Viele Hürden 

Hofgeismarer Integrationslotse hilft Flüchtlingen im Alltag 

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Inmitten seiner Schützlinge: Maik Kolle (Mitte) ist seit Ende Juni dieses Jahres nicht nur Sportcoach, sondern auch Integrationslotse. Wann immer Ghaith Alasi Almohemid, Ahmad Taljabini, Mustafa Payman und Abdul Shakoor Ansari (von links) aus der dritten Fußballmannschaft der TSG ein Problem haben, versucht er zu helfen.  

Hofgeismar. Maik Kolle ist Integrationslotse. Der Hofgeismarer hilft Flüchtlingen, wenn sie etwa Probleme im Alltag haben und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. 

Auf hoher See bringt ein Lotse sein Schiff sicher durchs Gewässer. So ähnlich läuft es auch bei Integrationslotsen - sie helfen Migranten und Asylbewerbern mit dem Leben in Deutschland klarzukommen, unterstützen bei vielseitigen Problemen im Alltag. Maik Kolle ist ein solcher – und noch dazu Hofgeismars einziger.

Auch wenn der 47-Jährige vor allem mit den jungen Fußballern von Hofgeismars sogenannter dritter Mannschaft zu tun hat, die sich überwiegend aus Flüchtlingen zusammensetzt, so steht er doch für alle Migranten im Kreisteil zur Verfügung. „Da für die Betreuung nur die Feierabendstunden und Wochenenden in Frage kommen, muss man klare Grenzen ziehen, gut aufpassen, dass man nicht ausgenutzt wird“, erklärt Kolle, der als Postbote sein Geld verdient. So gebe es auch Situationen, wo er den Migranten schon mal eine klare Absage erteile. Immer, ständig und alles laufe bei diesem Ehrenamt nicht, auch wenn es dafür eine Aufwandsentschädigung gebe.

Ein Rundschreiben des Landkreises Kassel machte den Hofgeismarer vergangenes Jahr auf die Ausbildung aufmerksam, die er diesen Sommer absolviert hat. Da er seit gut zwei Jahren auch Sportcoach ist – also über den Fußball versucht Menschen aus anderen Ländern hier zu integrieren – dachte er, dass sich beide Ämter gut ergänzten. Ob zum Arbeitsamt, Arzt oder der Schule, wo immer Bedarf ist, versucht der Ehrenamtler die Geflüchteten zu unterstützen. „Für fast alles, was so im Alltag anfällt, sind wir zuständig – neulich habe ich sogar mal einen nach Bad Karlshafen gefahren, da er den letzten Bus verpasst hatte.“ 

Einen Grundsatz beherzigt er allerdings stets dabei: „Wir sollen sie lediglich begleiten, ihnen dabei aber nicht alles abnehmen, denn Ziel ist es, sie zu selbstständigen Bürgern zu erziehen.“ Dass das für viele der Migranten noch ein weiter Weg ist, weiß auch Kolle, kann ein nicht unerheblicher Teil doch nur gebrochen Deutsch sprechen und nicht schreiben.

Viele junge Männer mit Migrationshintergrund hat er in den vergangenen beiden Jahren schon durch den Sport kennengelernt. Doch die meisten ziehe es nun mal in die Städte, da sie dort auf mehr ihrer Landsmänner träfen, schildert er seine Erfahrungen, eben solche, die zwischen den Zeilen auch schon mal Integration in Frage stellen.

Nur Männer als Schützlinge

Wirklichen Ärger hat er noch nie mit seinen Schützlingen gehabt, die nicht nur des Fußballs wegen nur aus Männern bestehen. „Frauen aus diesen Kulturkreisen dürfen und wollen meine Hilfe nicht annehmen, das ist einfach so.“ Die meist gut gelaunte, freundliche Art der von ihm Betreuten ist etwas, was ihm imponiert - „und da macht es einfach Spaß zu helfen“.

Die Ausbildung selbst ist laut Kolle keine große Sache. Vier Termine seien dafür vorgesehen, bei denen man auch anweisend sein muss, sonst bekommt man kein Zertifikat. 

So wird man Integrationslotse

Ehrenamtliche Integrationslotsen unterstützen Flüchtlinge und Migranten im Landkreis Kassel. Für den nächsten Kurs sind noch Plätze frei. Dieser beginnt am Mittwoch, 7. November, in der Geschäftsstelle der Volkshochschule Hofgeismar im Kasinoweg 22. Anmeldeschluss ist Donnerstag, 1. November. Wer Fragen dazu hat, kann sich bei Patrick Stolze melden: Tel.: 05 61/10 03 15 34 oder patrick-stolze@landkreiskassel.de

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