Aktenfund: Kriegsgefangene arbeiteten in Zeche Kleeberg

„Kartoffelschälen für Kriegsgefangene“: Diese undatierte Aufnahme zeigt Wehrmachtssoldaten und Frauen beim Essenvorbereiten in Holzhausen. Wenn das Bildmotiv korrekt überliefert ist, mussten offenbar auch deutsche Soldaten anpacken, damit die Männer in der Grube Essen bekamen. Foto: AK Dorfgeschichte/privat

Holzhausen. Französische Kriegsgefangene mussten während des Zweiten Weltkriegs in der Zeche Kleeberg bei Holzhausen arbeiten. Sie wurden offenbar gut behandelt und bezahlt.

Das belegen erstmals Papiere aus dieser Zeit, die der Arbeitskreis Dorfgeschichte nun der Öffentlichkeit präsentierte.

Es handelt sich dabei um eine Akte aus dem früheren Obersteiger-Haus in Holzhausen. Das war der Leiter der Grube. Der Besitzer des Hauses überließ die Akte nun dem Arbeitskreis - zur Freude der Holzhäuser. „Wir haben immer gehört, dass da Kriegsgefangene waren, aber es war nie nachgewiesen“, sagt Helmut Bretthauer vom Ortsbeirat.

Mit der Akte lässt sich dieses Stück Geschichte der Nordspitze zwischen 1940 und 1945 nun detailliert belegen: Namen, Dienstnummern, Speiseplan und der Schriftwechsel des Obersteigers mit der Leitung des Kriegsgefangenenlagers in Ziegenhain.

Denn die Gefangenen waren wertvoll: Angesichts des Mangels an Arbeitskräften wurden sie gebraucht, um im Auftrag der Firma Wegmann Kohle für die Industrie in Kassel zu fördern. Nach bisherigen Erkenntnissen des Arbeitskreises wurden die Franzosen der Zeit entsprechend gut behandelt.

„Der menschliche Charakter war da“, sagt Uwe Leimbach vom Arbeitskreis nach Durchsicht der Unterlagen.

Die Bewachung der 20 Kriegsgefangenen war mit einem Unteroffizier und einem Gefreiten eher marginal. Auch die Genfer Konventionen - sie erlauben Arbeiten für Mannschaftsdienstgrade - wurden offenbar eingehalten. Die Holzhäuser hoffen nun, dass ihr Fund hilft, weitere Lücken in der Geschichtsforschung zu schließen. Mit den Dienstnummern seien beispielsweise weitere Recherchen über die Franzosen möglich.

Für die Holzhäuser ist der Fund in jedem Fall ein Erfolg: Alte Fotos lassen sich nun zuordnen.

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