Hofgeismarer Theatergruppe spielte „Die zwölf Geschworenen“

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Zweifel: Die Mordwaffe, ein Messer, wird nochmals begutachtet. Die Geschworenen sind sich nicht mehr alle sicher (von links: Benno Lange, Christian Knoche, Christina Neubacher, Elvira Löber, Marlon Walter, Gerald Walter, Reinhard Natt, Dieter Dotzert und Danny Frank.

Hofgeismar. Zweimal vor ausverkauftem Saal spielte die Hofgeismarer Theatergruppe "Die Bühne" am Wochenende ihre Inszenierung des Gerichtsklassikers "Die zwölf Geschworenen".

Das bislang schwierigste Stück in der Geschichte der anspruchsvollen Theatergruppe überzeugte das Publikum mit durchgehender Spannung. Das dramatische Geschehen um Leben und Tod forderte von Schauspielern wie Zuschauern höchste Konzentration. Wiederholte Lacher im Publikum waren eher ein Befreiungsversuch vom Kloß im Hals, blieb vielen doch das Lachen im Halse stecken.

Ausgangspunkt: Ein 19-Jähriger soll seinen Vater erstochen haben. Die zwölf Geschworenen sollen ein einstimmiges Urteil fällen, müssen sich ihrer Sache aber absolut sicher sein, wie der Gerichtsvorsitzende (mit der Stimme des verstorbenen Hans-Joachim Haß vom Tonband) mahnt. Doch nur elf stimmen für schuldig.

Die Geschworene Nr. 8 (Tina Hancken) hat Zweifel an der Schuld des Jungen. Eingeschlossen in ihrem schwül-heißen Beratungsraum kämpfen die Geschworenen anschließend um einen schnellen Abschluss. Nr. 7 will beispielsweise rasch zu einem Baseballspiel und Christian Knoche mimt ihn im Stück als großen und flegelhaften Jungen.

Zwei Stunden lang sind alle Akteure ständig auf der Bühne präsent, reihum wechseln die Hauptrollen mit den Akteuren, die ihre Vorurteile und Schwächen, ihre Weltsicht und ihre Emotionen offenbaren und von Minute zu Minute mehr und mehr die Fassung verlieren. Konstante ist die Geschworene Nr. 8, die nach und nach Widersprüche aufdeckt, die schließlich zum überraschenden Freispruch führen.

Der Bühne ist ein sehenswertes Kammerspiel um Oberflächlichkeit und Vorurteile, um Menschlichkeit und Wahrheitssuche gelungen, dessen Spannung durch die nötige Pause zwar unterbrochen, aber durch das Spiel der Akteure bis zum Schluss aufrecht erhalten wird. Überraschend ist der Regieeinfall einer Überblendung zu einem Dialog im Waschraum, frappierend die Cholerik des Geschworenen Nr. 3 (Thomas Otterpohl), der am Ende seinen beinahe tödlichen Konflikt mit dem eigenen Sohn offenbart. Unglaublich realistisch schnieft und schnäuzt sich Dieter Dotzert als von Fremdenhass und Vorurteilen zerfressene Nr. 10 durch das Stück.

Marlon Walter überrascht mit seiner nur scheinbar übertriebenen, aber umso überzeugenderen Rolle als schüchterner, aber wagemutiger Geschworener Nr. 2.

In weiteren Rollen agieren Christina Neubacher als unentschlossene Nr. 1, Elvira Löber als analytische, kühle Nr. 4, Gerald Walter als von den Vorurteilen getroffene waffenkundige Nr. 5, Danny Frank als wortkarge, aber handfest zupackende Nr. 6, Klaus-Peter Haß als lebenserfahrene Nr. 9, Benno Lange als auf die Freiheit pochender Einwanderer Nr. 11 und Reinhard Natt als der oberflächliche, mehrfach die Seiten wechselnde Geschworene Nr. 12.

Das sehenswerte Stück ist nochmals zu erleben jeweils ab 20 Uhr am 28. Juni im Kursaal Bad Karlshafen (Karten in der Touristinfo im Rathaus) und am 5. Juli in der Kulturscheune Hümme (Karten: Gasthaus Busch).

Von Thomas Thiele

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