Eine halbe Million Tonnen Rüben

Kampagne läuft: Warburger Südzucker-Werk produziert süße Spezialitäten

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Hier wird eine halbe Million Tonnen Zuckerrüben verarbeitet: die Warburger Zuckerfabrik.

Eine halbe Million Tonnen Zuckerrüben verarbeitet die Warburger Zuckerfabrik jedes Jahr. Viele der Zuckerrübenanbauer kommen aus Hofgeismar. Anlass, das Warburger Werk der Südzucker AG zu besuchen.

Mancher Autofahrer erinnert sich wohl noch an die Zeiten, in denen im Herbst im Raum Warburg Rübentransporte die Straße blockierten. Die Zeiten sind vorbei. Die Anlieferung plant Südzucker längst per Computer. Über ein Internetportal erfahren die Anbauer, wann sie Rüben anliefern können.

Das erleichtert den Landwirten die Arbeit – und entlastet die Straßen rund um die Fabrik. Und wenn in Warburg keine Rüben angenommen werden können, werden die Anbauer in die Waberner Zuckerfabrik umgeleitet. 24 Stunden am Tag erfolgt die Anfuhr der Rüben.

Gut 60 Menschen arbeiten in dem Werk in Warburg. Werksleiter Peter Tewes freut sich über deren enge Bindung an das Unternehmen. Die meisten sind schon lange im Betrieb. Einige von ihnen wohnen in Werkswohnungen ganz in der Nähe. Sorgen um die Zukunft macht man sich in Warburg derzeit nicht. Der Zuckerverbrauch steige weltweit weiterhin an, sagt Tewes. 13,5 von 18 Millionen Tonnen Zuckerbedarf in der Europäischen Union werden in deren Gebiet produziert.

800 Landwirte zwischen Dortmund, Holzminden und Kassel bauen die kaum vorstellbare Menge von einer halben Million Tonnen Zuckerrüben an, die in Warburg verarbeitet wird. Etwa 130 der 800 Zuckerrübenanbauer leben im Kreis Kassel, die meisten von ihnen im Kreisteil Hofgeismar.

"Königin des Ackerbaus"

Für Jörg Kramm, den stellvertretenden Vorsitzenden des Regionalbauernverbandes Kurhessen, ist die Zuckerrübe „die Königin des Ackerbaus“. Der Anbau lohnt sich für die Landwirte, die müssen aber die hohen Ansprüche der Pflanze erfüllen. Zu Beginn der Kampagne verarbeitet das Warburger Werk die biologisch angebauten Rüben von zertifizierten Landwirten. Werksleiter Peter Tewes ist auf die „Spezialitäten“ stolz, die Warburg liefert. Damit könne das kleine Werk „im Konzert der Großen“ mitsingen. So stellt Warburg als einziges Werk im Konzern Biozucker her.

Ein exklusives Warburger Produkt ist „Brillant Decor“. Das sind grobe Zuckerkristalle, die zur Dekoration von Süßwaren oder zum Süßen von Tee verwendet werden. In Deutschland wird Brillant Decor nicht verkauft, sagt Tewes. Entwickelt wurde das Produkt ursprünglich als Füllung für Windlichter. Für Warburg sind diese Spezialitäten wichtig, weil das Werk damit einen deutlich höheren Erlös erwirtschaftet als mit Standardzucker. 

Auf dem Weg in die riesigen Kessel: Hier kann man das Rohprodukt, die Zuckerrübenschnitze, noch sehen. Die weitere Verarbeitung muss aus hygienischen Gründen abgeschlossen in den Maschinen erfolgen. 

Verarbeitet wird in der Zuckergewinnungsanlage alles, was angeliefert wird. Der Zuckersaft wird aus den Rüben herausgelöst. Die ausgelaugten Schnitzel gehen zurück als Viehfutter in die Landwirtschaft. Rübenbruch wird an Biogasanlagen abgegeben. Der Zucker-Rohsaft wird mit Kalk gereinigt. Auch den verkauft das Werk anschließend als Dünger. Und selbst die Erde, die an den Rüben klebt, geht als erstklassiger Mutterboden auf die Felder zurück. Die Abwärme liefert das Werk an die Stadt Warburg. Das Wasser wird aus einem eigenen Brunnen bezogen.

Eine Kampagne dauert etwa vier Monate. Tewes will die Auslastung des Warburger Werks noch verlängern. Aber auch, wenn die letzten Rüben angeliefert wurden, wird es nicht still in dem Werk. Dann verkaufen die Mitarbeiter den produzierten Zucker. Dann wird auch gebaut, denn der Konzern modernisiert regelmäßig. Südzucker investiert jedes Jahr laut Tewes 2,5 Mio. Euro in das Warburger Werk. Und schließlich nehmen die Mitarbeiter ihren Urlaub, nachdem die letzten Rüben verarbeitet wurden.

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