250 Feuerwehrleute im Einsatz – Auslöser ist noch unklar

Feuer im Reinhardswald: Wasserbeschaffung bereitete viel Arbeit

Immenhausen/Hann. Münden. Zwischen Immenhausen und Hann. Münden gab es in der Nacht zu Dienstag einen Großeinsatz für mehrere Feuerwehren: Sie kämpften bis zum nächsten Morgen gegen einen Waldbrand.

Artikel wurde aktualisiert um 15.49 Uhr

Unterholz auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern brannte dort. Dabei wurden rund 500 Meter östlich der ehemaligen Zeche Gahrenberg, also im Reinhardswald zwischen Immenhausen und Hann. Münden, erdnahe Gewächse vernichtet und Boden verbrannt. 

Die fehlenden Niederschläge und die Hitze der vergangenen Tage haben den Waldboden austrocknen lassen. Ein Feuer kann sich bei solchen Bedingungen leicht und schnell ausbreiten. Um das zu verhindern, wurden am Montagabend gleich mehrere Wehren zum Bekämpfen des Bodenfeuers im Reinhardswald gerufen - ein Großeinsatz, mit dem man Schlimmeres hatte verhindern wollen. So wurde der Brand auf die 3000 Quadratmeter begrenzt.

250 Feuerwehrleute waren angerückt - aus den Großgemeinden Hann. Münden, Immenhausen, Calden, Espenau-Ahnatal, Wolfhagen und Kaufungen. Außerdem „unterstützen uns die beiden Flugfeldlöschfahrzeuge vom Airport Kassel-Calden, die jeweils 9100 Liter fassen können“, sagte Marc Schäfer, Stadtbrandinspektor der Immenhäuser Wehr und in dieser Nacht Einsatzleiter. Die Wehren aus Hann. Münden holten zudem Wasser aus der Weser, berichtete Mündens Stadtbrandmeister Dieter Röthig. Hilfe wurde auch vom Hofgeismarer Lohnunternehmer Glaßl geordert, der mit zwei Güllefahrzeugen in dieser Nacht 60.000 Liter Löschwasser tief in den Reinhardswald brachte.

„Zuerst wollten wir aus einem Flüsschen bei Hofgeismar Wasser entnehmen, doch der Wasserstand war einfach zu tief“, sagte Glaßl-Mitarbeiter Sascha Lückert. Da sie mit ihren riesigen Fahrzeugen den Immenhäuser Teich nicht hätten ansteuern können, seien sie schließlich nach Hohenkirchen gefahren, wo sie am Ortseingang aus einem Teich die Wassermassen entnommen hätten.

Für die Löscharbeiten wurden direkt am Einsatzort Becken aufgestellt, von denen aus die Verteilung mit langen Schläuchen vorgenommen wurde. „35.000 Liter kann unser größtes fassen“, erklärte Einsatzleiter Schäfer.

Ein Radfahrer hatte die Flammenentwicklung am sogenannten Hann.-Mündener-Stock entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Um 19.30 Uhr nahm sie die Löscharbeiten auf. An zwei benachbarten Stellen des Mischwaldes hatte sich der Brand ausgebreitet. „Wir konnten zum Glück verhindern, dass die Flammen auf höhere Bereiche übergriffen, denn das hätte fatale Folgen haben können – eine Ausbreitung des Brandes wäre dann möglich gewesen“, sagte Einsatzleiter Marc Schäfer.

Noch in der Nacht bekamen die Einsatzkräfte den Waldbrand unter Kontrolle. Flammen gab es nur noch vereinzelt, teilte die Kasseler Feuerwehr am Dienstagmorgen auf Anfrage mit. Auch am Morgen waren noch Feuerwehrleute im Einsatz, die unter anderem mit Wärmebildkameras nach Glutnestern suchten und diese löschten. Außerdem wollte sich die Feuerwehr bei Tageslicht auch von oben einen Überblick über die Lage verschaffen.

Berichte über Verletzte liegen der Kasseler Feuerwehr bisher nicht vor. Auch Schäden etwa an forstwirtschaftlichen Gebäuden seien bisher nicht bekannt, so die Feuerwehr. Der finanzielle Schaden hält sich dank des schnellen Einsatzes von hessischen und niedersächsischen Feuerwehren in Grenzen.

Waldbrand zwischen Immenhausen und Hann. Münden

Am Dienstagmorgen nahm Hessen Forst erste Aufräumarbeiten mit einem Harvester vor. Außerdem wurde als Schutzmaßnahme mit einem Bagger ein Graben um das verbrannte Areal gezogen. Die Brandursache ist noch unklar, gleiches gilt für die Schadenshöhe. Bei früheren vergleichbaren Bränden war er eher gering. Der Wald heile sich von selbst, wenn die Schäden nicht zu groß sind, sagt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen.

In der ganzen Region ist die Gefahr von Waldbränden nach einigen trockenen Tagen gestiegen. Erst am Montag sorgte ein Silvesterknaller für den Brand eines Feldes im Schwalm-Eder-Kreis. In Northeim rief die Feuerwehr die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Brandabwehr auf

Hintergrund: Das richtige Verhalten im Wald

Mit anhaltender Trockenheit und hohen Temperaturen steigt die Gefahr von Waldbränden. Wie hoch die Gefahr ist, hängt auch von der Beschaffenheit des Waldes ab. Besonders gefährdet sind junge Nadelwälder, sagt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen. Abgefallene Nadeln und niedrige Äste geben dem Feuer Nahrung. Da der Reinhardswald Mischwald ist und schwere Böden hat ist er nicht so brandgefährdet wie Nadelwälder auf sandigen Böden in Südhessen oder Norddeutschland. Dennoch gilt es Tipps zu beachten, rät Kahle: 

  • Nicht Rauchen. Eine glühende Zigarette reicht, um einen Brand auszulösen.
  • Kein offenes Feuer. Grillen nur an ausgewiesenen Grillplätzen.
  • Autos wegen der Hitze von Katalysatoren nicht über trockenen Gräsern abstellen. Das Gras kann Feuer fangen – und das Auto auch. 
  • Keine Flaschen oder Scherben wegwerfen: Sie bündeln das Sonnenlicht und wirken als Brennglas. 
  • Wer Feuer sieht und Brandgeruch wahrnimmt: umgehend die 112 anrufen. Genauen Standort nennen.

Rubriklistenbild: © Hessennews.tv

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