Immenhäuser Justizexperte Hartenbach ist tot

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Alfred Hartenbach in seiner Zeit als Staatssekretär in Berlin.

Immenhausen. Im Alter von 73 Jahren ist der Jurist und Politiker Alfred Hartenbach aus Immenhausen gestorben.

Er war bekannt als Stadtverordneter, Richter, Direktor des Amtsgerichts Hofgeismar, Bundestagsabgeordneter und zuletzt bis 2009 als Staatssekretär im Bundesjustizministerium.

Alfred Hartenbach wurde am 5. März 1943 in Niedergrenzebach (Schwalmstadt) geboren. Nach dem Abitur 1963 und zweijährigem Wehrdienst studierte er bis 1966 zunächst evangelische Theologie, danach Rechtswissenschaften in Marburg. Ab 1974 war er als Staatsanwalt mit den Schwerpunkten organisierte und Wirtschaftskriminalität in Hessen tätig. Im Januar 1986 wurde er Richter und im Oktober 1986 Direktor des Amtsgerichts Hofgeismar. Von 1991 bis 1993 war er zusätzlich Direktor des Kreisgerichts Nordhausen (Thüringen).

Mann klarer Worte

Mit 25 Jahren trat er 1968 in Immenhausen in die SPD ein und war von 1977 bis 1994 Stadtverordneter. Den Versuch, in den Magistrat aufzurücken, brach er ab, weil das mit seinem Richteramt kollidiert hätte. Hartenbach war bekannt als Mann der klaren Worte, der nicht umständlich redete, sondern die Sachverhalte und Argumente auf den Punkt brachte.

Sein Wissen und sein Sachverstand und seine Fähigkeit zu Vermitteln waren nicht nur in der Region gefragt. Hartenbach war seit 1990 Mitglied im Bezirksausschuss Hessen-Nord der SPD und seit 1994 auch des Parteirats, nachdem er als Nachfolger von Rudi Walther 1994 direktgewählt in den Bundestag einzog. Diesem gehörte er vier Wahlperioden lang an. Hier war er von 1998 bis 2002 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Rechtspolitik und Mitglied des Vorstandes der SPD-Bundestagsfraktion.

Nach der Bundestagswahl 2002 wurde Hartenbach als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium in die von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführte Bundesregierung berufen. In diesem Amt gehörte er auch der seit 2005 von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführten Regierung (Kabinett Merkel I) an. Bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte Hartenbach nicht mehr für ein Mandat.

In seiner Bundestagszeit war Hartenbach Mitglied unter anderem im Rechtsausschuss, dem Richterwahlausschuss, dem Wahlausschuss für die vom Bundestag zu berufenden Richter des Bundesverfassungsgerichts, der Enquete-Kommission „Sekten und Psychogruppen“, Sprecher der Arbeitsgruppe Rechtspolitik und in der Arbeitsgruppe Bürgerschaftliches Engagement.

In seiner Freizeit war Hartenbach ehrenamtliches Mitglied des Vorstandes der Philippstiftung Fachklinik Immenhausen und engagierte sich in der Stiftung Lichtblicke für Demenzkranke. Eigentlich sollte er am vergangenen Wochenende zum stellvertretenden Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt Kreis Kassel wiedergewählt werden.

In den vergangenen zwei bis drei Jahren nahm er sich mehr Zeit, um mit seiner Frau Helga Reisen und Fahrten zu unternehmen.

Dann traf ihn die Diagnose einer schweren Krankheit, die nach mehreren Operationen besiegt schien. Doch dann kehrte sie zurück und Alfred Hartenbach starb am Samstag in einem Hann. Mündener Krankenhaus. Er hinterlässt neben seiner Frau auch zwei erwachsene Kinder.

Die Trauerfeier zur Beerdigung ist am Samstag, 2. Juli, ab 14 Uhr in der Friedhofskapelle Immenhausen.

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