Keine Unterstützung von Agentur für Arbeit

Meisterbetrieb in Immenhausen: Kein Geld für Existenzgründer

Gut zu tun: Eugen Becker (links) mit seinem Mitarbeiter Christian Kühle in der Werkstatt. Foto:  Henke

Immenhausen. Das frühere Autohaus Norbert Krause in Immenhausen heißt jetzt „Kfz-Meisterbetrieb Eugen Becker“. Der neue Chef bekommt aber keinen Zuschuss als Existenzgründer.

Eugen Becker ist zweifacher Familienvater und Kraftfahrzeugmeister. Jetzt hat er sogar schon einen eigenen Betrieb.

Den Einstieg in die Selbstständigkeit hat sich der 26-Jährige reiflich überlegt. Weil er wusste, dass sein Zeitvertrag bei VW in Baunatal zum 31. Oktober vergangenen Jahres endete, nahm er in den drei Monaten seiner anschließenden Arbeitslosigkeit mit der Immenhäuser Autowerkstatt des Norbert Krause Kontakt auf. Krause, der das Geschäft aus Altersgründen abgeben wollte, wurde sich mit dem jungen Mann schnell einig. Becker mietet Gebäude und Gelände und kaufte Krause die Werkstattausstattung ab.

Zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kam er an einen zinsgünstigen Kredit, der ihm hilft, das Geschäft ins Laufen zu bekommen. Doch der Jungunternehmer erhoffte sich auch Unterstützung bei der Agentur für Arbeit. Da er kurze Zeit arbeitslos war und zuvor schon längere Zeit gearbeitet hatte, erfüllte er wesentliche Bedingungen für einen Existenzgründerzuschuss der Agentur. Den zu stellen, hatten ihm auch die Kreishandwerkerschaft und eine Karriereberater geraten.

Doch schon bei der Abgabe seines Antrags sei ihm von seiner Agentur-Beraterin mitgeteilt worden, dass dieser wenig Aussichten auf Erfolg habe. Der Grund: Als junger, leistungsfähiger und sehr gut qualifizierter Mann war Eugen Becker kein Problemfall für die Job-Vermittlung.

Im Gegenteil, die Arbeits-Agentur konnte ihm umgehend gleich mehrere Angebote machen. Doch die schlug Becker aus und orientierte sich weiter auf die Selbständigkeit.

Weil aber laut Sozialgesetzbuch die Vermittlung in Arbeit Vorrang vor den Leistungen der „aktiven Arbeitsförderung“ hat, wurde ein Existenzgründerzuschuss abgelehnt.

„Das kann ich nicht verstehen“, sagt der 26-Jährige, „denn gerade jetzt, wo ich meinen eigenen Betrieb aufbauen will, könnte ich den Zuschuss gut gebrauchen und meiner Familie auch mal den Kühlschrank voll machen.“

Der Existenzgründerzuschuss beträgt sechs Monate lang 67 Prozent des letzten Nettogehaltes plus 300 Euro pauschal für die Sozialversicherung. Danach schließt sich ein weiterer Zuschuss von jeweils 300 Euro über neun Monate an.

Das erwartete Einkommen von Eugen Becker liegt jedoch deutlich über dem Existenzgründerzuschuss. Deshalb habe die Kann-Leistung nicht gewährt werden können, sagt Silke Sennhenn, Pressesprecherin der Arbeitsagentur in Kassel.

Wenngleich sein Geschäft vom ersten Tag an gut läuft und Becker für sich selber schon Sonderschichten einlegen muss, will er jedoch weiter um den Zuschuss der Agentur kämpfen. „Gegen den Ablehnungsbescheid habe ich bereits Widerspruch eingelegt“, sagt der Existenzgründer.

Von Gerd Henke

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