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Inklusionsbeauftragter Herbert Schröder setzt sich für Barrierefreiheit in Grebenstein ein

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Von: Hanna Maiterth

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Inklusionsbeauftragter: Der Schreibtisch im Keller ist Herbert Schröders Arbeitsplatz.
Inklusionsbeauftragter: Der Schreibtisch im Keller ist Herbert Schröders Arbeitsplatz. © Hanna Maiterth

Einschränkungen und Barrieren erleben Menschen in verschiedenen Situationen und Lebensphasen. Da braucht es gar keine körperliche Behinderung, erklärt Herbert Schröder, Inklusionsbeauftragter der Stadt Grebenstein: Für Geflüchtete kann Sprache eine Barriere sein, für Eltern mit Kinderwagen ist eine Treppe ebenso eine Hürde wie für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator.

Grebenstein – Barrieren im Stadtgebiet zu beseitigen, das gehört zu dem Ehrenamt, das Schröder bereits seit mehr als zehn Jahren innehat. Nun wird das Amt aufgewertet. Die Stadtverordneten Grebensteins beschlossen eine Satzung, die Anfang 2023 in Kraft treten soll. In ihr sind Aufgaben aber auch die Unparteilichkeit und das Recht auf Mitwirken festgehalten. Außerdem bekommt der Amtsinhaber nun ein Budget für Fachliteratur. „Es ist eine formelle Sache“, sagte der Erste Stadtrat Horst Wolff vor der Abstimmung. „Das Ehrenamt wird dadurch aufgewertet und mit den ehrenamtlichen Stadtverordneten gleichgestellt.“

Für Schröder, der auch Mitglied im Kreisseniorenbeirat ist, bedeutet es aber mehr als das. „Die Satzung ist die Grundvoraussetzung für meine Arbeit“, sagt der 70-Jährige, der den Bürgermeister auf die Wichtigkeit der Satzung hingewiesen habe. „Sie gibt mir Rechtssicherheit und sorgt für Unabhängigkeit.“ Unabhängigkeit ist besonders wichtig. Das ist in der Satzung festgehalten. Als Inklusionsbeauftragter darf Schröder in keinem politischen Parlament der Stadt Mitglied sein. Er nimmt vielmehr eine beratende Funktion ein und muss auch manchmal den Verantwortlichen auf die Füße treten.

Änderungen erfordern Hartnäckigkeit

Ist er zufrieden mit den Beratungen in den Stadtparlamenten? „Da kann ich leider nichts zu sagen“, so Schröder. „Ich bin nicht einmal eingeladen worden.“ Erfolge kann der 70-Jährige trotzdem für sich verbuchen. Zum Beispiel beim Rathaus. Inzwischen gibt es einen barrierefreien Eingang und auch einen direkt angrenzenden Behindertenparkplatz. Doch das war nicht immer so und der Prozess dahin beschwerlich. So befand sich der Parkplatz ursprünglich auf der anderen Seite bei der Zehntscheune. Da mussten Betroffene um das komplette Rathaus. Eine Situation, die nicht tragbar war, wie Schröder findet.

Doch solche Änderungen erfordern Hartnäckigkeit. „Als Inklusionsbeauftragter muss ich dem Bürgermeister auch mal auf die Pelle rücken“, sagt Schröder und grinst. Auch auf das Schild am Eingang des Rathauses, das auf den barrierefreien Eingang hinweist, habe er bestanden. Doch, sind solche Schilder nicht selbstverständlich? „Menschen ohne Einschränkungen haben oft Scheuklappen“, antwortet Schröder. „Seit ich das Ehrenamt ausübe, gehe ich mit einem ganz anderen Blick durch die Stadt.“ Schon eine Hecke, die über den Gehweg ragt, ein Auto, das auf dem halben Bürgersteig parkt, können zu Hindernissen werden.

Verbesserungsbedarf am Grebensteiner Bahnhof

Schröder weiß, wovon er spricht. Der 70-Jährige, der früher mal Bäcker war, hat inzwischen einen Behinderungsgrad von 90 Prozent. Bei ihm ist es die Lunge. Ein Lungenflügel hat bereits die Funktion eingestellt. Lange Strecken, Treppen alles Bewegungen, die ihn viel Anstrengung kosten. In seinem Behindertenausweis stehen ein „aG“ für außergewöhnliche Gehbehinderung und ein B. Letzteres bedeutet, dass er eine Begleitperson benötigt.

Dringenden Verbesserungsbedarf sieht Schröder auch beim Bahnhof in Grebenstein. „Das ist aber eine Sache, da beißt sich die Katze in den Schwanz“, sagt der 70-Jährige und erklärt: Damit die Bahn einen Bahnhof barrierefrei anpasse, müsse ein Bedarf bestehen. Doch weil Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer mangels Erreichbarkeit aller Gleise meist direkt die Bahnhöfe Immenhausen und Hofgeismar aufsuchen, seien es in Grebenstein auf den ersten Blick zu wenig Menschen, die Barrierefreiheit benötigen. (Hanna Maiterth)

Hinweis: Herbert Schröder als Inklusionsbeauftragte der Stadt Grebenstein ist wie folgt erreichbar: E-Mail hersch52@msm.com und telefonisch über 0 56 74/68 06 und 0176 / 47 99 25 76.

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