Interview

Rössels Abschied in Immenhausen: "Jeder ist ersetzbar"

Macht die Tür am 31. Dezember hinter sich zu: Noch-Bürgermeister Herbert Rössel hier vor dem Immenhäuser Rathaus. Foto: Ziemann

Immenhausen. Bürgermeister Herbert Rössel (SPD) hat am 31. Dezember seinen letzten Arbeitstag, ab dem 1. Januar übernimmt der parteilose Jörg Schützeberg.

Herr Rössel, wie enttäuscht waren Sie, als der SPD-Kandidat André Rittner bei der Bürgermeisterwahl im Sommer nicht gewählt wurde? Ist damit Ihr Vermächtnis dahin?

Herbert Rössel: Sicher war ich vom Ergebnis der Wahl enttäuscht. Ich kenne Rittner sehr gut und habe ihn unterstützt. Das Amt wäre bei ihm in guten Händen gewesen. Immenhausen hat eine sehr gute Verwaltung. Die wird auch mit Jörg Schützeberg konstruktiv zusammenarbeiten.

Wie wird die SPD-Immenhausen ab Januar mit der neuen Situation umgehen?

Rössel: Das werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass eine gute Zusammenarbeit möglich sein wird.

Fällt Ihnen der Abschied aus der Kommunalpolitik schwer?

Rössel: Ich werde mich nicht verabschieden. Man kann nicht einfach aufhören, das wird ein Prozess sein. Trotzdem freue ich mich, jetzt mehr Zeit zu haben. Denn ich merke auch, dass ich älter werde. Ich bin jeden Tag ab acht Uhr im Büro und oft erst gegen 22 Uhr zu Hause. Man muss also auch die Chance sehen, die der Ruhestand bietet.

Sie haben viele Jahre als Lehrer gearbeitet. Welcher Job ist anstrengender, Bürgermeister oder Lehrer?

Rössel: Bürgermeister. Als Lehrer ist man emotional nicht so dicht dran an den Sachen. Den Satz des Pythagoras kann man Schülern zum Beispiel sehr gut ohne Emotionen beibringen. Der Job des Bürgermeisters ist auch zeitaufwändiger, weil viele Termine außerhalb der Dienstzeit stattfinden.

Welches waren Ihre größten Erfolge während Ihrer Amtszeit?

Rössel: Der Neubau und die Sanierung des Kindergartens am Kirchweg. Das war das wichtigste und teuerste Bauprojekt, das während meiner Amtszeit in enger Abstimmung mit allen Nutzern, Fraktionen un der Öffentlichkeit umgesetzt wurde. Außerdem habe ich versucht, alle Abläufe der Verwaltung transparent zu gestalten. Ich glaube, das ist mir gut gelungen.

Welcher war ihr größter Misserfolg?

Rössel: Dass ich mein Vorhaben, eine Windkraftanlage am Rand von Mariendorf zu errichten, nicht umsetzen konnte. Durch die Vorgaben des Regierungspräsidiums ist dies verhindert wordenn. Das ist zwar kein richtiger Misserfolg, doch ich bedauere es, weil ich mich aus Überzeugung für erneuerbare Energien einsetze.

Was machen Sie an Ihrem ersten Tag im Ruhestand?

Rössel: Da dies der 1. Januar ist, werde ich sicher ausschlafen und mich von der Silvesternacht erholen. Dann werde ich mit meiner Frau und unserem Hund einen Neujahrsspaziergang machen. Die Zeit danach lasse ich auf mich zukommen.

Arbeiten Sie Ihren Nachfolger ein?

Rössel: Ja, ich beziehe Jörg Schützeberg bereits seit einiger Zeit in Abläufe ein und erkläre ihm mit den Fachbereichskoordinatoren die Sachverhalte, die er ja noch nicht wissen kann.

Wie wird Immenhausen ohne Sie zurechtkommen?

Rössel: Jeder Mensch ist am Arbeitsplatz ersetzbar, niemand ist unentbehrlich. Schützeberg und die Stadt werden sich aneinander gewöhnen. Das wird sicher schnell geschehen.

Werden Sie in Zukunft trotz Ruhestand ein politisches Amt in der Stadt übernehmen?

Rössel: Ja, ich werde den Vorsitz in der Arbeitsgemeinschaft der SPD AG 60 plus übernehmen. Auch in der SPD-Fraktion werde ich weiter aktiv bleiben.

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