Der „Bub“ liebt Kinder

Gut Waitzrodt: Reitpferd Charles wird zum Therapiepferd

+
Die Ruhe in Person: Charles, das neue Therapiepferd bei Ponydrome auf Gut Waitzrodt, lassen auch bunte Tücher und Jonglierringe kalt. Ausgebildet und betreut wird er von Katrin Wiedemann (rechts) und Daniela Grede.

Immenhausen. Charles steht still, als könne ihn rein gar nichts aus der Fassung bringen. Obwohl bunte Ringe auf ihn zugeflogen kommen und vor seinem Kopf ein gelbes Tuch flattert.

So etwas lässt ein Reitpferd üblicherweise nervös werden, aber eben nicht diesen Wallach. Denn Charles ist kein gewöhnlicher Vertreter seiner Art: Er ist Therapiepferd und der Neue im Team von Ponydrome auf Gut Waitzrodt, wo seit 25 Jahren Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen von der therapeutisch-pädagogischen Arbeit mit Pferden profitieren.

Für den gemeinnützigen Verein, der ohne öffentliche Zuschüsse auskommen muss, stellen die vierhufigen Helfer eine enorme finanzielle Belastung dar. Erst recht, wenn ein Pferd für immer ausscheidet, wie jetzt der altgediente Kaltblüter Max. Nur mit der Unterstützung von Sponsoren lässt sich Ersatz beschaffen. Mit dem Stemmen des finanziellen Kraftaktes allein ist es aber nicht getan.

Um den geeigneten neuen Kandidaten für die heilpädagogische Arbeit bei Ponydrome zu finden, fuhr Katrin Wiedemann, hauptamtliche Mitarbeiterin im Verein, ein halbes Jahr lang und 2 500 Kilometer quer durchs Bundesgebiet. Drei Grundvoraussetzungen hatte der Aspirant zu erfüllen: Ein guter Charakter ist das A und O, aber auch eine tadellose Gesundheit und ein gewisser Ausbildungsstand. Charles entdeckte Katrin Wiedemann schließlich, begleitet von Helferin Daniela Grede, in einer Kinderreitschule bei Osnabrück. Der neunjährige Irish Cob, ein kräftiger Bursche mit solider Ausbildung für Reitzwecke, wechselte nach Waitzrodt – und war damit noch längst kein Therapiepferd für die heilpädagogische Arbeit. Kontinuierlich bilden die beiden Frauen den Nachwuchs seit seiner Ankunft weiter aus. Charles kennt zwar Kinder und Jugendliche aus seinem alten Leben.

Pferd erlernt neue Sprache

Nun aber heißt es, sich an die eingesetzten Therapiematerialien wie bunte Jonglierringe, Tücher und Bälle zu gewöhnen. Und obendrein eine neue Sprache zu erlernen. Statt der Hilfen des Reiters muss Charles jetzt lauschen auf den Therapeuten und seine Kommandos wie Hoh! für Steh! oder verschiedene Schnalzgeräusche, je nach geforderter Gangart. Ohne perfekte Kommunikation zwischen Therapeut und Pferd geht gar nichts. Seine Betreuerinnen sind begeistert. „Ein wahrer Kinderfreund, charakterfest und unerschrocken“, schwärmt Katrin Wiedemann vom Neuen, den sie und Daniela Grede auch liebevoll „Bub“ nennen. Charles hat sich eingelebt auf Waitzrodt und Fuß gemacht in seinem neuen Leben als Therapiepferd. Zeit, ihn der Ponydrome-Gemeinde und der Öffentlichkeit mit einem Fest vorzustellen. Dazu lädt der Verein am kommenden Sonntag, 23. September, nach Waitzrodt ein.

Ein Fest zum Herbstauftakt

Seine heilpädagogische Arbeit mit Pferden stellt Ponydrome e.V. am Sonntag, 23. September, von 15 bis 17.30 Uhr bei einem spätsommerlichen Fest zum Herbstauftakt auf Gut Waitzrodt (an der Landesstraße zwischen Immenhausen und Holzhausen) vor. Bei dem bunten Nachmittag wird Charles, das neue Therapiepferd, in Anwesenheit der Sponsoren feierlich begrüßt. 

Der Verein sorgt für das leibliche Wohl seiner Gäste und lädt die Besucherkinder zu einem kleinen Ausritt auf den Therapiepferden ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.