Angehörige befürchten, dass Diakonie auf die Bewohner der Wohnstätten Einfluss ausübt

Jetzt ist die Angst in Hofgeismar

Heimat für Behinderte: Die Hofgeismarer Wohnstätten sind im Löffelburgerweg untergebracht. Doch die Diakonie als Trägerin will langfristig die Zahl der Bewohner reduzieren. Fotos: Maiterth

Hofgeismar. „Für 500 000 Euro werden 70 Menschen verkauft. Das darf nicht sein.“ Mit diesen Sätzen brachte Hans Heylen, Vorsitzender des Eltern- und Fördervereins der Grebensteiner Wohnstätten in Burguffeln, auf den Punkt, was die Eltern der Behinderten bewegt. Wobei sich die Situation am Standort Burguffeln entschärft hat.

In der vergangenen Woche stand das Thema auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung in Grebenstein. Mit dabei war auch Dr. Andreas Brachmann von der Baunataler Diakonie Kassel (BDK). Diese hat ein neues Konzept für die Wohnstätten erstellt. Danach soll an fünf weiteren Standorten Wohnplatz geschaffen, in Burguffeln und Hofgeismar jedoch abgebaut werden. Bei der Stadtverordnetenversammlung bekannte sich Brachmann allerdings zu Burguffeln und versprach „Keiner muss weg. Niemand wird zwangsumgesiedelt.“ (wir berichteten). Finanziell gefördert wird das Konzept von der Aktion Mensch - mit 500 000 Euro, wie Heylen schätzt.

Wie in Grebenstein hoffen nun auch die Eltern der in Hofgeismar wohnenden Behinderten auf die Politik. Ein Schreiben an Bürgermeister Heinrich Sattler blieb laut Helmut Rudolph, Vorsitzender des Eltern- und Fördervereins der Hofgeismarer Wohnstätten, unbeantwortet. Frank Nikutta von der SPD war der Einladung zu einem Treffen gefolgt.

Sie stolpere über den Satz „Keiner muss“, sagte Christina Rudolph aus Espenau, deren Tochter in Hofgeismar lebt. Es sei den Bewohnern gesagt worden, sie müssten nicht wegziehen, sie könnten aber. Gleichzeitig werde ihnen vorgeschwärmt, was für tolle Zimmer es dann gäbe. „Wir haben Angst, dass die Leute beeinflusst werden.“

Siegfried Steingen aus Mönchehof befürchtet sogar, die Diakonie könne die Gebäude in Hofgeismar verwahrlosen lassen. Das führe dann dazu, dass die Eltern, die nur das Beste für ihre Kinder wollten, mit der Umsiedlung dann doch einverstanden wären.

Sabine Kerkmann (Tochter lebt in Hofgeismar) appellierte an Nikutta sich dafür einzusetzen, dass der Standort Hofgeismar erhalten bleibe. Das Wohnheim könnte saniert werden. Genauso wie die Heinrich-Heinemann-Anlage in Kassel. Dort leben etwa 130 Menschen, so viele wie in Hofgeismar und Burguffeln zusammen. Warum werde dort investiert, läge der Schwerpunkt auf Erhalt, während hier dezentralisiert und abgebaut werde, so Jutta Lang aus Grebenstein.

Frank Nikutta versprach, sich in seiner Fraktion für die Belange der Behinderten einzusetzen und es auch in der Stadtverordnetenversammlung zum Thema zu machen. Zum Glück gäbe es – was die Wohnsituation in Hofgeismar anbelange – Entwicklungspotenzial. Darüber hinaus mache der demografische Wandel den Kommunen zu schaffen. Wenn dann darüber hinaus mehr als 50 Menschen abwandern, sei das für eine Stadt nicht schön. Wobei Nikutta auf Dialog zwischen Eltern und Diakonie setzt und weniger auf Konfrontation. In den nächsten Tagen werden die Eltern einen offenen Brief an die Diakonie, die Lebenshilfe und alle Fraktionen in Hofgeismar schicken. (zrk)

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