Ein Jahr lebten sie in Hofgeismar

Familie muss trotz Angst vor Blutrache zurück nach Albanien

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Waren fast ein Jahr in Hofgeismar: Familie Shehu aus Albanien. In dieser Zeit haben sie im Ort viele Freunde gefunden.

Hofgeismar. Am Freitag müssen Desi und Ervin Shehu mit ihren Kindern zurück nach Albanien - nach einem Jahr in Hofgeismar. Für sie ein harter Schicksalsschlag.

„Nach einigen Wochen in verschiedenen Camps kamen wir im Januar 2015 hier nach Hofgeismar“, sagt der 30-Jährige, der seitdem mit seiner Familie in der Flüchtlingsunterkunft in der Manteuffelanlage lebt. Sogleich seien sie hier überaus freundlich aufgenommen worden und hätten inzwischen einen großen Freundeskreis aufgebaut.

Tatsächlich sind die vier Shehus eine Vorzeigefamilie, was Integration betrifft. Ihre Kinder übernachten bei deutschen Familien, Mutter Desi macht Kurztrips mit ihren hiesigen Freundinnen in andere Städte und auch Vater Ervin freut sich über die vielen guten Kontakte zur den Hofgeismarern.

„Von den Mitgliedern der Evangelischen Gemeinschaft wurden sie sehr gut aufgenommen - durch sie haben wir hier alles kennengelernt und ein fast normales Leben führen können“, erklärt der Albaner. Und das, obwohl sie Moslems seien. Doch das sei bei ihnen in Albanien nicht so streng - Christen und Muslime würden dort eigentlich keine Probleme miteinander haben.

Nach Deutschland sei die junge Familie nicht aus wirtschaftlichen Gründen gekommen. Da Ervin Shehu im Heizungs- und Sanitärwesen arbeitete, gab es keine finanziellen Engpässe. Grund sei für sie gewesen, dass sie mit dem Thema Blutrache in Kontakt kamen. „Mein Vater hatte mit einem Cousin eine Meinungsverschiedenheit wegen eines Grundstücks“, berichtet Ervin Shehu , „da sie sich nicht einigen konnten, ermordete er meinen Vater.“

Da der Mörder nun im Gefängnis sitze und auch Ervin Shehu Aussage vor Gericht machte, werde nun auch sein und das Leben seines Sohnes von diesem Teil der Familie bedroht, behauptet er. „Ich habe solche Angst um meinen Mann und mein Kind“, sagt die 29-jährige Desi Shehu. Zuvor hätten sie in Tirana gelebt, würden sich nun aber erstmal bei einem Verwandten verstecken, der in einer anderen Stadt lebt.

Vor drei Wochen fiel in Gießen die Entscheidung, dass die vier Flüchtlinge wieder zurück in ihre Heimat müssen. Um 12 Uhr startet der Flieger der Familie in Kassel-Calden. Trotz des Fürsprechens von Gerhard Lund, einem Freund aus der christlichen Gemeinschaft, der sie nach Gießen begleitete, konnte nichts bewirkt werden. „Wir lieben Hofgeismar inzwischen sehr und wollen wieder zurück kommen.“

In Albanien will die Familie weiter Deutsch lernen. „Meinen Sohn habe ich schon im Deutschkurs angemeldet, damit er die Sprache nicht wieder verlernt.“ Dass Familie Shehu nach Hofgeismar zurückkehrt, dafür will sich auch Lund einsetzten. „Wir werden Kontakt über Skype haben und schauen, was zutun ist.“ Beim nächsten Anlauf soll es dann besser laufen - gerne würde der Familienvater eine Arbeit annehmen und eine kleine Wohnung mieten.

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