Keine Kandidaten von Planern und Protestlern

Keine Zusagen fürs Podium: Oliver Ulloth sagt Wind-Info ab

Die vom Landtagsabgeordneten Oliver Ulloth angekündigte Info-Veranstaltung „Windkraft im Reinhardswald“ findet nicht statt. Der SPD-Politiker sagt die für den 7. Mai geplante Diskussionsrunde ab, weil weder Planer noch Kritiker für die Diskussionsrunde fristgerecht zusagten.

Ulloth hatte in einem Anschreiben an Bürgerinitiativen, Bürgermeister und die Windenergie Reinhardswald Verwaltungsgesellschaft Anfang April eine zweiwöchige Frist gesetzt, Teilnehmer für das Podium zu benennen. Während Geschäftsführer Ralf Paschold im Namen der Gesellschaft die Teilnahme absagte, konnten sich die Initiativen laut Ulloth nicht auf Vertreter einigen. Oliver Penner vom Aktionsbündnis Märchenland hingegen gibt an, man habe sich „wegen der Ostertage zehn Stunden zu spät“ mit Kandidaten für das Podium gemeldet. 

Ralf Paschold

Paschold führt als Argumente an, dass die Veranstaltung parteipolitisch sei. Dem widerspricht Ulloth. „Ich stelle mich als SPD-Mann praktisch gegen die Linie meiner Partei“, sagt er. Dass er jetzt diese Konsequenz ziehen müsse, überrasche und verärgere ihn. In einem Brief an Ulloth, der der Redaktion vorliegt, zählt die GmbH alle Termine seit Sommer 2017 auf, an denen sie Mandatsträger oder die Öffentlichkeit über den Windpark informiert habe. Man habe entschieden, die eigenen Ressourcen auf diese Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden, und halte eine Teilnahme an Infoveranstaltungen Dritter nicht zielführend. „Das mit der Transparenz sehen viele Bürger anders“, sagt Ulloth dazu. 

Gabriele Niehaus-UebelBI Oberweser-Bramwald

Da in Kürze damit zu rechnen sei, dass die Windkraftplaner ihren Genehmigungsantrag dem RP vorlegen werden, sei der Zeitpunkt für Diskussionen eigentlich vorbei, sagt Gabriele Niehaus-Uebel von der Bürgerinitiative Oberweser-Bramwald. „Wir werden uns darauf vorbereiten und Argumente gegen Windkraft im Wald sammeln“. Die BIs müssten sich aufs Fachliche und rechtliche Schritte fokussieren, sagt Niehaus-Uebel. Das sei der Hebel, um die Anlagen noch zu verhindern.

„Alle sind betroffen“

Die Absage der Diskussionsveranstaltung, zu der der SPD-Landtagsabgeordnete Oliver Ulloth für den 7. Mai nach Reinhardshagen eingeladen hatte, wird von Windkraftgegnern sehr bedauert. Es sei keineswegs so gewesen, dass „niemand von uns teilnehmen wollte“, sagt Oliver Penner vom Aktionsbündnis Märchenland auf Nachfrage unserer Zeitung.

Über die Hektik der Osterfeiertage sei die Zusage allerdings zehn Stunden verspätet bei Ulloth eingegangen, sagt Penner. Im Vorfeld hätten sich die Bürgerinitiativen bereits darauf geeinigt gehabt, wer die Windkraftgegner auf dem Podium hätte vertreten sollen: Das waren Hermann-Josef Rapp vom Aktionsbündnis, Bernhard Klug, Landes- und Kreisvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sowie Fred Dettmar, Bürgermeister Reinhardshagens, wo die Veranstaltung hätte stattfinden sollen. Dem widerspricht Ulloth. Bis gestern Nachmittag sei kein gemeinsamer Vorschlag der Initiativen für eine Dreierbesetzung auf dem Podium wie eingefordert bei ihm eingegangen.

Oliver PennerAktionsbündnis Märchenland

Dass die Windparkgesellschaft und deren Geschäftsführer Ralf Paschold „sich der öffentlichen Diskussion verweigern, spricht für sich alleine“, so Penner. Das Aktionsbündnis schlägt vor, als Ersatz für die Podiumsdiskussion eine Infoveranstaltung mit den Bürgermeistern der von den Windkraftplänen betroffenen Kommunen stattfinden zu lassen. Allein schon aufgrund der von allen Seiten aus zu sehenden riesigen Anlagen, seien von Bad Karlshafen bis Reinhardshagen und Immenhausen bis Hofgeismar alle Kommunen betroffen.

Bernhard KlugSchutzgemeinschaft SDW

Auch SDW-Vorsitzender Bernhard Klug findet „die Absage schade“. Denn Transparenz und Information der Öffentlichkeit seien bei solch einem wichtigen Thema notwendig. Klug bestätigt, dass sich die Windkraftgegner bei der Besetzung des Podiums mit drei Personen einig gewesen seien. „Die Dreischichtigkeit der Gegner mit ihren unterschiedlichen Strategien und Prioritäten hätte die Skala des Widerstands gut abgebildet“, sagt Klug. Priorität habe nun, gemeinsam zu erörtern, wie dem in Kürze zu erwartenden Genehmigungsantrag der Windkraftplaner nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz „mit entscheidungsrelevanten Argumenten zu begegnen ist“.

Auch Gabriele Niehaus-Uebel von der BI Oberweser-Bramwald setzt auf die behördliche und sich möglicherweise anschließende gerichtliche Prüfung des Genehmigungsantrags. Die BI-Sprecherin ist zuversichtlich, dass gerade hinsichtlich avifaunistischer Belange die Planungen zu stoppen sein werden. Fotos: Privat/Niesen/Temme

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.