Kunst mit hohem Anspruch

Immenhäuser Glaspreis von großem Publikumsinteresse

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Publikumspreis: Zu ihrem Lieblingsobjekt der Schau Glas 2019 kürten die Besucher das Objekt "Cube" von Ulrich Precht aus Lauscha. Das Preisgeld stiftete der Museumsverein, links 1. Vorsitzender Erhard Siebert.

Bei einem überwältigenden Publikumsinteresse an der Finissage ist im Immenhäuser Glasmuseum der Wettbewerb zur zeitgenössischen Glaskunst in Deutschland zu Ende gegangen.

Den Abschluss der fünfmonatigen Ausstellung Glas 2019, während der 1300 Besucher gezählt wurden, krönte am Samstag die Verleihung des 7. Immenhäuser Glaspreises. Eine fünfköpfige Experten-Jury hatte bereits im September ihre Wahl getroffen. Bis zum Schluss aber waren die Namen der vier Preisträger, darunter auch der Sieger der Publikumsabstimmung, unter Verschluss gehalten worden.

Aus der Fülle qualitativ hervorragender Arbeiten, so Immenhausens Museumsleiterin Dagmar Ruhlig-Lühnen, hatte die fünfköpfige Jury ihre drei Favoriten zu bestimmen. Sie sind die Empfänger der von der Stadtsparkasse Grebenstein (1500 Euro), der Kunstförderung der SparkassenVersicherung Art-Regio (1000 Euro) und dem Magistrat der Stadt Immenhausen (500 Euro) gestifteten Geldpreise. Den kulturellen Stellenwert des Glasmuseums Immenhausen für die Region würdigten während des Festaktes Schirmherr Landrat Uwe Schmidt, der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Grebenstein, Ralf Patock, sowie Bürgermeister Jörg Schützeberg. Anerkennende Worte zum beispielhaften Einsatz von Museumsleitung und Museumsverein quittierten die Besucher mit spontanem Beifall. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch den Kasseler Pianisten Vadim Krischtopov. Kataloge zur „Glas 2019“ sind im Museum weiter erhältlich. Für die ehrenamtliche Gestaltung des Werkes wurde Adolf Dick, Mitglied des Museumsvereins, ausdrücklich gedankt.

Den 1. Preis bekam das Vasenobjekt „Herz der Finsternis“ von Heikko Schulze Höing (rechts), das sich der Flüchtlingsproblematik widmet. Es wurde auch von Museumsleiterin Dagmar Ruhlig-Lühnen bewundert.

Nach Beendigung der Schau werden die Vitrinen im Erdgeschoss nicht leer bleiben, versicherte Erhard Siebert, 1. Vorsitzender des Museumsvereins. Ausgewählte Stücke aus der Studioglassammlung sollen nun hier gezeigt werden – und der Publikumsliebling der Glas 2019. Dem Verein Gesellschaft der Freunde der Glaskunst ist es kurzfristig gelungen, einen nahezu identischen „Zwilling“ des Besucherfavoriten vom Künstler zu erwerben. Das ausgestellte und als beliebteste Stück gekürte Exemplar war bereits an Privat verkauft worden.

Weiterhin zu sehen gibt es im Obergeschoss die Sonderausstellung „Kunst im Quadrat“ mit Wandfliesen des Jugendstils. Ab dem 29. Februar ist eine Ausstellung mit Arbeiten der Immenhäuser Malerin Rosa Reichenbach geplant. 

Ein politisches Werk

Der 1. Preis ging an den Glaskünstler Heikko Schulze Höing aus Petershagen. Sein Vasenobjekt „Herz der Finsternis“ spiegelt in der künstlerischen Auseinandersetzung ein hochbrisantes politisches Thema wider. In der räumlichen Tiefe des Glases schreitet scherenschnittähnlich eine Gruppe Flüchtender einer ungewissen Zukunft entgegen. Guckkastenartig werde der Blick ins Innere des Glases ermöglicht, stellte die Jury fest, die hier „eine technisch perfekte Arbeit“ in der sogenannten Graal-Technik erkannte. 

Das Objekt in Glas herzustellen zeuge von einer meisterhaften handwerklichen Beherrschung des Materials und von einer genauen Kenntnis seiner Eigenschaften. Abschließend urteilten die Experten: „Die Art und Weise, wie Heikko Schulze Höing den Inhalt seiner Arbeit durch die Form vermittelt, hat die Jury bei der Preisvergabe überzeugt.“ 

„Flowering Heart“ ist der Titel eines großformatigen, nahezu surrealistischen Objektes in Herzform von Simone Fezer aus dem niedersächsischen Raven, die die Jury als 2. Preisträger benannte. 

Der 3. Preis ging an Iris Haschek aus dem niederbayerischen Regen für ihre Arbeit „Fadenwesen“. Sie lässt blau leuchtende zarte Pilze aus verbranntem Holz wachsen. 

Beim Publikumspreis fiel die Entscheidung unter den 115 ausgestellten Stücken äußerst knapp aus. Das Rennen machte das Objekt „Cube“, ein durch seine farbigen Lichtreflexe in den Bann ziehender transparenter Glaswürfel von Ulrich Precht aus dem thüringischen Lauscha. Der Publikumspreis ist mit 250 Euro dotiert und wurde von der Gesellschaft der Freunde der Glaskunst Richard Süßmuth vergeben. 

Der Immenhäuser Glaspreis

Der Immenhäuser Glaspreis wird alle drei Jahre verliehen. Bewerben können sich in Deutschland lebende und arbeitende Glaskünstler mit Arbeiten, die noch nicht öffentlich ausgestellt wurden.

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