Flüchtlingskind missbraucht: Zwei Jahre Haft für Pförtner

Hofgeismar. Sie suchten Zuflucht vor Krieg und Elend. Aber ganz sicher war die syrische Familie auch in Höxter nicht. Nun verurteilte das Landgericht Paderborn einen 33-jährigen Mann, weil er sich sexuell an einem sieben Jahre alten Flüchtlingskind vergriffen hatte.

Er war bereits in Hofgeismar in ähnlicher Weise aufgefallen.

Die Familie war im vergangenen Jahr in Höxter in einer Notunterkunft des Kreises untergebracht, die Betreuung der Flüchtlinge oblag dem DRK. Dort arbeitete auch der Angeklagte, allerdings nicht als DRK-Mitglied, sondern er hatte sich erfolgreich auf eine freie Helferstelle über die Agentur für Arbeit beworben.

Seit Mitte September versah er in der Unterkunft einen Dienst als Pförtner. Am 14. November, so lautete die Anklage, sollte er am Abend das siebenjährige Mädchen zu sexuellen Handlungen an sich gezwungen haben. Das Kind wehrte sich und offenbarte sich unverzüglich nach dem Vorfall seinem Vater, der wiederum die Leitung der Flüchtlingsunterkunft benachrichtigte. Der 33-Jährige kam noch am selben Tag in Untersuchungshaft.

Vor Gericht machte der Angeklagte reinen Tisch und gestand, im Beisein des Mädchens auf seinem Smartphone Pornovideos angeschaut und dabei versucht haben, sich selbst zu befriedigen. „Mir ist aber da bewusst geworden, dass das ein Fehler war, und ich habe dann aufgehört“, sagte der 33-Jährige.

Er habe anders als die Anklage behaupte, an dem Mädchen keine sexuellen Handlungen vorgenommen - „es war nur eine Manipulation an mir selbst“. Auch habe er keinerlei Zwang ausgeübt, „ich habe sie nicht geschubst oder gezogen. Nur gesagt: Komm mit.“

Die etwa einstündige Vernehmung des Kindes mit Hilfe einer Dolmetscherin ergab tatsächlich, dass der ursprünglich vorgeworfene kurzzeitige Oralverkehr nicht stattgefunden hatte. „Er hat versucht, die Hand in meine Hose zu stecken“, sagte das Mädchen, das habe sie abgewehrt.

Weiter habe der Mann sie nicht berührt - er habe aber seine Hose und Unterhose heruntergelassen und komische Bewegungen gemacht.

Das Muster der Tat ist nicht neu. Der 33-Jährige wurde 2011 vom Landgericht Kassel zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er sich - zumeist während er mit seinen Hunden am Turnhagen unterwegs war - vor zwei zehn und elf Jahre alte Mädchen insgesamt sieben Mal entblößt und selbst befriedigt hatte.

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat zwei weitere Male Anklage erhoben: Er soll in Hofgeismar die Kinder seiner früheren Lebensgefährtin in ähnlicher Weise missbraucht und kinderpornographische Fotos besessen haben. Beide Anklagen sind noch nicht verhandelt worden.

Ein psychiatrischer Gutachter erklärte, er könne weder pädophile Neigungen erkennen noch eine eingeschränkte Schuldfähigkeit. Die Strafkammer entschied, denn 33-Jährigen für zwei Jahre hinter Gitter zu schicken. Es wäre nicht seine erste Hafterfahrung, aber die erste wegen seiner Missbrauchstaten. Zwölf Vorstrafen hat der ungelernte Hilfsarbeiter vorwiegend aufgrund von Eigentums- und Drogendelikten. Sollte die Bewährung widerrufen werden, kämen noch weitere zweieinhalb Jahre Freiheitsentzug auf ihn zu - plus mögliche Strafen aufgrund der Anklagen in Kassel. (bf)

Von Ulrich Pfaff

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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