Rauf und runter in die Züge

Ärger in Hofgeismar: Neue Zugverbindung ins Ruhrgebiet macht teures Provisorium nötig

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Praxistest: Den nun problemlosen Einstieg in den Regionalexpress RE 11 begutachteten am Bahnhof Hofgeismar unter anderem (von rechts): Manuel Schäfer (Bahnhofsmanagement Kassel), Christoph Funke (Projektleiter NVV Kassel), Armin Noll (stellvertretender Pressesprecher NVV), Michaela Urrutia Flesch (Technische Projektleiterin der Bahn AG), Henning Hartmann und Karl-Heinz Gerland vom Bauamt der Stadt sowie Erster Stadtrat Günter Ebel.

Hofgeismar. Etliche Zugfahrer auf dem Bahnhof Hofgeismar sind derzeit verstimmt. „Das ist ’ne Katastrophe. Das ist saublöd“, entfährt es einer Frau, als sie in die Regiotram Richtung Kassel steigt.

Grund: Seit vergangener Woche geht es vom höhergelegten Bahnsteig eine Stufe hinab in den Zug.

Alle, die bisher daran gewöhnt waren, von einem erneuerten und tiefergelegten Bahnsteig stufenlos in die Regiotrams zu steigen, die mit ihrem Niveau an das Kasseler Straßenbahnsystem angepasst sind, müssen sich nun umgewöhnen, wenn auch nur vorübergehend. Hinderlich ist das vor allem für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Personen mit Kinderwagen, für die der Zugführer eine Rampe anlegt. Das klappt am besten, wenn das vorher im Internet bei der Bahn angemeldet wird.

Das Problem ist auch den Verantwortlichen bewusst, aber die Stufen sind die einzige Möglichkeit, in die neuen RRX-Züge einzusteigen, die ab dem 9. Dezember von Kassel nach Düsseldorf fahren und auch in Hofgeismar halten. Das wertet die Stadt Hofgeismar, die sich finanziell beteiligt, als wichtigen Standortvorteil. Immerhin dauere die Fahrt zum Flughafen Düsseldorf nur drei Stunden, sagte Bürgermeister Markus Mannsbarth am Montag bei einem Ortstermin. Die Züge verkehren ab Dezember zwischen 5 Uhr und 23 Uhr im Zwei-Stunden-Takt, allerdings mit zwei Lücken wegen eines die Strecke nutzenden ICE. Der RRX-Betrieb wird von fünf Verkehrsverbünden organisiert, darunter der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) aus Kassel.

Bisher niveaugleich, nun mit Stufe: Die rund 50 Regiotramverbindungen zwischen Hofgeismar und Kassel erfordern Umgewöhnung: Bis zum Jahr 2020 muss man zum Zug etwas hinabsteigen. Für Rollstühle kann eine Rampe angelegt werden.

Der Bahnsteig in Hofgeismar musste dafür jetzt provisorisch auf einer Länge von 165 Metern erhöht werden. Grund ist, dass es bei den in Hofgeismar haltenden Zugtypen drei verschiedene Einstiegshöhen gibt, wie die Technische Projektleiterin Michaela Urrutia Flesch von der Bahn AG und NVV-Projektleiter Christoph Funke erläutern. Da der endgültige Neubau eines weiteren, höhergelegenen Bahnsteigstücks wegen umfangreicher Planungen und Genehmigungen erst 2020 fertig wird, muss bis dahin ein Provisorium für 295.000 Euro her, das der NVV finanziert. 

Der jetzt erhöhte Bahnsteig mit rutschfesten WPC-Belag, einer Mischung aus Holz und Kunststoff, hat genau die Höhe des jetzigen Sauerlandexpress, der gut ein Dutzend Mal am Werktag verkehrt. Damit liegt er in der Mitte zwischen den beiden anderen Einstiegshöhen und bildet einen Kompromiss. Es sind nun beim Einstieg Schritte nötig, um 17 Zentimeter tiefer in die Regiotram und 21 Zentimeter höher in den RRX zu steigen. Ohne die jetzige Lösung käme man gar nicht in den RRX. 

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