Stimmen zu den Kanzlerkandidaturen

Grüne und CDU im Kreisteil Hofgeismar zwischen Freude und Skepsis

Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in eine Wahlurne.
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Urnengang: Bei der Bundestagswahl am 26. September entscheidet sich auch, wer künftig Kanzlerin oder Kanzler sein wird. SPD, Grüne und CDU haben dafür ihren Hut in den Ring geworfen.

Es ist entschieden: Die Grünen haben mit Annalena Baerbock ihre Kanzlerkandidatin gefunden – und auch die CDU hat nach einigem Hin und Her nun Armin Laschet als ihren Bewerber benannt.

Kreisteil Hofgeismar - Laschet soll statt Markus Söder von der CSU ins Rennen gehen, der auch als Kandidat gehandelt wurde. Wir haben uns zu den Personalentscheidungen an der Basis von Grünen und Union umgehört.

Die Grünen

„Die Grünen haben vor drei Jahren mit Annalena Baerbock und Robert Habeck ein Spitzenteam gewählt, das sehr erfolgreich die Partei geeint hat“, sagt Antonio Gottwald, Sprecher der Grünen in Bad Karlshafen. Seitdem habe sich Bündnis‘90/Grüne immer mehr zu einer Partei entwickelt, die zur Mitte der Bevölkerung zähle. Er hält es für fair, wenn Beide, die so viel erreicht hätten, die Möglichkeit erhielten, unterein-ander zu bestimmen, wer der richtige Kandidat sei. Beiden traue die Partei die Fähigkeit zu, das Kanzler-Amt „kompetent auszufüllen“. „Die Entscheidung für Annalena erfüllt uns mit großer Begeisterung“, ergänzte Gottwald. Deshalb würden die Grünen „mit viel Schwung und Elan in den Bundestagswahlkampf ziehen“.

Edmund Borschel aus Baunatal, Mitglied im Fraktionsvorstand der Grünen im Kreistag, sagt: „Ich finde Annalena super. Eine bessere Wahl hätten wir nicht treffen können. Nun fragen sich manche: Kann sie Kanzlerin? Und das nur weil sie keine Regierungserfahrung hat.“ Er ergänzt: „Bevor Angela Merkel Regierungschefin wurde, hätte sich auch niemand vorstellen können, dass sie einmal so ein solide Kanzlern würde. Ich finde einfach toll, wie das grüne Spitzen-Duo als Team aufgetreten ist. Das wird auch im Wahlkampf so sein.“

Die CDU

Überraschend kam es für Thomas Stiehl, Fraktionschef der CDU in Hofgeismar, nicht, dass am Ende Armin Laschet die Nase vorn hat im Machtkampf mit Markus Söder um die Kanzlerkandidatur. Der CDU-Vorstand, der sich für Laschet ausgesprochen hat, würde seinem Vorsitzenden nicht in den Rücken fallen, so Stiehl. Aber hätte man die Basis gefragt, wäre die Entscheidung womöglich anders ausgefallen. Laschet stehe wohl eher für ein „Weiter so“, Söder hätte für einen Neuanfang gestanden, meint Stiehl. „Und mir persönlich wäre ein Neuanfang lieber gewesen.“

Lege man aktuelle Umfragen zugrunde, hätte man mit Söder womöglich auch die Chance gehabt, mehr Stimmen bei der Bundestagswahl zu holen, sagt der Christdemokrat. Aber die Stimmung könne sich bis zur Wahl natürlich auch noch ändern.

Zufrieden, dass der Machtkampf beendet ist, ist der Grebensteiner CDU-Vorsitzende Björn Gibhardt. Die Auseinandersetzung zwischen Söder und Laschet habe seiner Partei mit Sicherheit geschadet, sagt er. Gibhardt befürchtet, dass das auch bei der Bundestagswahl einige Prozentpunkte kosten wird. „Andere haben dies besser gemacht“ schielt er auf die Grünen, die in Ruhe sondiert und entschieden hätten. Man könne zufrieden sein, dass die Wahl letztlich auf Laschet fiel, wenngleich aus seiner Sicht weder der CDU-noch der CSU-Vorsitzende ein Traumkandidat war.

Armin Laschet, sagt Kerstin Baumann, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Trendelburg, sei ein oft unterschätzter Politiker. Wer Ministerpräsident in NRW und CDU-Vorsitzender werde, müsse schon eine gehörige Portion Durchsetzungsvermögen mitbringen.

Sie selbst sei ganz spontan eigentlich eher für Söder gewesen, der das Macher-Image repräsentiere. Bis zur Bundestagswahl würden aber noch einige Monate vergehen. Wenn dann die Corona-Impfung hoffentlich nicht mehr das beherrschende Thema sei, könne ein Mann mit den diplomatischen Eigenschaften von Laschet gerade der Richtige für das Kanzleramt sein. (Michael Rieß, Bernd Schünemann, Matthias Müller, Matthias Lohr)

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