Start in schwierigen Coronazeiten

Ann-Kathrin Schmidt neue Geschäftsführerin beim Pfadfinder-Bund in Immenhausen

Ann-Kathrin Schmidt, neue Geschäftsführerin beim Bund der Pfadfinder, steht am Fenster ihres Büros
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Natur vor dem Bürofenster: Ann-Kathrin Schmidt, neue Geschäftsführerin beim Bund der Pfadfinder in Immenhausen. Das Zentrum Pfadfinden, wo der Bundesverband seinen Sitz hat, liegt zwischen zwei Naturschutzgebieten.

„Es wird schwierig, aber wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagt Ann-Kathrin Schmidt. Sie ist die neue Geschäftsführerin des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP).

Immenhausen – Die 33-Jährige hat das Amt in schweren Zeiten von Jacqueline Weil übernommen: Das Zentrum Pfadfinden plant zwar große Investitionen in seine Häuser. Aber die Zentrale des bundesweit tätigen Verbandes muss erst einmal die Zeit überstehen, bis sie wieder Gäste aufnehmen kann – und damit Einnahmen fließen (HNA berichtete). Seit einem Jahr kämpft das Zentrum ums Überleben. 2021 gab es noch keinen zahlenden Gast, aber Kosten laufen weiter.

Erst einmal Lösungen für kleine Gruppen

Neue Belegungen für die nächsten Monate sind noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Gruppen haben ihre Buchungen für dieses Jahr storniert, sagt die neue Geschäftsführerin, die aus Battenberg in Waldeck-Frankenberg stammt. Sobald Übernachtungen möglich sind, will sie „das Bundeszentrum Pfadfinden mit voller Kraft und Einsatz aus den coronabedingten roten Zahlen holen“. Erstmal werden nur kleine Schritte möglich sein: „Wir versuchen, Lösungen zu finden für Kleingruppen.“

Pfadfinder kannte Schmidt bisher nicht. Die Arbeit in ehrenamtlichen Organisationen ist ihr dagegen vertraut. Sie arbeitete in der Feuerwehr in ihrem Heimatdorf mit und engagierte sich auch im Technischen Hilfswerk. Sie hat Kunstgeschichte, Betriebswirtschaftlehre (BWL) und Kulturmanagement studiert. In den vergangenen Jahren arbeitete die junge Mutter bei den Landkulturperlen, einem Bildungsprogramm des Landes in ländlichen Räumen. Außerdem war sie an Forschungsprojekten der Universität Hildesheim beteiligt. Aber das war ihr zu weit weg von den Menschen.

„Gemeinschaftlich anpacken“

„Ich will dort arbeiten, wo man gemeinschaftlich anpacken kann“, begründete Schmidt ihren Schritt zu den Pfadfindern. Dort sei sie auf große Professionalität gestoßen: „Das hat mir die Sprache verschlagen.“ Der Pfadfinder-Bund sei klar organisiert und sie habe eine gute Einarbeitung bekommen: „wie aus dem BWL-Lehrbuch“.

In Immenhausen ist die 33-Jährige Chefin von 13 Mitarbeitern. Mehrere von ihnen sind zum Teil seit Monaten in Kurzarbeit. Das Leitungsteam hofft, sie halten zu können für den Neustart, wenn die Einschränkungen infolge Corona aufgehoben werden.

Schmidt will Zentrum bekannter machen

Die neue Geschäftsführerin will das Zentrum Pfadfinden stärker im Raum Hofgeismar etablieren und bekannter machen. Es solle zu einem „wichtigen Faktor für die Region werden“. Mit 29 000 Übernachtungen jährlich vor der Coronakrise zählt es bereits zu den großen Anbietern im Kreis. Ann-Kathrin Schmidt strebt auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Naturpark Reinhardswald an. Generell wolle das Zentrum weiterhin mit regionalen Anbietern zusammenarbeiten, wenn wieder Gäste auf das Gelände kommen und versorgt werden.

Demnächst Baustelle: Das Küchenhaus aus den 1950er Jahren wird vergrößert und erhält eine zeitgemäße, moderne Kücheneinrichtung.

Mit der Sanierung der Gruppenhäuser will das Zentrum Pfadfinden den Komfort erhöhen und die Anlage auch für neue Besuchergruppen attraktiver gestalten. Die Arbeiten in den Häusern haben bereits begonnen. Mit dem noch anstehenden Umbau des Küchenhauses soll die Grundfläche der Küche verdoppelt werden. Gesetzliche Auflagen machen diesen Umbau notwendig. Der Platz dafür wird mit einem Anbau geschaffen.

Schmidts Vorgängerin Jacqueline Weil war Anfang des Jahres zum Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel gewechselt. (Bernd Schünemann)

BdP einer der großen Pfadfindeverbände

Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) wurde 1976 gegründet. Der Verband ist interkonfessionell und überparteilich und erreicht nach eigenen Angaben 30 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland. Pfadfinderstämme des BdP gibt es in der Region in Immenhausen, Kassel (zwei Stämme), Hessisch Lichtenau, Bad Hersfeld, Göttingen und Felsberg.

Zum Verband gehören zwölf Landesverbände, in denen rund 250 Stämme (Pfadfindergruppen vor Ort) organisiert sind. Mit dem Bund moslemischer Pfadfinder, der Pfadfinderschaft Sankt Georg, der Pfadfinderinnenschaft St. Georg und dem Verband christlicher Pfadfinder gehört der BdP zu den großen Verbänden Deutschlands.

Toleranz und Weltoffenheit ständen für Pfadfinder nicht nur auf dem Papier, sagt Geschäftsführerin Ann-Kathrin Schmidt. Das zeige sich unter anderem bei den weltweiten Treffen. Das nächste soll 2023 im südkoreanischen Saemangeum stattfinden.

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