube zu eng ist. Man müsste dazu das Eckgrundstück in der Innenkurve nutzen, aber dessen Besitzer, der frühere Bürgermeister Heinrich Sattler, weigert sich bis heute, das Areal „selbst für sehr viel Geld“ dafür zu überlassen. Er sei gegen die Windkraft im Stadtwald und er könne nicht erst dagegen sein und dann einknicken, wenn Geld winke, sagte er. Vorschläge, das Geld zu spenden, lehnte er ab, das wäre inkonsequent. Er habe damals die Verträge nur unterschrieben, weil die Stadtverordneten das beschlossen hatten.

Auch der jetzige Bürgermeister Torben Busse distanzierte sich schon zu Beginn des Abends von dem Windpark. Er sehe weiter Chancen, ihn zu verhindern.

Ekkehard Darge drohte vor diesem Hintergrund mit Schadenersatzforderungen von bis zu 20 Millionen Euro, weil Wpd im guten Glauben auf die Zusagen und Verträge der Stadt investiert habe. Gleichzeitig schloss er nicht aus, dass Wpd noch weitere Anlagen im Stadtwald beantragen könnte, weil sich die Bedingungen (etwa beim Vogelschutz) geändert hätten. (Thomas Thiele)

Neun Jahre Vorarbeit

2012 schreibt die Stadt Hofgeismar das Windparkprojekt am Heuberg aus, Verträge werden geschlossen. Wpd beginnt die Planungen für maximal zwölf Anlagen.

2017 erhält Wpd die Baugenehmigung für drei von insgesamt sechs beantragten Anlagen.

2018 erhält Wpd beim Strompreis-Bieten den Zuschlag, die Bedingungen sind jedoch zu schlecht für eine wirtschaftliche Umsetzung.

2021 erhält die Wpd in einem abgeänderten Verfahren erneut den Zuschlag und will das Projekt Windpark Heuberg nun umsetzen.

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