Wohngemeinschaften statt Heim

Neues Haus bietet Platz für 18 Pflegebedürftige in Immenhausen

Ira und Wolfgang Rüdiger stehen vor ihrem Haus an der Grebensteiner Straße. Darin sind pflegebedürftige Menschen in mehreren Wohngemeinschaften untergebracht.
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Neues Angebot in Immenhausen: Ira und Wolfgang Rüdiger sind die Inhaber der Wohneinrichtung, die der Pflegedienst Aiutanda betreibt. Dort leben mehrere Wohngemeinschaften pflegebedürftiger Menschen.

Was viele aus der Studentenzeit her kennen, macht auch für Menschen im fortgeschrittenen Alter Sinn – nämlich Wohngemeinschaften.

Immenhausen – In Immenhausen gibt es jetzt drei Wohngemeinschaften (WG) für Menschen mit Pflegebedarf. Am Ortseingang ist eine trägergestützte Einrichtung entstanden, in der Wohngemeinschaften (WG) für Intensivpflegebedürftige und demenziell Erkrankte ein Zuhause finden.

Auch für Wachkoma-Klienten

In dem Gebäude finden 18 Menschen Platz, sechs auf jeder der drei Etagen. Klienten mit einem erhöhten Pflegebedarf, die auf ein Beatmungsgerät angewiesen sind oder im Wachkoma liegen, sind im Erdgeschoss untergebracht. Im mittleren und oberen Stockwerk leben Menschen mit Demenz. Damit sie geschützt sind, wurde das Haus mit einem Sicherungssystem ausgestattet.

Die Bewohner tragen eine Art Armbanduhr, die ein Signal auslöst, wenn die Bewohner die Haustür oder eine Terrassentür passieren will. „Damit können sie sich frei im Haus bewegen, was uns wichtig ist“, erklärt Jessika Pioro, Geschäftsführerin des Pflegedienstes Aiutanda Kassel mit Sitz in Wolfhagen.

Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer. Küche, Essbereich und Pflegebadewanne werden gemeinschaftlich genutzt. „Unsere Zimmer sind fast 20 Quadratmeter groß, sie haben alle ein eigenes Badezimmer mit Dusche und WC und können individuell eingerichtet werden“, sagt die Geschäftsführerin.

Haustiere sind willkommen

Auch Haustiere können dort leben: „Solange es die Mitglieder der WG nicht stört, spricht nichts dagegen“, sagt Pioro. Bald sollen Hühner gehalten werden.

Im Garten sind Hochbeete für Salat und Gemüse geplant. Das selbstgezogene Gemüse soll in der Einrichtung auf den Tisch kommen. „Unserer Betreuungs- und Hauswirtschaftskräfte kochen drei bis viermal pro Woche für die Bewohner.“ An den anderen gebe es bestelltes Essen, erklärt Pioro. „Wenn ein Bewohner mag, kann er gerne mithelfen, wie in einer Großfamilie.“ Die WG-Mitglieder werden rund um die Uhr betreut, wobei sich der Pflegeschlüssel nach dem Bedarf der Bewohner richtet.

Wohnlich: In den Gemeinschaftsräumen gibt es Sitzecken mit elektrischen Kaminen. Vor einem davon hat es sich Jessika Pioro gemütlich gemacht. Sie ist die Geschäftsführerin des Pflegedienstes Aiutanda, der das Haus in Immenhausen betreibt.

Die Betreiber legen Wert auf die Selbstbestimmtheit ihrer Klienten, jeder solle seine Gewohnheiten beibehalten können. „Bei uns gibt es keinen festen Friseur oder Fußpfleger, der ins Haus kommt“, sagt Pioro. Neben klassischen Betreuungsangeboten wie Basteln oder gemeinsamen Brettspielen stehen Spielkonsolen zur Verfügung, um Bewohnern mittleren Alters gerecht zu werden.

Durch die Lage des Objektes sind öffentliche Verkehrsmittel und Supermärkte gut erreichbar. Laut Hauseigentümer Wolfgang Rüdiger ist gerade in Coronazeiten die Möglichkeit, Beatmungspatienten betreuen zu können, wichtig: „Wer aus dem Krankenhaus entlassen wird und nicht allein zuhause sein kann, ist hier gut aufgehoben.“ Auch die Nähe zur Lungenfachklinik sei ein Vorteil.

Seine Frau Ira und er hätten sich für das Wohnprojekt entschieden, weil sie das Konzept überzeugte: „So könnten wir uns selbst vorstellen, im Alter zu leben.“ 2018 begann die Planungen für das Gebäude. Auf nachhaltige energetische Versorgung und moderne Ausstattung wurde bei der Realisierung geachtet. (Tanja Temme)

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