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In Vernawahlshausen lernen 30 Ukrainerinnen die deutsche Sprache

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Von: Tanja Temme

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Auch Ältere lernen Deutsch: Liydmyla Dmytriieva (von links) und ihre Tochter Irina Bezdolna gehören der Lerngruppe in Vernawahlshausen an. Elisabeth Schlaf erklärt den beiden wichtige Aspekte.
Auch Ältere lernen Deutsch: Liydmyla Dmytriieva (von links) und ihre Tochter Irina Bezdolna gehören der Lerngruppe in Vernawahlshausen an. Elisabeth Schlaf erklärt den beiden wichtige Aspekte. © Tanja Temme

Drei mal wöchentlich bekommen geflüchtete Ukrainerinnen in Vernawahlshausen Deutschkurse angeboten. Sechs pensionierte Lehrer unterrichten sie.

Vernawahlshausen - Feinsäuberlich schreibt Elisabeth Schlaf das Wort Kartoffeln auf die Tafel. Anschließend wiederholt sie das Wort langsam und betont in Richtung ihrer Schülerinnen, die dieses mit leicht osteuropäischem Akzent nachsprechen. So etwa läuft der Deutschunterricht in Vernawahlshausen ab.

Sechs pensionierte Lehrer unterrichten seit einem Monat mehr als 30 Neuankömmlinge im Wesertal. Dreimal pro Woche wandelt sich seitdem die Schwülmetalhalle in Vernawahlshausen in ein großes Klassenzimmer und im Nachbarort Lippoldsberg wird die Winterkirche für die Beschulung der Frauen genutzt. „Die Kinder gehen ja ganz normal in die Schule – allerdings überlegen wir gerade, ob wir für sie ein Zusatzangebot auf die Beine stellen“, erklärt Jan Hannik Stülzebach, der den Deutschunterricht für die Gemeinde koordiniert.

Von Erfahrungen profitiert

Und das läuft bislang vorbildlich, werden die Frauen – denn es sind ausschließlich weibliche Teilnehmer – doch vom Bürgerbus in den Gemeindeteilen abgeholt und nach dem Unterricht wieder nach Hause gebracht. Warum die Unterstützung von Geflüchteten im Wesertal so gut läuft, kann Hildegard Gunkel-Becker erklären: „ Bei der Flüchtlingswelle 2015 hatten wir schon Ähnliches organisiert und profitieren heute von den Erfahrungen“, sagt die Ortsvorsteherin von Gieselwerder, denn die meisten der Lehrkräfte seien damals schon aktiv gewesen.

Wie wichtig das Angebot ist, machte sie im Weiteren klar: „Ein Deutschkurs bei der Volkshochschule kostet 300 Euro, was niemand aufbringen kann“, bemerkt sie, wies so auf die Relevanz hin. Beim Blick in das besondere Klassenzimmer wird schnell deutlich, dass ohne Teamarbeit hier nichts läuft: „Wenn wir uns nicht verständigen können, dann sprechen wir auf Englisch mit denjenigen, die die Sprache können“, erklärt Schlaf und ergänzt, dass diese dann wiederum das Gesagte auf Ukrainisch weitergeben.

Vieles geht auch über das Optische

Grundsätzlich geht aber auch vieles über Optik. So hält Giesela Grabbe Schäfer an diesem Morgen etwa eine Möhre in ihren Händen, um das Wort zu vermitteln: „Mit Herz und Verstand, Händen und Füßen versuchen wir den Frauen unsere Sprache näherzubringen.“ Nachdem man sich zu Beginn mit einfachen Sätzen wie „Ich heiße“ oder „Ich wohne“ beschäftigt hatten, geht es nun um das Thema Einkaufen, Zahlen und Uhrzeiten, eben Lernstoff, den man für den Alltag benötigt.

Obwohl unsere Buchstaben etwas anders aussehen als das kyrillische Alphabet hat damit scheinbar keine der Schülerinnen Probleme, „denn es gäbe viele Ähnlichkeiten“, meinte Maryna Omelchenko. Wie die anderen auch ist die 32-jährige Ostukrainerin überaus bestrebt möglichst schnell deutsch zu lernen. „Ohne die Sprache bekomme ich hier keine Arbeit“, sagt die gelernte Bankkauffrau, die in Deutschland bleiben möchte. Dass Deutsch gar nicht mal so einfach ist, hat die Gruppe schon erfahren: „Einiges ist für uns schwer auszusprechen“, meint Omelchenko, allerdings sei sie optimistisch, dass sich das mit der Zeit lege. (Tanja Temme)

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