Keine Windkraftanlage für Mariendorf

Zu hoch für Mariendorf: Solche Windräder wird es wohl auch in naher Zukunft nicht in Mariendorf geben. Foto: Gehlen/Archiv

Immenhausen. Der Bau einer Windkraftanlage bei Mariendorf wird immer unwahrscheinlicher. Bürgermeister Herbert Rössel, ein langjähriger Befürworter, spricht von unüberwindbaren Hürden.

„In der Summe sind die Risiken so hoch, dass ich der Stadtverordnetenversammlung von einer Verfolgung unserer berechtigten Interessen abrate“, sagt Rössel. In Verhandlungen und Gesprächen mit dem Regierungspräsidium habe man keine Einigung erzielen können. Es gebe mehrere Hürden: Die Höhe der geplanten Anlagen, der Abstand zu Sichtan- und Abflugstrecken, der Standort der Meldepunkte und der Naturschutz.

Die Höhe der Anlage

Um wirtschaftlich zu sein, muss die Windkraftanlage (WKA) höher als 100 Meter sein, sagt Rössel. Geplant war aber, Anlagen mit einer Höhe von etwa 200 Metern zu errichten. Kleinere Anlagen seien nach der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht mehr gewinnbringend genug, da die Förderung für Windstrom zurückgefahren wurde. Das Regierungspräsidium erklärte dazu, dass es keine luftverkehrsrechtliche Ausnahme für eine höhrere Anlage geben wird, da diese zu stark in den Luftraum am Flughafen ragen.

1000 Meter Mindestabstand

Die Deutsche Flugsicherung fordert, dass WKAs einen Mindesabstand von 1000 Metern zu Sichtan- und Abflugstrecken haben. Die geplante Anlage würde sich jedoch nur 850 Meter von den Strecken entfernt befinden. Rössel merkt dazu an, dass die Luftverkehrsordnung lediglich einen Abstand von 150 Metern vorsieht. Das Regierungspräsidium beharrt auf der Einhaltung der Vorgaben der Flugsicherung. Eine Verlegung der Anlage um 150 Meter ist laut Rössel nicht möglich. Denn auch zum bebauten Gebiet, müsse ein Abstand von 1000 Metern eingehalten werden und das ginge nicht, wenn auf kommunalen Grund gebaut werden soll.

Standorte Kontrollpunkte

Das Problem des Abstandes zu den Strecken hätte sich mit einer Verlegung des Meldepunktes lösen lassen können, sagt Rössel. Wenn Flugzeugführer in den Kontrollbereich des Flughafens einfliegen wollen, müssen sie sich derzeit bei einem der vier Pflichtmeldepunkte anmelden. Mit einer Verlagerung des Meldepunktes Echo zwischen Hombressen und Veckerhagen hätten die luftverkehrsrechtlichen Probleme ausgeräumt werden können. Das lehnt das Regierungspräsidium ab.

Naturschutz

Die geplante Anlage befindet sich „Am Kaiserteich“. Dort würden sowohl nistende Schwarzstörche und Rotmilane vermutet. Um das zu überprüfen und Bedenken bezüglich des Naturschutzes auszuräumen, müssten mehrere Gutachten in Auftrag gegeben werden. „Allein das vogelkundliche Gutachten würde etwa 90 000 Euro kosten“, sagt Rössel.

Standpunkt Bürgermeister :

„Da ohne eine Klage gegen den Regierungspräsidenten kein Baurecht erzielt werden kann, mehrere Gutachten mit offenem Ausgang beauftragt werden müssten und die Anlage zu wenig Ertrag liefern würde, sind in der Summe die Risiken zu hoch", sagt Rössel. Er hofft nun auf eine Beteiligung an den geplanten Windkraftanlagen im Reinhardswald, auch um die städtischen Kassen aufzubessern.

Hintergrund

Angedacht war, auf eigener kommunaler Fläche in 1000 Meter Abstand zur Bebauung Mariendorfs eine Drei-Megawatt-Anlage „Am Kaiserteich“ zu bauen. Durch die Nutzung kommunaler Flächen, hätte man eine Pacht von jährlich 50 000 Euro gespart.

Die Anlage hätte laut Bürgermeister Rössel etwa je zur Hälfte von der Stadt und einer Bürgergenossenschaft finanziert werden sollen. Über die Pläne hätte in einer Bürgerversammlung diskutiert und dann abgestimmt werden sollen. Pro Jahr hätte man mit geschätzt 250 000 Euro an zusätzlichen Einnahmen für den städtischen Haushalt gerechnet, sagt Rössel. (mia)

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