Geschäftsführer im Ruhestand

Immenhausen: Mit Hartnäckigkeit und Engelszungen für die Klinik

Die Klinik-Geschäftsführung: Der scheidende Geschäftsführer Wilfried Gründel, daneben sein Nachfolger Björn Böhling und die neue Stellvertreterin Sabrina Euler.
+
Björn Böhling (Mitte) übernimmt die Geschäftsführung von Wilfried Gründel. Der war seit April 1981 Geschäftsführer der Lungenfachklinik in Immenhausen. Sabrina Euler arbeitete bisher Assistentin der Geschäftsführung und ist jetzt stellvertretende Geschäftsführerin.

Er war wohl einer der dienstältesten Krankenhaus-Geschäftsführer Deutschlands: Wilfried Gründel hat die Geschäftsführung der Lungenklinik an Björn Böhling abgegeben.

Immenhausen – Der Vorstand der Philippstiftung – Träger des Krankenhauses – hatte Böhling als Nachfolger ausgewählt. Böhling war seit 2016 Gründels Stellvertreter. Sabrina Euler, bisher Assistentin der Geschäftsführung, ist nun die neue Stellvertreterin.

Wahl fiel auf den jüngsten Bewerber

30 Bewerber hatten sich bei dem Immenhäuser Krankenhaus gemeldet, als das 1981 einen neuen Geschäftsführer suchte. Die Entscheidung fiel auf ihn, den jüngsten Bewerber. Er hatte sein Studium der Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen – und von der Führung eines Krankenhauses wenig Ahnung, erzählt der heute 70-jährige Gründel im Gespräch. Inhalte wie Gesundheitsökonomie gab es nicht. Eigentlich wollte er nur Erfahrungen sammeln, um dann in seine niedersächsische Heimat zurückzukehren. Es kam anders, Gründel blieb mehr als 40 Jahre.

Mitarbeiter zu finden war auch damals schwierig

Er übernahm die Geschäftsleitung, als ein großer Investitionsstau auf dem Haus lastete. Und auch die Mitarbeitergewinnung war nicht einfach. „Mit Engelszungen“ habe er auf die Menschen eingeredet. Die hatten damals noch Angst, dass sie sich in der ehemaligen Heilanstalt für Tuberkulose-Patienten anstecken könnten.

Die Klinik musste einige Herausforderungen bewältigen, um bestehen zu bleiben. So habe die Landesregierung kein Interesse gehabt: „Man wollte die Lungenfachklinik weghaben“, sagt Gründel. Auch die Krankenkassen „waren uns nicht gewogen“. Doch die Klinik ließ nicht locker. Sechs Jahre stritt sich der Geschäftsführer mit der Landesregierung, „dann wurde die Welt eine andere“.

Mit Pflege gewachsen

Das kleine Krankenhaus musste aber Entwicklungsmöglichkeiten suchen, um bestehen zu können. Die Klinikleitung habe „verwandte Leistungen gesucht, um Wachstum zu generieren“, sagt Gründel. Ab 1993 wurde im Verwaltungsrat der Stiftung über betreutes Wohnen und Pflegeeinrichtungen diskutiert. 2001 wurden dann 44 Wohnungen angeboten, 2004 kam ein Pflegeheim dazu. Heute gehören auch das Pflegeheim Phase F für schwerstpflegebedürftige Patienten sowie das Betreute Wohnen in der Grebensteiner Stadtmitte (auch Plätze für beatmungspflichtige Patienten) dazu. 2015 erwarb die Klinik das Medizinische Versorgungszentrum an der Wilhelmshöher Allee in Kassel. Dort gibt es ambulante Behandlung bei Lungenkrankheiten und Nachsorge.

Größter Arbeitgeber

Heute arbeiten 385 Voll- und Teilzeitkräfte für die Philippstiftung, 250 in der Klinik und 135 in den Pflegeeinrichtungen. Damit ist die Klinik der größte Arbeitgeber in Immenhausen. Sie erwirtschaftet laut Gründel einen Jahresumsatz von 26 Millionen Euro. Die Klinik gehört zu den wenigen kleinen Krankenhäusern Deutschlands, die selbstständig arbeiten und keinem Verbund oder Konzern angehören.

In den vergangenen Jahren stand für Gründel der Neubau im Mittelpunkt. 2001 hatte die Planung begonnen. Viermal musste die in Wiesbaden vorgelegt werden, bis die Landesregierung sie genehmigte und förderte, berichtet Gründel. Offiziell eingeweiht werden konnte die 18-Millionen-Investition coronabedingt bis heute nicht. Insgesamt 107 Betten stehen zur Verfügung. Durch den Neubau haben die Patienten mehr Platz, sagt Gründel. Das erleichtere auch den Mitarbeitenden die Betreuung.

Was der Ruheständler in seiner Freizeit machen will, hat er noch nicht entschieden. Er möchte aber mehr Zeit mit seinen fünf Enkelkindern verbringen. (Bernd Schünemann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.