Friedrich Bentes Schicksal im Kreis-Jahrbuch

Nazi-Opfer aus Holzhausen erhält Gesicht und Geschichte

Friedrich Bente, Sozialdemokrat aus Holzhausen.
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Friedrich Bente aus Holzhausen. Der überzeugte Sozialdemokrat wurde schon im März 1933 von der SA (Sturmabteilung) verhaftet.

Friedrich Bente war überzeugter Sozialdemokrat, Gewerkschafter – und ein Gegner Adolf Hitlers. Er gehörte zu den ersten Menschen, die die Nazis im März 1933 verhafteten.

Holzhausen – Der Grund der Verhaftung: die politische Einstellung der Menschen. Auch im damaligen Kreis Hofgeismar war Hitlers SA (Sturmabteilung) im März 1933 unterwegs. Bisher war wenig über Bente bekannt. Sein Name steht in dem Buch „Stätten der Erinnerung – Gedächtnis der Stadt“ von Julia Drinnenberg. Die Mitarbeiterin des Stadtmuseums Hofgeismar hatte darin 2010 die Namen derer zusammengetragen, die die SA frühzeitig verfolgte, um sie einzuschüchtern oder auszuschalten.

Die Zeit der Machtergreifung durch die Nazis sei in der Region noch nicht systematisch erforscht, sagte der aus Holzhausen stammende Dr. Stefan Arend im Gespräch mit der HNA. Durch seine Forschungen erhält mit Bente ein weiteres Opfer seine Geschichte. Bentes Geschichte erzählt Arend, der bei München wohnt, im neuen Jahrbuch des Kreises Kassel, das ab der nächsten Woche verkauft wird.

Dr. Stefan Arend. Der Geschichtsforscher stammt aus Holzhausen.

Friedrich Bente kam im März 1933 zunächst noch glimpflich davon. Er wurde nicht gefoltert und erhielt „einen scharfen Verweis“, berichtet Arend. Die Verhafteten waren verbaler und physischer Gewalt ausgesetzt, sagt Arend, zum Teil seien sie „auf brutalste Art und Weise gefoltert worden“.

Das Signal nach außen war klar: „Wenn Du nicht parierst, geht es Dir genauso“. So hätten die Nazis schon in den ersten Monaten ihrer Regierungszeit freidenkende Menschen „bis ins Mark eingeschüchtert“, sagt Arend. In den Orten habe sich natürlich herumgesprochen, was mit den Menschen passierte, die damals festgenommen worden waren.

„Die Geschichte von Friedrich Bente zeigt, wie perfide dieses System schon in kurzer Zeit funktioniert hat“. Diese Geschichte habe für ihn noch eine andere Facette: Was viele heute in Geschichtsbüchern lesen, hätten die Menschen damals in ihren eigenen Orten erlebt. Dabei war die SA, die als Hilfspolizei auftrat, nicht zimperlich. 240 Menschen wurden in der ersten Welle im März 1933 im Kreis Hofgeismar verhaftet.

Während es nach der Festnahme bei dem „scharfen Verweis“ blieb, wurde der Sozialdemokrat im August 1933 erneut verhaftet und ins Konzentrationslager Breitenau gebracht. Am 14. September 1933 wurde er dort entlassen.

Nach dem Ende des Krieges wurde Friedrich Bente – wie schon vor der Nazizeit – wieder Gemeinderat in Holzhausen, später auch Standesbeamter. Mit 60 Jahren starb er Weihnachten 1945 an Herzversagen, berichtet Arend.

Bentes Enkel Claus Schäfer hat Arend bei seinen Recherchen unterstützt. Der Holzhäuser besitzt noch viele Unterlagen über seinen Großvater, die er Arend zur Verfügung stellte. Der Artikel für das Jahrbuch habe ihn „sehr mitgenommen“, sagte Schäfer auf HNA-Anfrage. Arend habe Informationen zusammengetragen, die der Familie noch nicht bekannt waren. Julia Drinnenberg, die Autorin des Hofgeismarer Buchs, ist froh, dass durch Arends Arbeit eine ganz persönliche Geschichte jetzt mit einem der Namen aus ihrem Buch verbunden werden kann. (Bernd Schünemann)

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