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E-Zigaretten schaden der Gesundheit: Lungenfachklinik Immenhausen warnt vor Schadstoffen

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Von: Anna-Laura Weyh

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Die Lungenfachklinik Immenhausen warnt vor Schadstoffen in E-Zigaretten.
Die Lungenfachklinik Immenhausen warnt vor Schadstoffen in E-Zigaretten. © Marcus Brandt/dpa/dpa-bildfunk

Die Immenhäuser Lungenfachklinik warnt vor E-Zigaretten und bietet gemeinsam mit einem Suchtberater Kurse zur Tabakentwöhnung an.

Immenhausen – Große Plakate mit jungen, lächelnden Frauen darauf. In der Hand eine E-Zigarette. Die Werbung verspricht Harmonie und Freiheit – und körperliches Wohlbefinden. Doch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) warnt vor gesundheitlichen Folgen durch den Gebrauch von E-Zigaretten.

Zwar ist nicht in jedem Liquid, das in die E-Zigarette gefüllt und anschließend von Rauchern eingeatmet wird, Nikotin enthalten – Liquid ohne Nikotin ist mit einem geringeren Abhängigkeitspotenzial verbunden – dennoch sind andere Inhaltsstoffe, die der Körper durch die E-Zigarette aufnimmt, schädlich. „Die Inhaltsstoffe werden nicht alle angegeben vom Hersteller. So richtig weiß man also nicht, was man da einatmet“, sagt Prof. Dr. Stefan Andreas, ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen.

Langfristige Studien zu E-Zigaretten fehlen

Anders als bei der Nikotinersatztherapie oder Medikamenten zur Unterstützung der Tabakentwöhnung werden E-Zigaretten von der Mehrheit ausstiegswilliger Raucher zudem dauerhaft genutzt. Experten raten davon ab.

„Ob die E-Zigarette so schädlich oder weniger schädlicher für den Körper ist, ist noch nicht bekannt, da fehlen noch langfristige Studien“, sagt Andreas. Der parallele Gebrauch von E-Zigaretten und normalen Zigaretten sei aber auf jeden Fall noch schädlicher für den Körper. Das ergab eine Meta-Analyse aus Kopenhagen.

Das Aerosol von E-Zigaretten habe gefäßschädigende sowie entzündungs- und krebsfördernde Eigenschaften, heißt es von der DGP. Die Schadstoffkonzentration sei für eine Reihe von Substanzen im Aerosol von E-Zigaretten niedriger, einige aber auch höher als im Tabakrauch.

E-Zigaretten: Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Erste Untersuchungen deuten auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD hin. Nahezu 30 Prozent der Deutschen sind Raucher. Die Zahl steige weiterhin leicht an, auch die Rauchstop-Versuche seien rapide gesunken.

In anderen europäischen Ländern bekommen Raucher bei der Entwöhnung mehr Unterstützung als in Deutschland, sagt Andreas. „Wir müssen dahin kommen, dass Raucher aktiv vom Arzt angesprochen werden und ihnen Hilfe angeboten wird. Das passiert in Deutschland noch zu selten“, so der Pneumologe.

Denn nur etwa sechs Prozent erhalten laut dem Mediziner eine ärztliche Kurzberatung und sieben Prozent lassen sich pharmakologisch behandeln, bekommen also Medikamente zur Tabakentwöhnung. Zum Vergleich: In England seien es 48 Prozent der Raucher, die mit Medikamenten behandelt werden.

Programm zur Tabakentwöhnung startet

Um Rauchern das Loskommen von der Zigarette zu erleichtern, entwickelte die Lungenfachklinik Immenhausen unter Leitung von Stefan Andreas gemeinsam mit Suchtberater Ole Ohlsen ein Programm zur Tabakentwöhnung. „Die Basis stammt aus Tübingen, wir haben es dann lokal weiterentwickelt“, sagt Andreas.

Das Programm „Zigarette Ade“ besteht aus fünf Terminen à zwei Stunden, an denen die Teilnehmer gemeinsam angeleitet werden. „Es gibt drei wichtige Schritte: Beobachten, Verändern, Stabiliseren“, sagt Ohlsen, der selbst einmal Raucher war und das Seminar leitet. „Wichtig ist zu verstehen, warum jemand raucht. Es gibt immer einen Grund“, so der Suchtberater.

70 bis 80 Prozent rauchfrei nach Programm

Das Programm wird von den Krankenkassen unterstützt. Danach seien etwa 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer rauchfrei, nach einem Jahr noch etwa 40 Prozent. „Mehr schafft man nicht, die Nikotinsucht ist sehr stark“, sagt Andreas.

Um die Teilnehmer auch nach dem Programm zu unterstützen, bietet Ohlsen darüber hinaus eine telefonische Betreuung sowie eine Online-Lernplattform an. Aktuell findet der Kurs in den Räumen der Agaplesion Diakonie Kliniken in Kassel statt, Herkulesstraße 34, Nebenraum Cafeteria, Haupteingang 1. Stock. Eine kostenlose Informationsveranstaltung findet am Montag, 13. Juni, um 19 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. (Anna Weyh)

Kontakt

Tel.: 0 61 72/30 46 26 oder ole@ole-ohlsen.de; Seminartermine: 20. Juni bis 18. Juli jeweils montags von 19 bis 21 Uhr

In mehreren Ländern bereits verboten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt ebenfalls vor E-Zigaretten und anderen elektronischen Geräten zum Konsum des Suchtmittels Nikotin. Die Produkte würden oft mit ihren Geschmacksnoten gezielt an Kinder vermarktet. Minderjährige Nutzer greifen somit später zwei- bis dreimal häufiger zur herkömmlichen Zigarette als andere Jugendliche, heißt es in einer Mitteilung. Die Bewertung über Schaden oder Nutzen von E-Zigaretten ist unter medizinischen Experten zwar nicht ganz einheitlich. Die WHO hat aber zu einer strengen Regulierung aufgerufen, um vor allem junge Leute von der Nutzung abzuhalten. Bis Juli 2021 wurden E-Zigaretten laut der WHO bereits in mehr als 30 Ländern verboten.

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