Wasserstoff statt Atommüll?

Würgassen: SPD will anderen Standort, Linke fordert Stopp

Protestplakat: Im Dreiländereck Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es eine breite Gegenbewegung gegen die Pläne für ein Atomüll-Logistikzentrum in Würgassen.
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Protestplakat: Im Dreiländereck Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es eine breite Gegenbewegung gegen die Pläne für ein Atomüll-Logistikzentrum in Würgassen.

Nach Protesten aus der Bevölkerung muss sich jetzt die Politik mit Einwänden gegen das Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen beschäftigen. SPD und Linke haben Anträge gestellt.

Der Protest gegen das geplante Logistikzentrum für Atommüll im Beverunger Stadtteil Würgassen (Westfalen) erreicht auch den Kreistag des Landkreises Kassel. SPD und Linke haben jeweils einen Antrag dazu für die Sitzung am 22. Juni eingereicht. Die Sozialdemokraten bringen einen neuen Standort ins Spiel, die Linke fordert einen sofortigen Stopp der Vorbereitungen. Hier die wichtigsten Eckpunkte der Anträge:

Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen: Wasserstoff statt Atommüll

„Der Kreistag des Landkreises Kassel lehnt ein Logistikzentrum sowie Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Standort Würgassen ab und regt an, an diesem Standort die Erzeugung von ,Grünem Wasserstoff’ zu prüfen“: So heißt es im Antrag der SPD. Dies soll der Kreisausschuss dem Bundesumweltministerium sowie der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übermitteln.

Zur Begründung führen die Sozialdemokraten zum einen den Tourismus an. In unmittelbarer Nachbarschaft des geplanten Standorts habe sich südlich von Lauenförde ein attraktives Freizeit- und Naherholungsgebiet mit Ferienhäusern, einem Campingplatz und einem Flusshafen entwickel. Im näheren Umfeld lägen „kulturhistorisch und damit touristisch bedeutende Orte“ wie die Barockstadt Bad Karlshafen mit der Klosterstadt Helmarshausen.

Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen: SPD will Grohnde statt Würgassen

Zudem sei ein anderer Standort auch aus „logistischer, sicherheitstechnischer und ökonomischer Sicht“ eher geeignet, heißt es von der SPD weiter: das Kernkraftwerk Grohnde (KWG) 50 Kilometer nördlich von Würgassen. Es solle spätestens Ende 2021 stillgelegt und danach zurückgebaut werden. „Das KWG liegt 72 Meter über Normalnull, außerdem ist der Standort hochwasser- und erdbebensicher“, auf dem Areal befinde sich schon ein Zwischenlager, das für Castor-Transportbehälter mit abgebrannten Kernbrennelementen genutzt werde.

Das KWG Grohnde sei gut an das Verkehrsnetz angeschlossen, schreibt die SPD. Die Transport-Entfernung zum geplanten Atommmüll-Endlager Schacht Konrad in Salzgitter auf dem Schienenweg sei von dort rund ein Drittel kürzer als vom ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen, das seit dem Rückbau zudem über keinen Gleisanschluss mehr verfüge.

Für den ehemaligen Kraftwerksstandort Würgassen biete sich eine zukunftsorientierte energetische Nutzung an, erklären die Sozialdemokraten weiter: „Im Radius von rund 100 Kilometern produzieren in Ostwestfalen und Nordhessen hunderte Windstromrotoren Strom.“ Der je nach Wetterlage temporär immer wieder auftretende „Stromüberschuss“ könnte nach Würgassen geleitet werden und dort „Grünen“ Wasserstoff“ erzeugen.

Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen: Linke fordert Stopp

„Der Kreistag des Landkreises Kassel lehnt die Pläne des Bundesumweltministeriums und der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) zur Errichtung eines Logistikzentrums für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll am Standort Würgassen in unmittelbarer Nähe zur Kreisgrenze entschieden ab“, formuliet Die Linke in ihrem Antrag. „Der Kreistag fordert den sofortigen Stopp aller vorbereitenden Maßnahmen.“

Als Kritikpunkte, die der Landkreis geltend machen soll, nennt die Linke unter anderem ein nicht transparentes Verfahren zur Standortauswahl und eine schlechte Verkehrsanbindung. Zudem seien der Tourismus, der Naturschutz und die Naherholung im Dreiländereck nicht ausreichend berücksichtigt worden. 

Der Abstand von 200 bis 300 Metern zur nächsten Wohnbebauung sei nicht ausreichend für „das bundesweit größte Atommüllbereitstellungslager“. Der Kreistag solle grenzübergreifend Möglichkeiten ausloten, wie das Projekt noch verhindert werden könne. Auch die Erfolgsaussichten und Kosten einer Klage vor dem Verwaltungsgericht soll der Kreisausschuss prüfen.

In einem offenen Brief kritisiert derehemalige Landrat des Kreises Kassel Dr. Udo Schlitzberger die Entscheidung zu Würgassen. Dort soll ein Logistik-Zentrum für Atommüll entstehen. Auch aus der Anwohnerschaft regt sich Protest.

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