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Hausärzte im Kreis Kassel kritisieren Vorschlag der Facharztvermittlung

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Von: Daria Neu

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Das Telefon klingelt in Arztpraxen fast ununterbrochen: Nun soll es auch noch einen finanziellen Anreiz für Hausärzte geben, die Facharzttermine vermitteln. Allgemeinmediziner aus dem Kreis Kassel kritisieren das.
Das Telefon klingelt in Arztpraxen fast ununterbrochen: Nun soll es auch noch einen finanziellen Anreiz für Hausärzte geben, die Facharzttermine vermitteln. Allgemeinmediziner aus dem Kreis Kassel kritisieren das. © dpa

Viele Hausärzte im Kreis Kassel fühlen sich von der Regierung nicht ausreichend wertgeschätzt. Das zeige auch der neue Vorstoß der Regierung hinsichtlich der Facharztvermittlung, betont Dr. Christoph Claus aus Grebenstein.

Er ist Allgemeinmediziner und Sprecher des Hausärzteverbandes. Dass Hausärzte mehr Geld bekommen sollen, wenn sie Patienten kurzfristig Termine bei Fachärzten verschaffen, bezeichnet er als „Degradierung zum akademischen Telefonisten.“

Überhaupt findet Claus, dass das grundsätzliche Problem durch diesen Vorschlag in keiner Weise in den Griff zu kriegen ist. „Dies ist keine Lösung für den bundesweiten Fachärztemangel.“ Es sei absurd. „Es herrscht Terminknappheit“, sagt Claus – ob er den Hörer selbst in die Hand nehme oder der Patient beim Kardiologen anrufen würde. Er kritisiert die „altertümliche Bedarfsplanung“, die zeige, dass „die Politik offenbar das Problem des Ärztemangels aufgegeben haben, obwohl sie es hergestellt hat.“

Er verspüre eine Ungleichbehandlung innerhalb des Gesundheitswesens. „Unter diesen Bedingungen würde ich mich nicht wundern, wenn sich im Laufe der Zeit noch weniger Menschen für diesen Job entscheiden.“ Sein Eindruck: „Die Wertschätzung für die medizinische Ambulanz fehlt.“

Mit dieser Meinung ist Claus, der stellvertretend für den Altkreis Kassel, den Kreisteil Hofgeismar und das Wolfhager Land spricht, nicht allein. Auch Dr. Gunter Lehmann aus Fuldatal erklärt: „Unsere Sprechstunden sind derzeit voll mit Infekten und Corona.“ Die Belastung sei immens. Die Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen ist auch seiner Meinung nach spürbar. Von Entlastung sei keine Spur. „So will doch keiner mehr Hausarzt werden.“

Von einer belastenden Situation spricht auch die Wolfhager Hausarztpraxis von Dirk Norbert Kälber und Valentina Wiens in ihrer Mailbox-Durchsage. Sie hatten die Praxis Mitte der Woche geschlossen, um wie viele Hausärzte in Hessen gegen „die Missachtung niedergelassener Ärzte zu protestieren.“

Vorschlag für gesetzlich Krankenversicherte

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte Mitte des Monats eine Honorarerhöhung für Facharztvermittlung angekündigt. Demnach will er Mediziner belohnen, die kurzfristige Termine ermöglichen, um so gesetzlich Krankenversicherte zu unterstützen. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sollen Hausärzte 15 statt zehn Euro erhalten. Zudem würden die Honorare der Fachärzte verbessert, die mit den Terminservicestellen zusammenarbeiten. (Daria Neu)

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