Entscheidung liegt bei den Händlern

Einzelhändler in der Zwickmühle: „Wir könnten uns 2G nicht leisten“

Derzeit nimmt auch im Einzelhandel die Diskussion über 2G Fahrt auf. Damit können Geschäfte selbst entscheiden, ob sie nur Geimpften und Genesenen Zutritt gewähren.
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Derzeit nimmt auch im Einzelhandel die Diskussion über 2G Fahrt auf. Damit können Geschäfte selbst entscheiden, ob sie nur Geimpften und Genesenen Zutritt gewähren.

2G als Einlassvoraussetzung für Geschäfte? Dazu gibt es durchaus skeptische Stimmen aus dem Einzelhandel in der Region. Für Händler sei das eine schwierige Entscheidung.

Hofgeismar – Wohin geht die Reise für den Einzelhandel? Auch in der Region Kassel wird über das von der Landesregierung angekündigte optionale 2G-Modell diskutiert. Zutritt für Geschäfte und Märkte also nur noch für Corona-Geimpfte und Genesene? Diese Wahlmöglichkeit wird vom hiesigen Handel eher kritisch gesehen, wie eine HNA-Recherche ergeben hat.

In der Gemeinschaft für Handel und Gewerbe (GHG) Hofgeismar sei das Thema 2G noch nicht gemeinsam disktutiert worden, sagte Vorsitzende Karin Kranz auf Anfrage unserer Zeitung. Dafür sei die Nachricht über diese Option für den Einzelhandel einfach noch zu frisch.

Corona in der Region: 2G und der Einzelhandel in Hofgeismar

Als Vorsitzende könne sie daher nicht für ein Stimmungsbild der Gemeinschaft sprechen: „Die Entscheidung ist ja auch jedem selbst überlassen.“ Als langjährige Chefin und weiterhin Mitarbeiterin des Modehauses Eberhardt und Terbille, das mittlerweile in der vierten Generation von ihrer Tochter geführt wird, könne sie aber sagen: „Wir könnten es uns nicht leisten, zu sagen, wir setzen auf 2G und signalisieren damit bestimmten Kunden: Du kannst nicht mehr zu uns kommen.“ Man habe im Einzelhandel schließlich harte Zeiten hinter sich und könne daher keine Kunden ausschließen.

Letztlich aber müsse natürlich jeder Einzelhändler für sich selbst entscheiden, was für ihn wichtig und welcher Weg damit für ihn der Richtige sei, erklärte Karin Kranz. Sie jedenfalls werde froh sein, wenn die Auswirkungen der Pandemie vorbei seien und damit dann wieder Normalität einkehre, eben auch auf den Einzelhandel bezogen. Gleichzeitig zeigt sie sich optimistisch: „Es ist nicht einfach im Moment, aber auch das schaffen wir.“

Der Leiter des Hofgeismarer Tegut-Marktes, Marcel Wiegand, hat bisher noch keine Anweisungen von oben erhalten, wie er sich ausdrückt. Allerdings kann sich der örtliche Tegut-Chef auch nicht vorstellen, dass seine Vorgesetzten 2G durchsetzen würden. Und zwar allein schon deshalb, weil es kaum machbar sei, alle Kunden zu kontrollieren und dafür Zusatzpersonal benötigt würde, wie er erklärt. Grundsätzlich sei Tegut auch beim Thema Maske großzügig: Wer ein Attest vorweisen könne, dürfe auch ohne diese im Markt sein.

Corona in der Region: 2G und der Einzelhandel in Grebenstein

Auch für Reinhard Seuthe, den Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Grebensteiner Geschäfte (WGG), ist das Thema 2G-Option noch zu frisch für ein größeres Stimmungsbild aus dem Einzelhandel der Stadt. Er selbst sei als Inhaber des Bierverlags Kramm davon ohnehin nur wenig betroffen, da er sich auf die Auslieferung von Ware konzentriere. Doch er versteht, dass dies für viele eine schwierige Entscheidung werden könnte: „Die muss aber wirklich jeder letztlich für sich treffen.“

Er könne sich vorstellen, dass manche grundsätzlich wenig davon halten, mit 2G Kunden auszuschließen. Andererseits gebe es ja immer weniger Testmöglichkeiten, das könne auch eine Rolle spielen, in welche Richtung es gehe. „Es ist so oder so für alle Beteiligten seit Beginn der Pandemie schwierig.“

Auch für seine Branche: Die liege mit dem Wegfall vieler Veranstaltungen und Feste, die sonst beliefert werden, ziemlich am Boden. „Das ist ja unser Hauptgeschäft.“ Für dieses Jahr hat er dabei wenig Hoffnung, dass noch Normalität einkehre. Zwar gebe es schon wieder Veranstalter, die Oktoberfeste organisieren, „aber das halte ich persönlich für sehr mutig“, sagt Seuthe. Man habe ja vorher Kosten und wisse nicht, wie es dann am Ende wirklich in diesen Zeiten angenommen werde. Das gelte auch für den Karneval. Auch da müsse letztlich jeder vor Ort wissen, ob er tatsächlich eine Veranstaltung abhalten wolle – und falls ja, ob er die 2G-Option nutze.

Corona in der Region: 2G und der Einzelhandel in Immenhausen

Beim Handwerker- und Gewerbeverein Immenhausen war 2G so kurz nach dem Beschluss bisher noch kein Thema. Sandra Fehling, stellvertretende Vorsitzende, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass Betriebe umstellen werden, sondern bei 3G bleiben. „Man will den Zugang für alle offen halten“, teilte sie ihre persönliche Meinung dazu mit.

Dass im Edeka-Markt in Immenhausen auch künftig niemand draußen bleiben muss, kann Marktleiter Dirk Mager allen Kunden versprechen. „Von 2G halte ich nichts“, sagt der 51-Jährige. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass Kollegen aus seiner Branche diesen Weg einschlagen würden. Abgesehen davon, dass er keinen seiner Kunden verlieren möchte, sei der Nichteinlass für Ungeimpfte für Mager auch kaum umsetzbar. Dafür müsse er dann jemanden einstellen, der Zusatzkosten verursache und zeitgleich hätte er weniger Einnahmen, da ein Teil der Einkäufer nicht mehr in den Laden dürfe. Der Marktleiter hält eine Maskenpflicht für völlig ausreichend – er hofft sogar, dass diese mit sinkenden Infektionszahlen bald abgeschafft werde.

Unabhängig vom Einzelhandel setzt man am 23. Oktober beim Oktoberfest der Abteilung Fußball der TSV Immenhausen hingegen auf 2G. Wie berichtet, hatte das Orga-Kommitee eine 3G-Veranstaltung „nach reiflicher Überlegung“ verworfen.

Corona in Kassel: 2G und der Einzelhandel

Kassel ist als Nordhessens Oberzentrum auch ein Anlaufpunkt in Sachen Shopping für die ganze Region. Auch hier ist die 2G-Option natürlich ein Thema.

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Der Kasseler Verband der City-Kaufleute kennt nach eigenen Angaben allerdings bislang keine Mitgliedsbetriebe, die 2G nutzen wollen. Vorsitzender Alexander Wild beurteilt die Sache grundsätzlich positiv: „Jede Möglichkeit, die uns eingeräumt und nicht gesetzlich vorgegeben wird, erhöht den Spielraum für den Handel.“ Mit Blick auf das zu erwartende Gedränge im Weihnachtsgeschäft könne 2G mancherorts hilfreich werden. (Matthias Müller, Nela Müller, Tanja Temme)

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