Tumorsignal wird abgeschirmt

Arzt der Lungenfachklinik Immenhausen entwickelt neue Therapie gegen Lungenkrebs

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Vor und nach der Therapie: Auf dem linken Röntgenbild ist der Krebs weit fortgeschritten. Das sieht man an den weißen Schlieren. Rechts ist der Krebs deutlich zurückgegangen. Dr. Achim Rittmeyer zeigt den Erfolg.

Immenhausen. Durch seine Erkenntnisse können Patienten mit Lungenkrebs länger leben: Dr. Achim Rittmeyer von der Lungenfachklinik Immenhausen ist Seniorautor einer internationalen Studie, deren Ergebnisse in Fachkreisen als bahnbrechend bezeichnet werden.

Sie wurden Ende April 2016 in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Dies nahm die Stadt Immenhausen jetzt zum Anlass, Rittmeyer die goldene Ehrennadel zu überreichen. „Der Antikörper Atezolizumab ermöglicht dem körpereigenen Immunsystem, den Krebs wieder aktiv zu bekämpfen. Die Studie zeigt, dass dieser Behandlungsansatz zu einem bedeutend besseren Überleben für die Patienten führt“, bringt Rittmeyer die Ergebnisse auf den Punkt.

Krebszellen können das Immunsystem gezielt in die Irre führen, erklärt der Oberarzt. Normalerweise attackiere das Immunsystem neu entstandene bösartige Zellen und verhindere so, dass Menschen an Krebs erkranken. Wenn es den Krebszellen gelinge, bestimmte Signale (PD-L1) zu zeigen, werde das Immunsystem deaktiviert, und der Krebs könne ungehindert wachsen. In der Studie haben Rittmeyer und weitere Forscher den Antikörper Atezolizumab geprüft. Das Ergebnis: Er schirmt das Tumorsignal PD-L1 direkt ab, das Immunsystem funktioniert weiter.

„Achim Rittmeyer hat sich bereits vor einigen Jahren mit dieser Immuntherapie beschäftigt, als noch nicht absehbar war, dass das richtig gut werden wird“, sagt Professor Stefan Andreas, Leiter der Lungenfachklinik. „Er hat sozusagen den richtigen Riecher gehabt.“ Mit der Studie habe Rittmeyer in Deutschland und Teilen Europas Aufsehen erregt.

Die Prognose bei metastasiertem Lungenkrebs ist in der Regel sehr schlecht. Laut Rittmeyer sind sechs Monate nach der Diagnose durchschnittlich 50 Prozent der Patienten verstorben. Durch die neue Therapie kann nun das Leben der Schwerkranken um zwölf bis 14 Monate verlängert werden – je nach Fall.

„Wir haben sogar eine Patientin, bei der die Therapie so gut anschlägt, dass sie schon fünf Jahre mit metastasiertem Lungenkrebs lebt“, sagt Rittmeyer. „Sie geht jetzt sogar wieder arbeiten.“ Das sei früher undenkbar gewesen. Ein weiterer großer Vorteil der neuen Therapie ist ihre „herausragend gute Verträglichkeit“, sagt der Arzt. „Sie ist äußerst nebenwirkungsarm, und den Patienten geht es gut damit.“

Die Studie

An der Studie nahmen 194 Krebszentren aus 31 Ländern teil. Insgesamt wurden 1225 Patienten mit metastasiertem Lungenkrebs, die mindestens eine Chemotherapie erhalten hatten, behandelt. Die Hälfte erhielt den getesteten Antikörper Atezolizumab, die andere Hälfte die Standard-Chemotherapie.

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