Stadtverordnete in Hofgeismar und Bad Karlshafen fordern Neubewertung der Entscheidungen

Zwei weitere Proteste gegen Atommülllager in Würgassen

Ein kleines Zwischenlager besteht bereits auf dem ehemaligen Atomkraftwerksgelände in Würgassen. Dort lagern Reste des abgeschlossenen Meilerrückbaus.
+
Ein kleines Zwischenlager besteht bereits auf dem ehemaligen Atomkraftwerksgelände in Würgassen. Dort lagern Reste des abgeschlossenen Meilerrückbaus.

Weiteren Gegenwind bekommt das geplante Atommüllzwischenlager in Würgassen aus gleich zwei Kommunen.

Hofgeismar/Würgassen. Die Hofgeismarer Stadtverordneten haben unter anderem wegen der schlechten Informationspolitik, gesundheitlicher Gefahren und Sicherheitsgründen eine Resolution gegen den Standort Würgassen verfasst. Bad Karlshafens Stadtverordnete fordern in einem Brief den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier auf, von Umweltministerin Priska Hinz eine Neubewertung der Situation zu verlangen.

Hofgeismar

In einem gemeinsamen Antrag haben die Hofgeismarer Stadtverordnetenfraktionen, wie andere Parlamente der Region auch, eine Resolution gegen die Verwendung des Standortes des ehemaligen Kernkraftwerkes Würgassen als Zwischenlager für Atommüll beschlossen

In der einstimmig beschlossenen Resolution kritisieren sie die „absolut ungenügende Informationspolitik der Bundesregierung“ und wie mit den Menschen vor Ort umgegangen werde. Sie fordern den Abbruch der laufenden Prozesse und eine transparente Neubewertung der Kriterien für den Bau und den Standort durch den Umweltausschuss des Bundestages. Sie kritisieren unter anderem die mangelnde Infrastruktur für die Gefahrentransporte, die Folgen für den aufstrebenden Tourismus in der Region, sorgen sich um die mögliche Entwicklung des Zwischenlagers zu einem Endlager und mangelnde Sicherheit bei Flugzeugabstürzen. Um eine breite Basis für den Widerstand der Stadtverordnetenversammlung zu erhalten, wurde sie von CDU, SPD, WSD und FDP gemeinsam erarbeitet. Auf den Weg gebracht hatte sie im Oktober 2020 auch die damals noch in der Stadtverordnetenversammlung vertretene Fraktion Die Linke..

Bad Karlshafen

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich unterdessen die Bad Karlshafener Stadtverordnetenfraktionen von FWG, CDU, SPD, Grünen und AfD an Ministerpräsident Bouffier gewandt und reagieren damit „mit Empörung“ auf die Antwort der Ministerin Priska Hinz auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Oliver Ulloth (wir berichteten). Die Ministerin gehe darin weder auf die Befürchtungen der Bevölkerung ein, noch engagiere sie sich zusammen mit den Landesministerien aus NRW und Niedersachsen gegen das Vorhaben des Bundesumweltministeriums und der beauftragten BGZ. Sie habe noch nicht einmal Gespräche mit den Amtskollegen geführt, die vor Kurzem ein unabhängiges Logistikgutachten in Auftrag gegeben haben, weil weder ein zweigleisiger elektrifizierter Bahnanschluss noch eine sicher erreichbare Autobahnanbindung bestünden. Auch die Bad Karlshafener fürchten eine Abwertung der Region für Touristen wie Bewohner. Leider hätten schon erste potenzielle Investoren im Tourismus und Immobilienbereich ihre Vorhaben an andere Orte verlegt, um das Risiko zu reduzieren, schreiben die Fraktionen. Die Bürger und Politiker in Hessens Nordspitze fühlten sich vernachlässigt. Sie empfänden die Antwort der Ministerin als „weder wertschätzend noch interessiert“, da weitgehend auf vorgefertigte Antworten der BGZ-Pressestelle zurückgegriffen worden sei. (Thomas Thiele)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.