Die Flüchtigkeit von Schaum in Glas gegossen

Feldmann gewinnt Immenhäuser Glaspreis

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Immenhäuser Glaspreis: Gewinnerin Lena Feldmann gelang es in ihrer Skulptur „Neunundachtzig x 0“ so etwas Flüchtiges wie Seifenschaum dauerhaft darzustellen.

Immenhausen. Zum sechsten Mal wurde der Immenhäuser Glaspreis vergeben. Der erste Preis ging an Lena Feldmann.

Neben der hochrangigen Jury vom Fach erhielt auch das Publikum die Möglichkeit, seinen Favoriten zu wählen.

„Ich bin froh, dass ich nicht bei der Bewertung beteiligt war“, gab Immenhausens Bürgermeister Herbert Rössel in seiner Ansprache unumwunden zu, „ich hätte mich überfordert gefühlt.“ Maximal zwei neue Arbeiten durften die über 70 in Deutschland lebenden und arbeitenden Glaskünstler bei dem Wettbewerb einreichen. Diese mussten in den letzten drei Jahren entstanden sein und wurden noch keinem breiten Publikum vorgestellt.

Ansonsten gab es keine Einschränkungen für die Künstler. Ob traditionelle Gefäßvarianten, Skulpturen, Flachglas, vor der Lampe geblasen, kombiniert mit anderen Techniken - alles war erlaubt. 130 Arbeiten wurden seit Mai dem Publikum vorgestellt, das sich immerhin 546-mal berufen fühlte, seine Stimme abzugeben. Fast jedes Objekt hat einmal eine Stimme bekommen - doch es konnte nur einen Sieger geben.

Doppelter Preisträger: Wilfried Grootens erhielt den 2. Preis der Jury sowie den Publikumspreis.

Der Sieger des Publikums traf zugleich auch den Geschmack der Jury: Wilfried Grootens hat bislang an allen sechs Ausstellungen teilgenommen und konnte sich in diesem Jahr über den Publikumspreis sowie den zweiten Platz des Wettbewerbs freuen. Sein Glaswürfel besteht aus Flachglasscheiben, die nach einem ausgeklügelten System bemalt und verklebt wurden, so dass der Eindruck eines dreidimensionalen Objektes im Innern des Kubus’ entsteht. Der Betrachter wird zum interaktiven Bestandteil der Kunst, ist er doch gezwungen, die Betrachtungsperspektive stets zu verändern, um immer wieder einen neuen Einblick zu erhalten. Das Objekt trägt den Titel „w.t.s.b.b.“, was laut Aussage des Künstlers bedeutet: „Where the shark bubbles blows (= Wo der Hai Blasen bläst)“.

Der dritte Preis wurde explizit an zwei Arbeiten von Torsten Rötzsch vergeben. Diese bestehen zum einem aus dem perfekt gearbeiteten Objekt „Monolith“, zum anderen aus der Flachglasarbeit „Venedische Gardinen“. Der perfekt gearbeitete Monolith in beeindruckender Einfachheit und das in einem Fensterrahmen präsentierte Flachglas, das in der alten Reticello Technik gefertigt wurde, zeigen laut Jury das künstlerische Potential, das Rötzsch an den Tag legt.

Der erste Preis ging an Lena Feldmann , die es mit ihrem Kunstwerk „Neunundachtzig x 0“ geschafft hatte, so etwas Flüchtiges wie Schaum in einem greifbaren, dauerhaften Objekt einzufangen. Die Schaumstruktur wurde durch eine Ofenverschmelzung in einer feuerfesten Form erreicht. Zuvor formte die Koblenzerin mit Hilfe von 89 Luftballons und Wachs das Gebilde vor, das Glas wurde anschließend eingegossen. Dies ist laut Jury nur mit einer genauen Kenntnis des Materials möglich. Das Kunstwerk von Lena Feldmann wird auch künftig in Immenhausen zu sehen sein. (zgi)

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