Milchtankstelle auf dem Hof Schäfer

In Holzhausen gibt´s Milch fast direkt von der Kuh

Svenja Schäfer steht an dem Milchautomaten auf ihrem Bauernhof.
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Svenja Schäfer demonstriert die Milchtankstelle auf ihrem Hof. Dort gibt es frische Rohmilch. Auf Wunsch können sich die Kunden mit Pulver Milchmixgetränke mischen.

140 Milchkühe stehen in dem Stall. Jeden zweiten Tag bringt der Milchwagen tausende Liter Milch nach Zeven oder Osnabrück in eine der Molkereien des Deutschen Milchkontors.

Holzhausen – Und trotzdem kann man in dem hochtechnisierten Betrieb Milch gewissermaßen frisch von der Kuh bekommen: Die Familie Schäfer betreibt an ihrem Aussiedlerhof am Ortsrand von Holzhausen eine Milchtankstelle.

Svenja Schäfer war die treibende Kraft für diese Form der Direktvermarktung. 150 Liter Rohmilch füllen Schäfers regelmäßig in ihre „Tankstelle“. Das reicht üblicherweise für zwei Tage. Bei gutem Wetter sei die Milchtankstelle „ein beliebtes Ausflugsziel“, erzählt Svenja Schäfer. Vor Coronazeiten hätten sich junge Leute gern dort getroffen: Vor und nach dem Diskobesuch hätten sie sich Milch-Mixgetränke dort gemischt. Die sind vor allem bei Kindern und jungen Leuten beliebt. Am Automaten kann man sich dafür Pulver mit Bananen- oder Schokoladengeschmack kaufen, mit Milch auffüllen, schütteln und genießen, erzählt die Betreiberin lachend. So würden auch ihre Kinder gern die Milch trinken. Die ältere Tochter friert den Schüttel-Shake ein und macht sich so leckeres Eis selber, sagt die Mutter.

Kunden kommen regelmäßig

Viele Kunden kommen regelmäßig und holen sich die Rohmilch, die mehr als vier Prozent Fettgehalt und auch einen höheren Eiweißgehalt als Milch aus dem Supermarkt hat. Ein Schild weist darauf hin, dass die Milch vor dem Verzehr erhitzt werden sollte. Svenja Schäfer kennt Stammkunden aus Reinhardshagen, Hann. Münden und Kassel. Die schätzten die frische, unbehandelte Milch, die anders schmecke als Milch aus dem Supermarkt. Einige Kunden holen 80 Liter auf einmal und stellen daraus selber Käse her. Diese Mengen werden nicht flaschenweise am Automaten abgefüllt. Da hilft Schäfer mit und füllt in der Milchküche die größere Menge ab.

Rund 25 000 Euro hat der Familienbetrieb für den Automaten investiert. 1994 war der Betrieb an den Ortsrand ausgesiedelt. 2013 wurde der Stall erweitert, ein Jahr später nahm die Familie den ersten der beiden Melkroboter in Betrieb. Ende August 2015 wurde bei einem Tag der offenen Tür die Milchtankstelle eröffnet. Über sie wird nur ein Bruchteil der gesamten Milchmenge verkauft, die Schäfers Kühe geben.

„Kleines Zubrot“

Der Automat sichert eine Einnahme zu einem fairen Preis für die Erzeuger. Seit Beginn verkauft die Familie den Liter Milch für einen Euro. Für die Milch, die an die Molkerei geliefert wird, bekommen Schäfers 32 Cent je Liter. Um kostendeckend arbeiten zu können, müssten es mindestens 40 Cent je Liter sein, sagt Tobias Schäfer. Mit Blick auf die gesamte Milchmenge des Betriebs mache die Tankstelle nur „ein kleines Zubrot“, erklärt der Landwirt.

Fünfmal aufgebrochen

Auch von schwierigen Situationen lässt sich die Familie nicht abbringen lassen: Im August 2017 wurde der Automat zum fünften Mal in eineinhalb Jahren aufgebrochen. Dabei war der Sachschaden jeweils deutlich größer als die Beute. Darauf haben die Schäfers reagiert. Zunächst war der Automat rund um die Uhr zugänglich. Wegen der Aufbrüche geben Schäfers die Milch jetzt nur von morgens bis abends ab. Die Öffnungszeiten richten sich nach der Jahreszeit und sind auf der Internetseite des Betriebs nachzulesen. Eingebrochen wurde seither nicht mehr – aber dass weniger Milch verkauft wird, bemerkt die Familie auch.

140 Milchkühe stehen im Stall von Familie Schäfer in Holzhausen.

Auf die Technik der Tankstelle ist offensichtlich Verlass. Auch im vergangenen Winter bei Temperaturen von -20 Grad konnten sich die Kunden Milch zapfen, berichtet Svenja Schäfer. Auch der Zugang sei kein Problem gewesen, der wird freigeschippt. Wenn es nötig ist, stehe sie dafür morgens eine Stunde früher auf.

Nur noch zwei Tankstellen

Die Melkroboter erleichtern den Milchbauern die Arbeit deutlich. Trotzdem müssen Milchkühe an sieben Tagen in der Woche versorgt werden. „Und wenn im Stall etwas ist, ruft der Melkroboter auch nachts an“, damit das Problem beseitigt werden kann, sagt Svenja Schäfer.

Von mehreren Milchtankstellen im Kreisteil Hofgeismar gibt es laut Regionalbauernverband noch die von Familie Schäfer in Holzhausen und eine vom Betrieb Möcklinghoff in einem Hofgeismarer Supermarkt. (Bernd Schünemann)

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